Capacity Building in Afrika: Voith vermittelt Menschen vor Ort Fachwissen zu Wasserkrafttechnologie

22.12.2017

Die Entwicklung, der Betrieb und die Wartung von Wasserkraftwerken setzt umfassendes und vielseitiges Fachwissen voraus.

Capacity Building in Afrika: Voith vermittelt Menschen vor Ort Fachwissen zu Wasserkrafttechnologie

Ausbildungsbestandteil der Mitarbeiter der Liberia Electricity Corporation (LEC): Einblick in die „Brunnenmühle“ von Voith, das Forschungs-und Entwicklungszentrum für Generator- und Turbinentechnik (Foto: Voith)

Eine voranschreitende Erschließung bisher ungenutzter Wasserkraftpotenziale in vielen Entwicklungsländern auf der ganzen Welt, die wachsende Beteiligung neuer Akteure in der Branche sowie neue internationale Normen führen dabei vermehrt zu Wissenslücken bei den Betreibern von Wasserkraftwerken. Um diese Lücken zu schließen, hat der deutsche Technologiekonzern Voith unter der Bezeichnung HydroSchool ein weltweites Schulungsprogramm ins Leben gerufen. Dieses Programm umfasst unter anderem auch Lösungen, welche auf Entwicklungsländer und ihre speziellen Bedürfnisse zugeschnitten sind. Das Ziel besteht darin, die ortsansässigen Mitarbeiter weiterzubilden und ihnen eine qualifizierte Ausbildung in ihrem Fachbereich der Wasserkraftbranche zu vermitteln. Verschiedene Schulungen, die in ganz Afrika durchgeführt werden, belegen die Fortschritte.

Ingula, Südafrika

Das Pumpspeicherwerk Ingula, das im Osten Südafrikas liegt, ist das größte Kraftwerk seiner Art in ganz Afrika. Nach der Inbetriebnahme im Jahr 2016 wurde Voith vom Betreiber des Kraftwerks, dem südafrikanischen staatlichen Energieunternehmen Eskom, damit beauftragt, die Mitarbeiter vor Ort im Betrieb und in der Wartung des neuen Kraftwerks auszubilden. Daraufhin startete Voith sein bisher umfangreichstes HydroSchool-Trainingsprogramm für Betreiber von Wasserkraftwerken Mitte 2017. Seit diesem Zeitpunkt hat das Unternehmen etwa 70 Mitarbeiter von Eskom ausgebildet, vom Techniker bis zum Manager, damit diese ihre jeweilige Aufgabe optimal wahrnehmen können. Das Projekt wird Mitte nächsten Jahres abgeschlossen.

„Beim Training in Ingula müssen wir viele verschiedene Zielgruppen und ein breites Spektrum von Schulungszielen berücksichtigen“, erläutert Maren Henkes, Customer Training Manager bei Voith Hydro. „Wir sind hocherfreut, dass wir diese Herausforderung trotz der sehr kurzen Vorbereitungszeit erfolgreich gemeistert haben. Unser Kunde profitiert von einem speziell angepassten Schulungskonzept, das genau auf seine Anforderungen zugeschnitten ist.“ Das umfassende Schulungsprogramm ist aus rund 20 verschiedenen Kursen aufgebaut – vom anfänglichen allgemeinen Überblick über das Kraftwerk bis hin zu Schulungskursen für spezifische Systeme, zum Beispiel zum Ölumlaufsystem des Pumpspeicherwerks. Über 15 Ausbilder von Voith aus Afrika, Europa und Asien sind daran beteiligt.

Ingula ist seit über 25 Jahren das erste Neubauprojekt eines Pumpspeicherwerks in Südafrika. Die gesamten elektromechanischen Anlagen wurden von Voith geliefert. Inzwischen tragen die vier Pumpspeicheranlagen in Ingula erheblich dazu bei, das südafrikanische Stromnetz zu stabilisieren.

Mount Coffee, Liberia

Bereits im Jahr 2016 hat Voith 20 Mitarbeiter des liberianischen Stromversorgers Liberia Electricity Corporation (LEC) für den Betrieb des Mount-Coffee-Wasserkraftwerks ausgebildet, das nach einer umfangreichen Modernisierung seit Anfang 2017 wieder Strom ins Netz einspeist. Durch das Training des Betreiberpersonals trägt Voith erheblich für den dauerhaften, effizienten und sicheren Betrieb des Kraftwerks bei.

„Voith unterstützt die Vorgehensweise, den technischen Aufbau und die Ausbildung gleichzeitig durchzuführen, um dadurch sowohl die wirtschaftliche als auch die soziale Entwicklung in Afrika zu unterstützen und gleichzeitig zur Reduzierung der weltweiten CO2-Emissionen beizutragen. Die Zusammenarbeit mit der Liberia Electricity Corporation beim Mount-Coffee-Wasserkraftwerk ist ein großartiges Beispiel für dieses Modell“, sagt Heike Bergmann, Senior Vice President Sales Africa bei Voith Hydro.

Nach umfangreichen Erweiterungen nahm das Mount-Coffee-Wasserkraftwerk Anfang 2017 wieder den Betrieb auf. Voith hat bei diesem Projekt eine wichtige Rolle gespielt, da das Unternehmen die neuen Francis-Turbinen, die Leittechnik sowie die elektrische und mechanische Kraftwerksausrüstung geliefert hat. Das Kraftwerk leistet einen entscheidenden Beitrag zur wirtschaftlichen Transformation Liberias und stellt einen nachhaltigen Fortschritt für die Bevölkerung des westafrikanischen Landes dar.

Tansania – „German Hydro Development Days“

Im Oktober 2017 hat Voith an den „German Hydro Development Days“ (Deutsche Entwicklungstage für Wasserkraft) teilgenommen, die im ostafrikanischen Tansania stattfanden. Auf dieser Veranstaltung hatten Unternehmen aus der Stromerzeugungsbranche und politische Entscheidungsträger Tansanias die Möglichkeit, sich mit professionellem Know-how zu versorgen und Kontakt zu Fachexperten zu knüpfen. Voith schulte die Teilnehmer in der Planung und Konstruktion kleiner Wasserkraftwerke, wobei die Notwendigkeit dezentraler Stromerzeugung in Afrika besondere Berücksichtigung fand. Die behandelten Themen umfassten unter anderem die Auswahl der richtigen elektromechanischen Ausrüstung und die Erschließung von Potenzialen bei niedrigem Strömungsgefälle durch den Einsatz kompakter, robuster Technik.

Die „German Hydro Development Days“ wurden im Rahmen der Exportinitiative Energie des deutschen Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) durchgeführt. Die Initiative wird von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) geleitet. Das Ziel besteht darin, die geschäftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Tansania auszubauen und zu verstärken.

Wasserkraftpotenzial in Afrika

Insgesamt verfügt Afrika über ein erhebliches Wasserkraftpotenzial: Schätzungen für das technisch nutzbare Wasserkraftpotenzial auf dem gesamten Kontinent belaufen sich auf über 470 Gigawatt. Die gegenwärtig in Afrika installierte Kapazität beträgt jedoch nur 31 Gigawatt, wodurch der afrikanische Kontinent den weltweit höchsten prozentualen Anteil an bisher unerschlossenem Wasserkraftpotenzial aufweist.

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