Voith zeigt sich robust im Ausnahmejahr 2020

15.12.2020
Der Voith-Konzern hat sich im abgelaufenen Geschäftsjahr 2020 (zum 30.09.2020) in Anbetracht der in der zweiten Jahreshälfte quer durch alle Branchen und Märkte spürbaren Beeinträchtigungen durch die weltweiten Auswirkungen der Corona-Pandemie zufriedenstellend entwickelt.
Voith zeigt sich robust im Ausnahmejahr 2020

Dr. Toralf Haag, Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung (Bildquelle: Voith GmbH & Co. KGaA)

Dabei hat der Konzern vor allem von seiner breiten sektoralen und geografischen Aufstellung, seinen stabilen, regional organisierten Lieferketten sowie seiner sehr soliden Finanzlage profitiert. Der moderate Rückgang des Auftragseingangs und der nur leicht unter Vorjahr liegende Konzernumsatz belegen die robuste Verfassung des operativen Geschäfts von Voith. Auch die Ergebniszahlen entwickelten sich den Umständen entsprechend zufriedenstellend: Das EBIT vor Sondereinflüssen des Voith-Konzerns ist gegenüber dem Vorjahr zwar ebenfalls gesunken, lag aber auf einem auch im mehrjährigen Vergleich soliden Niveau. Auch das Konzernergebnis nach Steuern blieb trotz der Corona-bedingten Beeinträchtigungen des Geschäfts positiv. Der Gesamt-Cashflow sowie der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit haben sich stark verbessert.

Der Konzernbereich Paper verzeichnete Zuwächse bei Auftragseingang und Umsatz und leistete erneut den größten Beitrag zum Konzernergebnis. Voith Hydro fiel nach dem besonders starken Vorjahr erwartungsgemäß zurück. Marktbedingt war der Rückgang jedoch deutlicher als erwartet. Der Konzernbereich Turbo konnte sich vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Krise in etlichen Abnehmerbranchen insgesamt gut behaupten und verzeichnete nur leichte Einbußen bei Auftragseingang und Umsatz.

„Das abgelaufene Geschäftsjahr war auch für den Voith-Konzern, wie für die meisten Unternehmen unserer Branche, eine Bewährungsprobe. Wir sind dank unserer diversifizierten Aufstellung und unserer robusten Finanzlage nicht nur vergleichsweise gut durch die Krise gekommen, wir haben das abgelaufene Geschäftsjahr auch dazu genutzt, unsere Strategie mit Blick auf die Megatrends Dekarbonisierung und Digitalisierung weiter zu schärfen. In der Umsetzung der Strategie haben wir bereits wesentliche Fortschritte gemacht und weiter in die Zukunft unseres Unternehmens investiert. Der Voith-Konzern ist damit gut aufgestellt, um gestärkt aus der beispiellosen Krise hervorzugehen und sich auch mittel- bis langfristig weiter positiv zu entwickeln“, sagte Dr. Toralf Haag, Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung.

Strategie geschärft: Potenzial des Kerngeschäfts ausschöpfen und neue Wachstumsfelder erschließen
Voith hat im abgelaufenen Geschäftsjahr seine Strategie noch klarer gefasst. Mit Blick auf die Megatrends Digitalisierung und Dekarbonisierung wurden vier strategische Säulen definiert: erstens die konsequente Ausrichtung der Unternehmenskultur auf Märkte, Kunden und Innovationen, zweitens die Ausschöpfung des vollen Potentials der angestammten Aktivitäten, drittens die Erschließung neuer Geschäftsfelder, und viertens die kontinuierliche Steigerung von Effizienz und Produktivität, um den finanziellen Spielraum auch für notwendige Investitionen und damit die Zukunft von Voith als unabhängiges, wettbewerbsfähiges Unternehmen langfristig zu sichern. „Dabei bringen wir unsere wirtschaftlichen Ambitionen auch immer mit unserer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Umwelt in Einklang – im Sinne einer industriellen Nachhaltigkeit. Auch deshalb haben wir uns bereits im vergangenen Jahr dazu verpflichtet, bis 2022 weltweit CO2-neutral zu arbeiten und damit zu den Vorreitern unserer Branche zu zählen“, so Dr. Toralf Haag.

Voith verfolgt mit seiner Strategie den Anspruch, sich als Pionier und Leistungsführer für seine Kunden in seinen strategischen Geschäftsbereichen zu positionieren. Ziel ist, zu den jeweils führenden Anbietern in den von Voith abgedeckten Industrien zu gehören.

Akquisitionsoffensive wichtiger Meilenstein für mehr Wachstum
Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat der Voith-Konzern wichtige Meilensteine erreicht, um sein Kerngeschäft weiter zu stärken. Im Mittelpunkt standen dabei zahlreiche strategische Zukäufe. Insgesamt hat Voith rund 450 Millionen Euro in den Kauf von Unternehmen investiert, die das Angebotsportfolio des Konzerns gezielt ergänzen und mit Zukunftstechnologien verstärken.

