Positive Impulse aus Europa, große Einzelmärkte schwächeln
Richard Clemens, Sprecher des VDMA Forum Prozesstechnik (Bildquelle: VDMA e.V.)
„Europa ist ein wichtiger Abnehmer für Umwelttechnologien aus Deutschland“, resümiert Richard Clemens, Sprecher des VDMA Forum Prozesstechnik. „Auf der internationalen Leitmesse IFAT Munich können Aussteller und Besucher die Innovationskraft der Branche live erleben.“
Abfall- und Recyclingtechnik: Optimistischer Blick nach vorn
Nach einem durchwachsenen Jahr 2025 stabilisiert sich die Konjunktur in der Abfall- und Recyclingtechnik. Die aktuelle Konjunkturumfrage des VDMA Fachverbands Abfall- und Recyclingtechnik zeigt: Die Auftragseingänge entwickeln sich 2026 deutlich positiv und auch der Branchenumsatz legt wieder zu.
Für das Jahr 2026 erwarten die Hersteller laut Umfrage ein Umsatzwachstum von nominal 2,3 Prozent, nachdem 2024 noch ein leichter Rückgang von 1,3 Prozent verzeichnet wurde. Bereits 2025 zeigte sich mit einem Plus von 1,5 Prozent eine erste Erholung. Erfreulich entwickelt sich aktuell der Auftragseingang, der nach einem Minus von real 0,8 Prozent im Jahr 2024 bereits im vergangenen Jahr wieder um 2,2 Prozent zulegte. Für dieses Jahr rechnen die Hersteller sogar mit einem Orderzuwachs von 4,5 Prozent.
Insgesamt zeigt sich eine spürbare Verschiebung der Nachfrage hin zum europäischen Markt. Prognostisch entfallen im Jahr 2026 rund 60 Prozent der Exporte der Abfall und Recyclingtechnik auf die EU-Staaten und damit deutlich mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig verlieren wichtige Absatzmärkte außerhalb der EU an Bedeutung. Nach Einschätzung der befragten Hersteller sinken die Exportanteile der Nicht-EU-Länder auf 7,8 Prozent, Nordamerika auf 9,0 Prozent, während der Mittlere Osten mit 4,2 Prozent und China mit lediglich 0,6 Prozent deutlich zurückfallen.
Die Branche profitiert dabei vor allem von EU-weiten Investitionen in die Kreislaufwirtschaft, strengeren Umweltvorgaben sowie politischen Förderprogrammen, von denen die Unternehmen auch in den kommenden Jahren positive Impulse erwarten.
Allgemeine Lufttechnik: Verhaltene Dynamik, Impulse aus dem europäischen Ausland
Für die Allgemeine Lufttechnik ergibt sich insgesamt ein heterogenes Bild. Im Jahr 2025 blieb der reale Auftragseingang insgesamt um 5 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Während das Inlandsgeschäft deutlich rückläufig war (minus 14 Prozent), entwickelte sich der Auslandsauftragseingang mit einem Plus von 5 Prozent stabilisierend. Zu Jahresbeginn 2026 zeigte sich eine spürbare Belebung: In den ersten beiden Monaten lag der Auftragseingang insgesamt um 13 Prozent über dem Vorjahreszeitraum, getragen insbesondere vom Ausland (plus 24 Prozent). Die Entwicklung unterstreicht die hohe Bedeutung internationaler Märkte vor dem Hintergrund einer weiterhin verhaltenen Binnenkonjunktur.
Der Außenhandel erwies sich 2025 erneut als wichtiger Stabilitätsanker. Die Exporte der Allgemeinen Lufttechnik aus Deutschland erreichten ein Volumen von 14,5 Milliarden Euro und lagen damit leicht über dem Vorjahr (plus 1 Prozent). Regional zeigten sich dabei Unterschiede: Während die Exporte in die USA als größten Einzelmarkt um 5 Prozent moderat zurückgingen, verzeichnete China einen deutlich stärkeren Rückgang (minus 14 Prozent). Der EU-Binnenmarkt behauptete mit plus 2 Prozent seine zentrale Rolle und nahm mehr als die Hälfte der Gesamtausfuhren auf.
Diese enge europäische Einbindung spiegelt sich auch auf der Importseite wider. 2025 belief sich der Importwert auf rund 11,6 Milliarden Euro, wovon etwa 7,9 Milliarden Euro aus der EU 27 stammten. Die Zahlen verdeutlichen die hohe arbeitsteilige Verflechtung innerhalb Europas sowie die ergänzende Bedeutung ausgewählter außereuropäischer Partner im Rahmen internationaler Wertschöpfungsketten.
