Deutsch-vietnamesische Zusammenarbeit in der Wasserwirtschaft wird intensiviert

17.10.2012

German Water Partnership (GWP), der Vietnamesische Wasser- und Abwasserverband (VWSA) und das vietnamesische Unternehmen Busadco unterzeichneten am 1. Oktober in Hanoi ein Memorandum of Understanding (MoU) zur Stärkung der Verbandskooperation.

Deutsch-vietnamesische Zusammenarbeit in der Wasserwirtschaft wird intensiviert

Die deutsch-vietnamesische Zusammenarbeit im Wassersektor wird mit der Unterzeichnung eines MoUs im Rahmen einer Seminarreise des IWAS-Forschungsprojektes (Internationale WasserforschungsAllianz Sachsen) weiter vertieft. Beide Seiten arbeiten im wechselseitigen, fachlichen Austausch an der kontinuierlichen Entwicklung hin zu einer nachhaltigen vietnamesischen Wasserwirtschaft. Verschiedene Projekte stehen kurz vor dem Startschuss.

„Gemeinsam wollen wir den Verbandsausbau vorantreiben und betrachten diese Zusammenarbeit als strategische Partnerschaft, die langfristig Bestand haben soll. Auch einzelne Unternehmen sowie Bildungs- und Forschungsinstitutionen werden mit einbezogen und können so individuell und im wechselseitigen Interesse aus dieser Partnerschaft Nutzen ziehen,“ erklärt Gunda Röstel, Vorstandsmitglied von GWP.

Konkrete Maßnahmen, die zur zielgerichteten Entwicklung einer nachhaltigen Wasserwirtschaft in Vietnam mit Politik und Entscheidungsträgern diskutiert werden, sind neben der strukturellen Weiterentwicklung des Verbandes, u.a. der Aufbau eines Wasserkompetenzzentrums unter Begleitung des Ministry of Construction (MoC) Vietnam und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sowie vielfältige Maßnahmen im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung. Das vietnamesische Unternehmen Busadco verfügt bereits über Erfahrungen im Bereich der Aus- und Weiterbildung im Wasserbereich und wird insbesondere in diesem Modul die Entwicklung und Umsetzung geeigneter Maßnahmen unterstützen.

Insgesamt wird die vietnamesische Regierung bis 2020 über 12 Mrd. USD in die Wasserver- und Abwasserentsorgung investieren. Sie hat längst erkannt, dass dringender Handlungsbedarf besteht. „Das in Vietnam gelieferte Wasser hat vielfach gemessen am deutschen und europäischen Standard - noch keine Trinkwasserqualität. Auch Wasserverluste von bis zu 40 Prozent durch marode Leitungen sind keine Seltenheit,“ erläutert Stefan Girod, Geschäftsführer von GWP. „Eine besondere Herausforderung besteht in der Abwassersammlung und -klärung. Bisher können in den Klärwerken in Vietnam lediglich rund 10 Prozent der zu reinigenden Abwässer behandelt werden.“

Im Rahmen der Seminarreise des IWAS-Forschungsprojektes vom 29.09. bis 05.10. nach Hanoi und Vung Tau wurden in Fachvorträgen und Expertenworkshops die aktuellen Herausforderungen bezüglich eines nachhaltigen Wassermanagements diskutiert. Themen der Workshops waren etwa Regenwasserbewirtschaftung, Energieeffizienz, Rahmenbedingungen zur Verwaltung und Tarifkalkulation. Mit dem Vizeminister des MoC, Cao Lai Quang, wird es einen Austausch über den Stand des WKZ-Projektes geben. Die Ergebnisse werden in die aktuellen gemeinsamen Vorhaben einfließen.

Hintergrundinformationen

  • Rasante Entwicklung von Vietnam macht Investitionen in Infrastrukturen in Milliardenhöhe notwendig

    Sturmfluten und Binnenhochwasser fordern Menschenleben und sorgen für hohe ökonomische Schäden. Mit mehr als 87 Millionen Einwohnern und einem seit dem Jahr 2000 dynamischen Wirtschaftswachstum hat sich Vietnam in kurzer Zeit zu einem der politisch und wirtschaftlich führenden Akteure in Südostasien entwickelt. Dabei wächst insbesondere die städtische Bevölkerung rasant. Die vorhandene städtische Infrastruktur reicht jedoch nicht aus, die Systeme zur Abwassersammlung und -behandlung existieren fast nicht oder sind in sehr schlechtem Zustand. Eine integrierte und nachhaltige Wasserwirtschaft ist daher dringend notwendig.

