DWA: Stärkung der Wasserwirtschaft notwendig in Zeiten des Klimawandels

05.05.2021
Die DWA positioniert sich mit Blick auf die Bundestagswahl: Die Wasserwirtschaft muss in Zeiten des Klimawandels gestärkt werden. Notwendig ist ein intelligentes Wassermanagement. Mit der Schaffung eines naturnahen Wasserhaushalts und einem gezielten Rückhalt in der Fläche kann Vorsorge für Extremereignisse wie Starkregen und langanhaltende Trockenphasen getroffen werden.
DWA: Stärkung der Wasserwirtschaft notwendig in Zeiten des Klimawandels

DWA-Präsident Prof. Uli Paetzel präsentiert das DWA-Politikmemorandum 2021. (Bildquelle: EGLV)

Die Wiederverwendung von aufbereitetem Wasser kann Nutzungskonflikte in wasserarmen Zeiten und Regionen deutlich entschärfen. Gleichzeitig muss die Ressource Wasser zukünftig noch besser geschützt werden. Die Einträge von Spurenstoffen wie z.B. Arzneimittelrückständen und Mikroplastik in den Wasserkreislauf müssen weitestgehend verhindert werden, auch durch eine erweiterte Herstellerverantwortung. Die Wasserwirtschaft wird durch eine weitergehende Abwasserbehandlung auf ausgewählten Kläranlagen zur Reduzierung der Spurenstoffeinträge beitragen. „Die Bundespolitik muss hierfür aber die richtigen Weichen stellen und auch die Finanzierung der notwendigen Maßnahmen gewährleisten“, fordert Prof. Uli Paetzel, Präsident der DWA Deutschen Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall, anlässlich der Übergabe des DWA-Politikmemorandums an die umweltpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen.

Spurenstoffe und Mikroplastik
Die europäische Abwasserwirtschaft soll nach den Vorstellungen der EU-Kommission einen wesentlichen Beitrag zum Null-Schadstoff-Plan des Green Deals leisten. Die EU-Kommission plant hierfür eine umfangreiche Revision der aus dem Jahr 1991 stammenden EU-Kommunalabwasserrichtlinie, wobei Spurenstoffe wie Arzneimittelrückstände und die Niederschlagswasserbehandlung verstärkt im Fokus stehen.

Anknüpfend an die Ergebnisse des vom Bundesumweltministerium initiierten Spurenstoffdialogs muss die Bundesregierung sich auch auf europäischer Ebene dafür einsetzen, den Eintrag von persistenten, mobilen und toxischen Stoffen in den Wasserkreislauf quellenbezogen, anwendungsbezogen und nachgeschaltet deutlich zu vermindern. Eine sachgerechte Strategie zur Verringerung der Gewässerbelastung durch Spurenstoffe muss auf verschiedenen Säulen basieren. Eine wichtige Säule stellt die Nachrüstung von Kläranlagen mit weitergehenden Reinigungsstufen dar. Diese Nachrüstung muss aber nicht flächendeckend erfolgen, sondern nur dort, wo gewässer- und nutzungsbezogen und unter Vorsorgegesichtspunkten Handlungsbedarf besteht. Angesichts der erheblichen Komplexität solcher weitergehenden Abwasserbehandlungsverfahren sollten diese Verfahren im Rahmen der europäischen Mindestvorgaben zunächst auf Kläranlagen oberhalb einer Ausbaugröße von 50 000 Einwohnerwerten begrenzt bleiben.

Industrie und Landwirtschaft müssen bei der Reduzierung von Spurenstoffeinträgen in die Gewässer in die Pflicht genommen werden. Die DWA fordert die Entwicklung einer erweiterten Herstellerverantwortung für den Wasserbereich, damit relevante Stoffeinträge in die Gewässer quellen- und anwendungsbezogen vermieden und Kosten gerecht verteilt werden. Hersteller, Verarbeiter und Vertreiber der Stoffe müssen in ein integriertes Wasserressourcenmanagement eingebunden werden. Zur Vermeidung von Wettbewerbsnachteilen ist eine europäische Lösung anzustreben.