Insgesamt trägt die internationale Aufstellung der Unternehmen zur Robustheit der Branche bei. Die leicht steigenden Exportzahlen zu Beginn des Jahres 2026 deuten darauf hin, dass sich aus dem Auslandsgeschäft im weiteren Jahresverlauf zusätzliche Impulse ergeben könnten, sofern sich das internationale Umfeld stabil entwickelt und sich die Nachfrage im europäischen Markt schrittweise festigt.
Industriearmaturen: Gegenwind zum Jahresbeginn
Nach einem starken Jahr 2025 ist die Industriearmaturenbranche deutlich verhaltener ins aktuelle Jahr gestartet. Zwar lag der Umsatz 2025 mit plus 7 Prozent (preisbereinigt plus 4 Prozent) klar über den Erwartungen: Das Inlandsgeschäft wuchs um 4 Prozent, die Auslandsumsätze sogar um 9 Prozent. Diese Dynamik ist jedoch zum Jahresbeginn 2026 ins Stocken geraten. Bereits vor dem Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten zeigten sich deutliche Bremsspuren. Die Umsätze sanken von Januar bis Februar insgesamt um 8 Prozent, preisbereinigt sogar um 10 Prozent. Im Inland betrug das Minus 9 Prozent, im Ausland 7 Prozent. Während der Euroraum noch leicht um 1 Prozent zulegen konnte, sanken die Umsätze in Drittländern um 10 Prozent.
Im Exportgeschäft zeigen sich zum Jahresauftakt zudem Verschiebungen: China ist erstmals seit vielen Jahren auf Rang zwei der wichtigsten Abnehmerländer zurückgefallen. Die USA übernehmen die Spitzenposition. Die Lieferungen in die Vereinigten Staaten wuchsen bis Ende Februar um 5 Prozent. Auch die Exporte in die EU legten um 5 Prozent zu. Europa ist mit Abstand die wichtigste Abnehmerregion. So entfallen rund 48 Prozent der Ausfuhren auf den europäischen Binnenmarkt.
Eine kurzfristige Besserung der Lage ist aktuell nicht in Sicht. Hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie Einschränkungen bei Vorprodukten treffen inzwischen auf eine spürbare Investitionszurückhaltung in vielen Absatzmärkten. Hinzu kommen nach wie vor verbesserungswürdige Standortfaktoren in Deutschland und Europa. Vor diesem Hintergrund rechnet der VDMA Armaturen in diesem Jahr für Industriearmaturen mit einem leichten Umsatzrückgang. Auf längere Sicht sind die Perspektiven jedoch positiv. Die Branche ist robust aufgestellt und hat sich auch in früheren Krisen als sehr widerstandsfähig erwiesen.
Flüssigkeitspumpen: Leichter Zuwachs im Jahr 2025
Der Export von Flüssigkeitspumpen (ohne Hydropumpen) legte 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro zu. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres stieg der Export im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 0,5 Prozent auf 1 Milliarde Euro. Der bedeutendste Abnehmermarkt war die EU-27 mit 47 Prozent. Die wichtigsten Abnehmerländer sind die USA (648 Millionen Euro) vor China (521 Millionen Euro) und Frankreich (387 Millionen Euro).
Der Import stieg im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Die wichtigsten Importländer waren China (378 Millionen Euro), Italien (356 Millionen Euro) und USA (310 Millionen Euro).
Die realen Auftragseingänge lagen 2025 um 2 Prozent über dem Vorjahr. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres wurde ein Minus von 8 Prozent zum Vorjahr verbucht. Zum Jahresstart 2026 bewerten in der VDMA-weiten Konjunkturerhebung 60 Prozent bzw. 50 Prozent der Pumpenhersteller die Lage in der wichtigen Kundenbranche Wasser bzw. Abwasser als gut bis sehr gut.
Auch bezüglich der Geschäftsaussichten in diesen Bereichen sind die Unternehmen zuversichtlich: ein Drittel bzw. 9 Prozent gehen davon aus, dass sich die Geschäfte besser bis viel besser entwickeln werden.
Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik: Orderzuwachs zum Jahresbeginn 2026
Der Export von Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik sank 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 5,3 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres sank der Export im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 8 Prozent auf 915 Millionen Euro. Der bedeutendste Abnehmermarkt war die EU-27 mit 49 Prozent. Die wichtigsten Abnehmerländer waren USA (625 Millionen Euro), China (601 Millionen Euro) und Italien (323 Millionen Euro).
Die Importe stiegen im Jahr 2025 um 6,3 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Die wichtigsten Importländer waren China (340 Millionen Euro), Italien (281 Millionen Euro) und Polen (269 Millionen Euro). Die realen Auftragseingänge lagen 2025 um 16 Prozent unter dem Vorjahr, in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres betrug das Plus 15 Prozent zum Vorjahr.
Verfahrenstechnik aus Deutschland: Standortbedingungen belasten die Branche
Im Jahr 2025 verbuchte der Maschinenbau-Fachzweig Verfahrenstechnische Maschinen und Apparate Ausfuhren in Höhe von rund 6,3 Milliarden Euro – ein Plus von 3,6 Prozent zum Vorjahr. Wachstumsimpulse kamen vor allem aus dem Geschäft mit den EU-Partnerländern, während die Exporte in die beiden wichtigsten Einzelmärkte USA und China rückläufig waren. Sorgen bereitet weiterhin die schwache Entwicklung des Inlandsmarktes. In den ersten beiden Monaten verzeichnete der Fachzweig insgesamt ein Exportminus von 4,7 Prozent. Zuwächse konzentrierten sich dabei vor allem auf den europäischen Raum, Ostasien und Südamerika. Besonders dynamisch entwickelte sich das Geschäft mit dem europäischen Ausland außerhalb der EU 27, wo die deutschen Exporte um 18,4 Prozent zulegten.
Deutlich divergierend fällt die Entwicklung in den beiden größten Einzelmärkten aus: Während die Ausfuhren in die USA um 32,2 Prozent einbrachen, verzeichnete China ein starkes Plus von 37 Prozent. Enttäuschend sind die Entwicklungen beim Auftragseingang. Preisbereinigt ging das Inlandsgeschäft 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 11 Prozent zurück, die Auslandsbestellungen sanken um 33 Prozent. Immerhin: Der Jahresbeginn 2026 begann besser als im vorigen Jahr, dies bedeutet jedoch noch keinen Befreiungsschlag. Die Order aus dem Inland lagen im Februar 2026 real um 7 Prozent über dem Vergleichswert 2025, aus dem Ausland zogen die Bestellung um 42 Prozent an. Besonders stark war das Wachstum bei den Euro-Partnerländern mit einem Zuwachs von 47 Prozent, während die Bestellungen aus Nicht-Euro-Ländern um 40 Prozent stiegen. Problematisch bleiben die Standortbedingungen: Die hohen Produktionskosten und steigende Energiepreise belasten die Unternehmen und verringern die Umsätze.
Die Exporte der Wasser- und Abwassertechnik, als Teilbranche der Verfahrenstechnik, stiegen 2025 um 5,6 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro. Schwächer entwickelten sich die Ausfuhren in den ersten zwei Monaten 2026 (minus 5,3 Prozent). Der Einzelmarkt USA – zweitgrößter Absatzmarkt der Branche – entwickelte sich schwach mit einem deutlichen Exportrückgang von 17,9 Prozent.
IFAT Munich 2026: Spotlight Textilrecycling
Nah am Geschehen mit relevanten Themen: Der VDMA begleitet die Leitmesse für Umwelttechnologien IFAT Munich auch 2026 mit der Spotlight Area "Circular Textile Handling – Towards a Better Future" und den VDMA Praxistagen sowie der eindrucksvollen VDMA Crushing Zone. Das Programm ist vielseitig: Von Textilrecycling hin zur Abwasserbehandlung, bis hin zu Batterie- und Kunststoffrecycling. Zu jeder Herausforderung finden die Anbieter von Umwelttechnologien eine effiziente Lösung. In der Spotlight Area zeigt der VDMA gemeinsam mit Lindner Recyclingtech GmbH, EREMA Engineering Recycling Maschinen und Anlagen sowie Fraunhofer Umsicht wie aus Alttextilien eine nutzbare Ressource werden kann. Besucher erhalten einen Einblick in die Prozesswelt des Textilrecyclings – von der Vorbehandlung und Waschung, Sortierung bis hin zu den unterschiedlichen Wegen der Verwertung und Aufbereitung.
Quelle: VDMA e. V.