    In Ho-Chi-Minh-City hat die Stadtverwaltung einen Wasserversorgungsplan verabschiedet, der von einer Erhöhung der Nachfrage nach Trinkwasser von 2,2 Millionen auf 3,6 Millionen Kubikmeter bis zum Jahr 2025 ausgeht. Die aktuelle Gesamtkapazität des zuständigen Versorgers beläuft sich derzeit jedoch auf 1,6 Millionen Kubikmeter. Die Kapazitäten müssen dementsprechend erhöht werden. In Hanoi werden rund 40Prozent - 400.000 Kubikmeter - der täglichen Wasserverbrauchsmenge ungeregelt aus privaten Brunnen entnommen. Drei neue Wasserwerke sind geplant, so dass schließlich bis 2020 die Kapazitäten auf insgesamt 1,8 Millionen erweitert sein sollen.

    Noch alarmierender steht es um die Entsorgung. Vietnam verfügt über 14 kommunale Kläranlagen. Mit einer Gesamtkapazität von 334.000 Kubikmeter bei einer zu entsorgenden Menge von 3,6 Millionen Kubikmeter ist hier dringender Handlungsbedarf. Zudem schätzen Fachleute die Entwicklung der städtischen Abwassermenge bis 2020 auf 4,5 Millionen Kubikmeter.

    Vietnam plant vor diesem Hintergrund enorme Investitionen. Um diese für den Privatsektor attraktiver zu machen, ist ein neues Wassergesetz in der Diskussion. Die bisherigen Vorschriften sollen den Erfordernissen angepasst und speziell die Gebührenerhebung neu regeln, die derzeit die notwendigen Investitionskosten nicht annähernd decken. Auftragschancen eröffnen sich insbesondere über von internationalen Entwicklungsorganisationen geförderte Projekte. (Quelle: GTAI, EUWID)

  • IWAS - Internationale WasserforschungsAllianz Sachsen

    Angesichts der wasserwirtschaftlichen Herausforderung haben sich rund 40 Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung – UFZ und der Technischen Universität Dresden mit der Gelsenwasser AG (GW AG) / Stadtentwässerung Dresden GmbH (GW AG ist Mitglied der German Water Partnership – GWP) und weiteren Partnern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik aus Deutschland sowie international zur „Internationalen Wasserforschungs-Allianz Sachsen“ (IWAS) zusammengeschlossen, um sich gemeinsam den drängendsten Wasserproblemen in fünf Weltregionen zu stellen. Gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms „Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern“ werden gezielt angepasste Systemlösungen für die jeweiligen Wasserprobleme entwickelt. (Quelle: IWAS)

  • VWSA - der Vietnamesische Wasser- und Abwasserverband

    Der VWSA, gegründet 1988 und mit Sitz in Hanoi, ist eine gesellschaftliche berufsbegleitende Organisation, die erfahrene Leitungskräfte der Wasser- und Abwasserunternehmen Vietnams sowie zahlreiche Bildungs- und Forschungsinstitutionen angehören. Ziel des Verbandes ist es, die Entwicklung einer zufriedenstellenden Wasser-und Sanitärversorgung sowie umweltgerechten Abwasserbehandlung in Vietnam vorzutreiben. Die Mitglieder werden in den Bereichen Qualifikation und Ausbildung, Investition, Organisations- und Prozessoptimierung sowie im Kundenservice und im politischen Dialog unterstützt.

Bild: Unterzeichnung des MoU, v.l.: Gunda Röstel (stellvertretende Vorstandsvorsitzende von GWP), Tran Quang Hung (Generalsekretär VSWA), Stefan Girod (Geschäftsführer von GWP) und Hoang Duc Thao (Generaldirektor Busadco) im Beisein von Cao Lai Quang (Vizeminister MoC - Ministry of Construction) und Jutta Frasch (Botschafterin der BRD in Vietnam)

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