IFAT Africa 2017: Wege aus der Wasserkrise finden

17.02.2017

Vom 12. bis 14. September dieses Jahres trifft sich die internationale Umweltbranche auf der IFAT Africa 2017 in Johannesburg. Bei der Nachfolgeveranstaltung zum IFAT Environmental Technology Forum Africa, das im Jahr 2015 Premiere hatte, werden im Johannesburg Expo Centre (JEC) die Ausstellungsthemen Wasser, Abwasser, Abfall und Recycling im Mittelpunkt stehen.

IFAT Africa 2017: Wege aus der Wasserkrise finden

Mit ihren Produkten und Lösungen richtet sich die IFAT Africa spezifisch an den afrikanischen Umweltmarkt (Foto: IFAT Africa)

„Zu den gravierendsten Umweltproblemen des südlichen Afrikas zählt die aktuelle Wasserkrise“, weiß Stefan Rummel, Geschäftsführer der Messe München. „Mit der IFAT Africa bieten wir eine Plattform, auf der Lösungen hierfür diskutiert und entsprechende Technologien präsentiert werden.“ So leidet der Süden des Kontinents seit vielen Monaten unter einer ungewöhnlichen Dürre – in Südafrika wurde in 2015 das trockenste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1904 registriert. Dies erhöht den ohnehin schon durch das starke Bevölkerungswachstum und die fortschreitende Urbanisierung auf das Wasserangebot ausgeübten Druck.

Oberflächenwasser noch stärker nutzen

Ein massiver Infrastrukturausbau soll dem entgegenwirken. Wie die deutsche Gesellschaft für Außenwirtschaft und Standortmarketing Germany Trade & Invest (GTAI) mitteilt, hat das südafrikanische Departement of Water and Sanitation bis zum Jahr 2035 entsprechende Projekte mit einem Investitionsvolumen von 2,7 Billionen Rand (umgerechnet über 178 Milliarden Euro) identifiziert. Der Löwenanteil der Vorhaben zielt auf eine verstärkte Nutzung des schon heute stark beanspruchten Oberflächenwassers ab.

Gebraucht werden dazu unter anderem neue Staudämme, Pumpstationen, Pipelines und Aufbereitungsanlagen. Auch Südafrikas Nachbarstaaten wollen und müssen in ihre Wasserinfrastruktur investieren. In Botswana beispielsweise ist ein Pipeline-Projekt in Planung: Bis zum Jahr 2019 sollen umgerechnet 1,4 Milliarden Pula (über 131 Millionen Euro) in den Ausbau des North-South-Carrier fließen, der Wasser aus dem neugebauten Dikgatlong-Damm über 350 km hinweg nach Gaborone, der Hauptstadt Botswanas, pumpen soll.

Grundwasser erschließen

Ein weiteres Standbein für die künftige Wasserversorgung im südlichen Afrika sind die Grundwasservorkommen. Namibia erforscht derzeit den neuentdeckten Grundwasserleiter Ohangwena II. Mit dessen geplanter Erschließung sind Geschäftschancen für moderne Bohrtechniken, Spezialmaterial für Tiefbrunnen und Filtertechnik verbunden. Es gibt jedoch natürliche Faktoren, die in Südafrika und seinen Nachbarstaaten in vielen Fällen einer stärkeren Grundwassernutzung entgegenstehen. So liegen die entsprechenden Reservoirs oft sehr tief und haben eine vergleichsweise schlechte Qualität, was vor der Nutzung eine aufwändige Aufbereitung erforderlich macht.

Meerwasser entsalzen

Auch der Ozean rückt zunehmend ins Visier der dürstenden Staaten: Für den Bau von Meerwasserentsalzungsanlagen liegen in Südafrika laut GTAI bereits drei fertige Machbarkeitsstudien für die Städte Kapstadt, Durban und Port Elizabeth vor. Längerfristig könnten Entsalzungsanlagen rund ein Zehntel der Wasserversorgung am Kap abdecken. Auch in Namibia ist der Bau einer modernen, von der KfW Entwicklungsbank unterstützten Meerwasserentsalzungsanlage im Gespräch. Eine Machbarkeitsstudie soll bis zum kommenden Jahr erstellt werden.

Wasserverluste eindämmen

Neben dem Erschließen neuer Versorgungswege ist ein sparsamerer und intelligenterer Umgang mit dem kostbaren Nass dringend geboten. In Südafrika führen marode Leitungssysteme und illegale Entnahmen zu riesigen Trinkwasserverlusten, die in manchen Kommunen 70 Prozent der ursprünglich bereitgestellten Menge erreichen können. Die großen Städte des Landes fragen deshalb verstärkt Systeme zur Leckage-Ortung und zum modernen Druckmanagement nach. Außerdem wird ein Bedarf an neuen Pumpen, Ventilen und Wasserzählern generiert. Statt in Speicherseen die Hälfte des Wassers verdunsten zu lassen, soll es in Namibia künftig verstärkt unterirdisch gespeichert werden. Geplant ist, in guten Regenjahren Oberflächenwasser aus dem Drei-Dämme-System im Grundwasserleiter Windhuk-Aquifer einzulagern, um in Dürreperioden darauf zugreifen zu können. Das laut GTAI rund 700 Millionen Namibia-Dollar (über 48 Millionen Euro) teure „Windhoek Managed Aquifer Recharge Scheme“ braucht aus der Umwelttechnologiebranche zum Beispiel Bohrtechnologie, Pumpen, Pipelines und Filteranlagen.

Abwasser wiederverwenden

Ein weiteres Element im Maßnahmenmix gegen den Wassermangel im südlichen Afrika ist eine möglichst direkte Wiederverwendung von (teil-)aufbereitetem Abwasser. Potenzielle Anwender von Brauchwasserlösungen sind die Landwirtschaft und Industrieunternehmen, aber auch kommunale Einrichtungen sowie Büro- und Wohngebäude. Nach Beobachtungen der GTAI investiert in Namibia die Industrie teils unter dem Druck von staatlich verhängten Restriktionen in Mehrfachnutzungssysteme mit eigener Abwasseraufbereitung. Und in Südafrika werden unter anderem gute Geschäftschancen für Kleinkläranlagen in dezentralen Strukturen gesehen.

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