Warum Chlorgas auch nach über 100 Jahren eine Schlüsselrolle in der Trinkwasserdesinfektion spielt

02.09.2026
Rumänien steht vor einer gewaltigen Aufgabe: Das Land muss seine Wasserversorgung ausbauen und gleichzeitig sicherstellen, dass Trinkwasser auch über weit verzweigte Leitungsnetze hygienisch einwandfrei bei den Verbrauchern ankommt. Dabei rückt eine Technologie in den Fokus, die seit mehr als 100 Jahren in der Trinkwasseraufbereitung eingesetzt wird: Chlorgas.
Warum Chlorgas auch nach über 100 Jahren eine Schlüsselrolle in der Trinkwasserdesinfektion spielt

Lutz-Jesco entwickelt Systemlösungen für die sichere Dosierung von Chlorgas aus Druckflaschen (Bildquelle: Lutz-Jesco GmbH)

Warum das Verfahren trotz moderner Alternativen weiterhin eine Schlüsselrolle spielt, zeigt Lutz-Jesco auf der Fachmesse ExpoApa 2026 vom 8. bis 10. September in Bukarest.

2024 waren laut rumänischem Statistikamt erst 77,6 Prozent der Bevölkerung an die öffentliche Wasserversorgung angeschlossen. Das Land steht damit vor der Aufgabe, seine Versorgungsnetze weiter auszubauen. Es ergeben sich dabei zwei wesentliche Herausforderungen: Zum einen muss das Wasser die Haushalte in hygienisch einwandfreiem Zustand erreichen, auch wenn es längere Zeit durch weit verzweigte Netze fließt. Zum anderen muss der Ausbau angesichts begrenzter finanzieller Spielräume wirtschaftlich erfolgen. Laut Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD1) müssten sich die jährlichen Investitionen in die Wasserversorgung mehr als verdoppeln, um EU-Vorgaben zu erfüllen und die Effizienz der Systeme zu verbessern.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Wie lässt sich die mikrobiologische Sicherheit des Trinkwassers in Rumänien gewährleisten, ohne die Betriebskosten unnötig in die Höhe zu treiben?

„Zwar haben moderne Desinfektionstechnologien wie Elektrolyse und Chlordioxid die Möglichkeiten der Wasseraufbereitung erheblich erweitert. Doch für die Desinfektion großer Trinkwassermengen bleibt Chlorgas die wirtschaftlichste Lösung“, sagt Michael Raabe, Vertriebsleiter bei Lutz-Jesco. Das Unternehmen entwickelt und produziert seit Jahrzehnten Dosiertechnik und Systemlösungen für die Wasseraufbereitung. „Chlorgas ist kostengünstig, wirkt bereits in geringer Konzentration und lässt sich präzise dosieren. Vor allem aber endet seine Wirkung nicht am Ausgang des Wasserwerks. Ein definierter Restchlorgehalt kann das Wasser auf seinem Weg durch das Leitungsnetz vor Wiederverkeimung schützen.“ Gerade bei großen Wassermengen und weit verzweigten Netzen sei diese Kombination aus Wirksamkeit, Depotwirkung und Wirtschaftlichkeit ein wesentlicher Vorteil.

Die desinfizierende Wirkung von Chlor ist seit Langem bekannt. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts etablierte sich die Chlorierung in der öffentlichen Trinkwasserversorgung. Während das Wirkprinzip bis heute relevant ist, wurde die Technik für Dosierung, Überwachung und Sicherheit kontinuierlich weiterentwickelt.

Chlorwand von Lutz-Jesco: Systemlösung für die sichere Dosierung von Chlorgas

Auf der ExpoApa 2026 präsentiert Lutz-Jesco die sogenannte Chlorwand, eine Systemlösung für die Dosierung von Chlorgas aus Druckflaschen. Das System arbeitet nach dem Vakuumprinzip, um das Risiko eines unkontrollierten Chlorgasaustritts zu minimieren. Hierfür kommen Injektoren zum Einsatz, die nach dem Venturi-Prinzip arbeiten: Ein schnell fließender Wasserstrahl erzeugt einen Unterdruck, der das Chlorgas aus der Flasche ansaugt und in die Wasseranlage einbringt. Damit dieser Prozess stabil funktioniert, liefert eine Druckerhöhungspumpe das Treibwasser mit konstantem Druck und in ausreichender Menge. Wie viel Chlorgas dosiert wird, regelt ein Stellventil. Dieses lässt sich automatisch und bedarfsgerecht ansteuern, beispielsweise über eine zentrale SPS oder den in die Messwassertafel EASYPRO eingebauten Regler TOPAX von Lutz-Jesco.

Membranpumpe für die präzise Dosierung von Aufbereitungschemikalien

Neben der Chlorgastechnik zeigt Lutz-Jesco auf der ExpoApa 2026 weitere Lösungen für die Trinkwasseraufbereitung. Dazu gehört die Memdos Smart LPX, eine Membranpumpe für die Dosierung von Aufbereitungschemikalien. Die Besonderheit: Die Pumpe arbeitet mit einem Mikroprozessor, der einen asynchronen Lauf des Motors ermöglicht. Dadurch bewegt sich die Membran beim Ansaugen mit höherer und beim Ausstoßen mit verringerter Geschwindigkeit. Auf diese Weise entsteht ein pulsationsarmer Förderstrom, der eine präzise Dosierung bei gleichmäßigem Druck ermöglicht. Die Wiederholgenauigkeit liegt bei +/- 1 Prozent.

Mit den auf der ExpoApa präsentierten Lösungen zeigt Lutz-Jesco, wie sich etablierte Verfahren der Wasseraufbereitung mit moderner Dosier-, Mess- und Sicherheitstechnik verbinden lassen. „Gerade beim Ausbau großer Versorgungsnetze kommt es darauf an, mikrobiologische Sicherheit, zuverlässige Technik und einen wirtschaftlichen Betrieb zusammenzubringen“, so Raabe abschließend.

1 https://www.oecd.org/en/publications/oecd-economic-surveys-romania-2026_4844067e-en/full-report/enhancing-resilience-to-climate-risks_ae66c1bc.html?utm_source=chatgpt.com

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