Wasseraufbereitung wird modularer und dezentraler
Gleichzeitig verändern neue Technologien die Art, wie Wasser aufbereitet wird. Neben Digitalisierung und neuen Verfahren zur Entfernung von Schadstoffen gewinnen dezentrale und modular aufgebaute Anlagen an Bedeutung. Die Unternehmensberatung Roland Berger sieht darin einen von sechs Wachstumstrends, die den Wassermarkt in den kommenden Jahren prägen dürften. Für Industrieunternehmen ist diese Entwicklung besonders interessant: Vorgefertigte Systeme können direkt am Einsatzort installiert, vergleichsweise schnell in Betrieb genommen und bei wachsendem Bedarf erweitert werden. Genau auf diesem Prinzip basiert auch ein wesentlicher Teil des Geschäftsmodells des australischen Wasseraufbereitungsunternehmens De.mem.
Die sechs Wachstumsfelder im Detail: Dazu zählen zunächst Smart Water Analytics und Smart Water Metering. Datenanalyse, künstliche Intelligenz und digitale Zwillinge sollen Anlagen effizienter steuern und Wartungsbedarf frühzeitig erkennen. Intelligente Zähler ermöglichen zugleich eine genauere Verbrauchsmessung und helfen, Leckagen aufzuspüren.
Ein drittes Wachstumsfeld sieht Roland Berger im Stormwater Management. Angesichts zunehmender Extremwetterereignisse wächst der Bedarf an digital gesteuerten Lösungen zur Bewältigung von Starkregen und Überflutungen.
Hinzu kommt als vierter Trend die Behandlung neuer Schadstoffe. Dazu gehören insbesondere per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS). Die große Gruppe künstlich hergestellter Chemikalien wird aufgrund ihrer hohen Beständigkeit in der Umwelt häufig auch als „Ewigkeitschemikalien“ bezeichnet. PFAS können über industrielle Abwässer, Deponien oder belastete Böden in Grund- und Trinkwasser gelangen. Strengere Grenzwerte und Vorgaben für die Wasserqualität erhöhen deshalb den Bedarf an Technologien, mit denen sich diese Stoffe aus Wasser und Abwasser entfernen lassen.
Das fünfte Feld sind neue Wasserquellen. Dazu zählen Meerwasserentsalzung und insbesondere die Wiederverwendung von gereinigtem Abwasser. Weltweit wird nach Angaben von Roland Berger bislang nur rund ein Prozent des Abwassers wiederverwendet – entsprechend groß schätzen die Berater das weitere Potenzial ein.
Als sechsten Wachstumstrend nennt Roland Berger die Modularisierung der Wasseraufbereitung. Dahinter steht ein anderes Prinzip als beim klassischen Anlagenbau: Die Aufbereitungsanlage wird möglichst weitgehend vorgeplant, standardisiert und bereits im Werk gefertigt und getestet. Solche „pre-engineered“ Systeme werden anschließend beispielsweise als Skid- oder Containerlösung zum Einsatzort transportiert. Dort müssen sie nicht mehr vollständig neu errichtet, sondern können vergleichsweise schnell angeschlossen und in Betrieb genommen werden.
Vorfertigung soll Kosten und Zeit sparen
Roland Berger sieht darin erhebliche wirtschaftliche Vorteile. Der weltweite Markt für mobile modulare Wasseraufbereitung im industriellen Bereich soll demnach von rund 1,2 Mrd. US-Dollar 2024 auf 1,8 Mrd. US-Dollar 2029 wachsen – durchschnittlich um rund neun Prozent jährlich. Gegenüber konventionell vor Ort errichteten Anlagen könnten vorgefertigte Systeme die Investitionskosten laut Studie um bis zu 13 Prozent reduzieren und vier bis sechs Monate Bau- und Inbetriebnahmezeit einsparen. Zudem lassen sich zusätzliche Module ergänzen, wenn der Wasserbedarf oder die Produktionskapazität wächst.
Andere Branchenanalysen weisen in eine ähnliche Richtung. Bluefield Research sieht kleinere dezentrale Wasseraufbereitungs- und Recyclingsysteme zunehmend als Alternative zu großen zentralen Anlagen. Ein Branchenreport des Intesa Sanpaolo Innovation Center, der sich auf Daten von Frost & Sullivan stützt, beschreibt dezentrale Systeme ebenfalls typischerweise als modular oder vorgefertigt. Sie können direkt dort installiert werden, wo Wasser benötigt oder Abwasser erzeugt wird. Der Report bezeichnet den Markt zugleich als stark fragmentiert und nennt industrielle Anwendungen als größtes Einsatzsegment.
De.mem setzt auf dezentrale Anlagen
Genau dieses Prinzip findet sich im Geschäftsmodell des australischen Wasseraufbereitungsspezialisten De.mem wieder. Das Unternehmen konzentriert sich vor allem auf Industriekunden aus Bergbau, Infrastruktur, Lebensmittelwirtschaft und anderen industriellen Bereichen. Seine Wasser- und Abwasseraufbereitungsanlagen werden direkt am Standort der Kunden eingesetzt. De.mem beschreibt seine Lösungen selbst als dezentral, containerisiert, paketiert beziehungsweise modular aufgebaut. Ziel ist, die Anlagen einfach transportieren und schlüsselfertig am jeweiligen Standort installieren zu können.
Dabei kombiniert das Unternehmen verschiedene Behandlungsschritte zu kompletten Systemen. Zum Einsatz kommen unter anderem Ultrafiltration, Nanofiltration und Umkehrosmose, Membranbioreaktoren, chemische Dosierung, Medienfiltration und Pumpentechnik. Je nach Anwendung können die Systeme standardisiert oder kundenspezifisch ausgelegt und in Industriecontainern installiert werden. Neben der Technik bietet De.mem Betrieb und Wartung sowie Finanzierungs- und Betreibermodelle an.
Damit entspricht das Geschäftsmodell in wesentlichen Punkten dem von Roland Berger beschriebenen Modularisierungstrend: Ein möglichst großer Teil der technischen Planung und Fertigung findet statt, bevor die Anlage den späteren Einsatzort erreicht. Statt eine große zentrale Wasseraufbereitung zu errichten, können Industriekunden dezentrale Kapazitäten unmittelbar am Produktionsstandort installieren und bei verändertem Bedarf erweitern. Für abgelegene Minen, Industrieanlagen oder andere Standorte mit begrenzter Wasserinfrastruktur kann gerade diese Kombination aus Vorfertigung, Transportfähigkeit und modularer Erweiterbarkeit interessant sein.
De.mem hat damit einen Ansatz etabliert, den Branchenanalysen inzwischen als eines der Wachstumsfelder des internationalen Wassermarktes einordnen.
Quelle: De.mem Limited