Regenwassermanagement
Die DWA fordert ein intelligentes Regenwassermanagement, auch auf europäischer Ebene.

Technisch kann Regenwasser gemeinsam mit Schmutzwasser (Mischsystem) oder über eigene Kanäle (Trennsystem) abgeleitet werden. Ökologisch haben beide Systeme Vor- und Nachteile. Eine gesetzliche Festlegung auf ein bestimmtes Entwässerungssystem ist nicht sinnvoll. Unbelastetes Regenwasser sollte nicht mit Schutzwasser vermischt werden, belastetes Regenwasser darf nicht unbehandelt in die Gewässer gelangen. Die DWA fordert eine verschmutzungsabhängige Zielvorgabe, die den Einfluss von Regen- und Mischwassereinleitungen auf den Gewässerzustand bewertet. Die Politik muss Anreize für einen dezentralen Regenwasserrückhalt, für Versickerung, Verdunstung und Regenwassernutzung schaffen.

Wasserwirtschaft zentraler Baustein der Klimaanpassung
Ein natürlicher Wasserhaushalt dient auch der Klimaanpassung. Extreme Wetterereignisse wie intensive Starkregen und langanhaltende heiße Dürrephasen werden weiter zunehmen. Zum Ausgleich dieser Extreme muss Wasser zukünftig noch stärker in der Fläche – Gewässerauen, Moore, Wälder - zurückgehalten werden. Dies dient sowohl dem Auffüllen der Grundwasserspeicher als auch zur Vorbeugung gegen Dürre und Starkregen. Gleichzeitig müssen mehr Flächen für die Überflutungsvorsorge an den Gewässern bereitgestellt werden. Dafür bedarf es politischen Willen und mehr finanzieller Mittel.

Die Stadt der Zukunft ist mit ihrer Infrastruktur an den Klimawandel angepasst. Wasser und Stadtgrün tragen maßgeblich zur aktiven Klimafolgenanpassung durch Überflutungsvorsorge, Verminderung von Hitzestress und integriertem Regenwasser- und Ressourcenmanagement bei. Durch die Entsiegelung weiterer Flächen und deren Abkopplung vom Kanalnetz muss mehr Regenwasser vor Ort den natürlichen Wasserhaushalt zugeführt werden, um die Grundwasseranreicherung zu gewährleisten, aber auch, um zur innerstädtischen Bewässerung zur Verfügung zu stehen. Multifunktionale Flächen und ökologisch aufgewertete Gewässer sind nicht nur zentrale Bausteine der Klimaanpassung, sie schaffen auch mehr Lebensqualität in urbanen Räumen. Die Politik muss die Rahmenbedingungen setzen und die Wasserwirtschaft stärker in die Stadtentwicklungsplanung einbinden. „Wasser ist ein zentrales Element der Klimaanpassung und der lebenswerten Zukunftsstadt“, betont Paetzel.

Nutzungskonkurrenzen
Klimawandel bedeutet auch lange und heiße Trockenphasen und zumindest regional auch Wasserknappheit. Die Versorgung des Menschen mit Trinkwasser und mit Wasser für die persönliche Hygiene ist zu jeder Zeit sicherzustellen. Zwischen allen weiteren Nutzungsinteressen von Gewerbe, Industrie, Landwirtschaft und der Sicherstellung ökologisch intakter Gewässer muss ein Interessensausgleich herbeigeführt werden. Zur Vermeidung von verschärften Nutzungskonflikten kann hierbei eine sachgerechte (Ab-)Wasserwiederverwendung, die den hygienischen Belangen Rechnung trägt, einen wichtigen Beitrag leisten. Daher muss es zu einem Paradigmenwechsel kommen, der Klarwasser (gereinigtes Abwasser) als wertvolle Ressource anerkennt. Die Wasserwiederverwendung geht deutlich über den Bereich einer Bewässerung landwirtschaftlicher Flächen hinaus und kann neben der Pflege von Stadtgrün auch Konzepte zur Energiegewinnung aus Abwasser integrieren.

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