IFAT India 2014: Der Wasserkriese entgegen arbeiten

23.05.2014

2014 ist ein entscheidendes Jahr für Indien: Die Parlamentswahlen finden statt und der Ausgang könnte unter anderem neue Impulse für die Belebung der indischen Wirtschaft bedeuten sowie für notwendige Investitionen in den Umweltsektor. Indien will und muss seine mangelhafte Wasserver- und Abwasserentsorgung dringend verbessern, denn Expertenschätzungen zufolge soll sich der Wasserbedarf des Milliardenstaats bis zum Jahr 2050 im Vergleich zu 2010 nahezu verdoppeln; und schon jetzt ist die Versorgungssituation angespannt.

Anna Westenberger, Indien-Korrespondentin der deutschen Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing Germany Trade & Invest (GTAI) berichtet, „dass derzeit nur etwa die Hälfte der städtischen Haushalte einen eigenen Trinkwasseranschluss besitzt. Dieser sagt zudem nichts über die tatsächliche Verfügbarkeit aus: In vielen indischen Großstädten fließt Wasser nur wenige Stunden am Tag – und das häufig auch noch in schlechter Qualität.“ Hinzu kommt, dass laut eigenen Angaben der indischen Kommunen aufgrund maroder Leitungen und Diebstahls bis zur Hälfte des bereitgestellten Trinkwassers auf dem Weg zum Verbraucher verloren geht.

Auch bei der Abwasserbehandlung besteht großer Handlungsbedarf. Laut GTAI kann man davon ausgehen, dass nur etwa 30 Prozent des städtischen Abwassers geklärt werden. Siddharth K. Desai, Direktor des indischen Pumpenherstellers Kishor Pumps, erläutert: „Kläranlagen für Haushaltsabwässer werden meist von kommunalen Unternehmen oder örtlichen Gemeinden finanziert. Hierbei gibt es oft Verzögerungen, Qualitätseinbußen und Wartungsmängel. Kläranlagen hingegen, die von bi- und multilateralen Organisationen wie der Weltbank, der Asiatischen Entwicklungsbank oder der Japan International Cooperation Agency finanziert werden, entsprechen internationalen Standards und können deutlich bessere Erfolgsbilanzen aufweisen.“ Seit Kurzem werden laut Desai außerdem immer mehr Kläranlagen von renommierten indischen und multinationalen Unternehmen erstellt, die diese meist für sieben bis acht Jahre nach dem BOOT-Prinzip (Build, Own, Operate, Transfer) betreiben. „Dies ist ein willkommenes Signal, um die Abwasserinfrastruktur in Indien zu verbessern“, betont der Firmenchef.

Frank Hoffmann von der Deutsch-Indischen Handelskammer weiß, „dass die gesetzlichen Regelungen zum Umweltschutz in Indien durchaus ausreichend sind und die festgelegten Grenzwerte sogar als recht ambitioniert bezeichnet werden können.“ Allerdings hapere es vielerorts an der Umsetzung. Hoffmann führt weiter aus: „Die Marktchancen von nationalen und internationalen Umwelttechnologien in Indien hängen stark davon ab, ob die Pollution Control Boards in naher Zukunft organisatorisch und personell in der Lage sein werden, die Einhaltung der Auflagen durchzusetzen.“ Die State Pollution Control Boards und die Pollution Control Committees sind auf der Ebene der indischen Bundesstaaten und Bundesterritorien für allgemeine Umweltkontrollen verantwortlich.

Sobald diese strukturell-organisatorischen Hindernisse ausgeräumt sind, haben in der Wasserwirtschaft des Subkontinents auch High-End-Lösungen gute Chancen. So erwartet das Beratungsunternehmen Frost & Sullivan, dass der zukünftig wachsende Markt der Abwasseraufbereitung verstärkt auch Umkehrosmose-, Ultrafiltrations- und Membranbioreaktor-Anlagen nachfragen wird. Zusammen mit industriellen Anwendungsfeldern soll laut den Analysten der jährliche indische Gesamtmarkt für Membran-Module von umgerechnet knapp 71 Millionen Euro in 2012 auf fast 153 Millionen Euro im Jahr 2017 steigen.

Die schnelle Industrialisierung des Landes und die sich verschärfende Wasserknappheit erhöhen außerdem den Bedarf an Wasser-Desinfektionssystemen. Ein aktueller Frost & Sullivan-Report sagt voraus, dass dieser Markt von rund 39 Millionen Euro im Jahr 2012 innerhalb von fünf Jahren auf etwa 60 Millionen Euro ansteigen wird. Neben der Elektrochlorinierung prognostizieren die Experten besonders hohe Marktchancen für UV-Desinfektions- und Ozon-Systeme.

Anbieter und Abnehmer zukunftsweisender Technologien treffen sich auf der IFAT India – Indiens führender Umwelttechnologiemesse für Wasser, Abwasser, Abfall und Recycling.

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