Voith Paper baute mit der bereits zu Beginn des Geschäftsjahres abgeschlossenen Übernahme von BTG, einem weltweit agierenden Anbieter von integrierten, hochspezialisierten Prozesslösungen für die globale Zellstoff- und Papierindustrie, seine Position als Full-Line-Anbieter weiter aus. Im Mai hatte Voith zudem 90 Prozent der Anteile an Toscotec S.p.A. erworben. Der italienische Hersteller von Papiermaschinen, Systemen und Komponenten erweitert das Angebot von Voith Paper insbesondere in den Bereichen Tissue, Papier und Karton.

Im Frühjahr 2020 hat Voith 70 Prozent der Anteile an der österreichischen ELIN Motoren GmbH übernommen und damit seinen Konzernbereich Turbo deutlich gestärkt. ELIN ist ein weltweit agierendes Hightech-Unternehmen für elektrische Motoren und Generatoren und liefert individuelle Lösungen für Industrieanwendungen. Im Bereich Turbo wurde, gemeinsam mit der Schweizer Beteiligungsgesellschaft PCS Holding, die Übernahme der Mehrheit an der Traktionssysteme Austria GmbH (TSA) abgeschlossen, dem weltweit führenden Hersteller von Elektromotoren, Generatoren und Getrieben für Schienen- und Nutzfahrzeuge. Mit der Beteiligung geht Voith Turbo einen wichtigen Schritt auf dem Weg zur Elektrifizierung des Antriebsstrangs. Gemeinsam mit dem Antriebsspezialisten Moog Inc. hat Voith das Joint Venture HMS – Hybrid Motion Solutions GmbH gegründet. Mit der Bündelung des Know-hows in diesem Bereich verstärkt Voith Turbo sein Portfolio hydraulischer Antriebslösungen.

Innovationen unterstreichen Technologieführerschaft
Trotz Krise hat Voith weiter intensiv in die Forschung & Entwicklung investiert und weitere Innovationen auf den Markt gebracht: Voith Paper hat erstmals einen geschlossenen Wasserkreislauf in der Papierherstellung entwickelt – ein Meilenstein auf dem Weg zu einer ressourcenschonenden, nachhaltigen Papierproduktion. Bereits im vergangenen Geschäftsjahr hatte Voith eine Initiative zur Einführung einer modularen Bauweise in der Wasserkrafttechnologie gestartet. Im Berichtszeitraum ist das Unternehmen hier einen entscheidenden Schritt nach vorn gegangen und hat die ersten beiden Technologiemodule fertiggestellt und eingesetzt. Voith Turbo hat einen wichtigen Fortschritt mit Blick auf die Elektrifizierung von Antrieben erreicht: Mit dem elektrischen Schneider Propeller (eSVP), wurde ein vollelektrischer und emissionsfreier Schiffsantrieb erfolgreich auf den Markt gebracht. Im Bereich Digital Ventures hat Voith die Entwicklung von Anwendungen für das Industrial Internet of Things (IIoT) weiter vorangetrieben.

Neben der Stärkung des Kerngeschäfts steht für Voith strategisch auch die Erschließung neuer Wachstumsmöglichkeiten in zukunftsträchtigen Geschäftsfeldern im Fokus. Dabei prüft das Unternehmen seine strategischen Optionen vor allem in den Bereichen Energiespeicherung, Wasserstofftechnologie und elektrische Antriebssysteme – Felder, die in schlüssiger Weise an die Kernkompetenzen von Voith anknüpfen.

Rückblick 2019/20: Auswirkungen der Corona-Pandemie beeinflussen wesentliche Kennzahlen
Die wesentlichen Kennzahlen des Geschäftsjahres 2019/20 sind stark von den Auswirkungen der Corona-Pandemie geprägt, die insbesondere das zweite Halbjahr des Geschäftsjahres spürbar beeinträchtigt hat.

So sank der Auftragseingang gegenüber dem hohen Niveau des Vorjahres um 14 Prozent von 4,70 Milliarden Euro auf 4,04 Milliarden Euro. Nach einem Sieben-Jahres-Höchststand ging der Auftragsbestand nur leicht um 4 Prozent auf 5,39 Milliarden zurück (30.9.2019: 5,63 Milliarden Euro).

Der Umsatz lag mit 4,17 Milliarden Euro lediglich um 3 Prozent unter dem Vorjahreswert (4,28 Milliarden Euro); akquisitions- und währungsbereinigt ist der Umsatz um 6 Prozent gesunken. Das EBIT des Konzerns vor Sondereinflüssen ging auf 139 Millionen Euro zurück (Vorjahr: 208 Millionen Euro). Kurzfristige Kosteneinsparungen konnten den Umsatzrückgang nur teilweise kompensieren. Entsprechend sank die Umsatzrendite von 4,8 Prozent auf 3,3 Prozent, der ROCE ging von 11,5 Prozent im Vorjahr auf 7,5 Prozent zurück. Das Konzernergebnis nach Steuern fiel mit 6 Millionen Euro (Vorjahr: 72 Millionen Euro) positiv aus.

Auch in dem von der Corona-Krise geprägten Geschäftsjahr hat Voith sein Engagement in Forschung und Entwicklung auf einem hohen Niveau gehalten. Der F&E-Aufwand lag im Berichtszeitraum bei 189 Millionen Euro (Vorjahr: 213 Millionen Euro).

Die Finanzlage des Voith-Konzerns ist nach wie vor sehr solide. Die Eigenkapitalquote lag zum Bilanzstichtag bei 20,8 Prozent, nach 26,2 Prozent im Vorjahr. Wesentliche Gründe für den Rückgang waren eine Erhöhung der Bilanzsumme aufgrund von M&A-Aktivitäten sowie Wechselkurseffekte. Der Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit konnte auf 234 Millionen Euro (Vorjahr: 46 Millionen Euro) signifikant gesteigert werden, der Gesamt-Cashflow lag dementsprechend bei 200 Millionen Euro (Vorjahr: 66 Millionen Euro). Die Nettoliquidität ist trotz der intensiven Akquisitionstätigkeit im Berichtsjahr weiterhin positiv und lag zum 30. September 2020 bei 71 Millionen Euro. Aufgrund der Unwägbarkeiten aus dem weiteren Verlauf der Corona-Pandemie hat Voith seine bestätigten Kreditlinien erhöht.

Entwicklung in den Konzernbereichen: Corona-Effekte spürbar
Nach einem sehr starken, durch ein großvolumiges Projekt geprägten Geschäftsjahr 2018/19 war der Berichtszeitraum für Voith Hydro äußerst herausfordernd. Durch pandemiebedingt verzögerte Ausschreibungen und Auftragsvergaben hat sich das Vergabevolumen im Wasserkraftmarkt deutlich reduziert. Dies führte zu einem unerwartet starken Rückgang des Auftragseingangs gegenüber dem hohen Vorjahreswert. Auch der Umsatz ging im vergangenen Geschäftsjahr spürbar zurück. Durch den Volumeneffekt verringerte sich auch das EBIT bei Hydro deutlich.

In einem herausfordernden Umfeld hat sich das Geschäft von Voith Paper erfreulich entwickelt. Auftragseingang und Umsatz konnten im Berichtszeitraum ein Wachstum verzeichnen, begünstigt durch die Konsolidierungseffekte der Zukäufe. Das EBIT ist Corona-bedingt leicht gesunken. Wie auch in den vergangenen Jahren steuerte Voith Paper den größten Beitrag zum operativen Ergebnis des Konzerns bei.

Voith Turbo hat im Berichtszeitraum zum einen die Stärkung seines Geschäfts durch Akquisitionen und zum anderen der Optimierung seines Produktionsnetzwerkes vorangetrieben. Infolge der Corona-Pandemie und der in vielen Regionen verhängten Lockdowns gingen Auftragseingang und Umsatz des Konzernbereichs Turbo leicht zurück. Der Volumeneffekt wirkte sich negativ auf das EBIT aus, das deutlich unter dem Vorjahreswert lag.

Im Bereich Voith Digital Ventures entwickelte sich der Umsatz positiv. Auch das EBIT hat sich gegenüber dem Vorjahr signifikant verbessert, liegt jedoch weiterhin noch leicht im Minus.

Ausblick 2020/2021: Übergangsjahr in volatilem Umfeld – leichte Steigerungen bei Auftragseingang, Umsatz und Ergebnis erwartet
Das Geschäftsjahr 2020/21 wird nach Einschätzung von Voith im Zeichen der anhaltenden Unsicherheiten über den weiteren Fortgang der Corona-Pandemie ein Übergangsjahr für den Konzern, bevor eine echte Erholung einsetzt. So wird der Maschinen- und Anlagenbau als spätzyklische Branche voraussichtlich auch 2021 mit einer verhaltenen Investitionstätigkeit in vielen Märkten konfrontiert sein. Voith geht entsprechend davon aus, dass der Konzern das Geschäftsjahr 2020/21 nur leicht über dem aktuellen Berichtsjahr abschließen wird. Die Konzernprognose sieht leichte Steigerungen bei den wesentlichen Kennzahlen Auftragseingang, Umsatz, EBIT und ROCE vor. Die erwartete leichte Steigerung beim Auftragseingang begründet sich insbesondere aus einem erwarteten Zuwachs im Konzernbereich Hydro, in dem nach einem sehr investitionsschwachen Jahr 2019/20 verschobene Aufträge nun zur Vergabe kommen könnten. Gleichzeitig wird der Konzern das Jahr nutzen, um sich weiter gezielt entlang seiner geschärften Strategie auszurichten.

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