ACHEMA 2000 – größer und internationaler denn je – hervorragende Stimmung – hoher Besucherandrang

30.05.2000

Mit optimistischer Stimmung und hohem Besucherandrang begann am Montag die ACHEMA 2000, die Internationale Ausstellungstagung für Chemische Technik, Umweltschutz und Biotechnologie auf dem Frankfurter Messegelände. 4148 Aussteller aus 48 Ländern präsentieren auf dieser weltgrößten Leistungsschau Ausrüstungen, Apparate, Anlagen, Technologien und Know-How für die Chemische Industrie und alle Branchen der stoffumwandelnden Industrie. Die 145.572 m2 Nettoausstellungsfläche in 9 Ausstellungshallen und auf dem Freigelände gliedern sich in 12 Ausstellungsgruppen und eine Sonderschau. Mit einem Plus von 12,2 % bei den Ausstellern und 3,5 % bei der Ausstellungsfläche hat diese ACHEMA 2000 alle ihre Vorgängerinnen übertroffen.

Bereits die ersten beiden Tage waren durch eine hervorragende, optimistische Stimmung sowohl bei den Ausstellern als auch bei den Besuchern gekennzeichnet. Hervorzuheben ist die hohe Qualität der Besucher. Zahlreiche Delegationen, u.a. aus China, Japan, Indien besuchen diese ACHEMA. Hochkarätige Vertreter aus Regierungen und Institutionen kommen u.a. aus Westaustralien, Saudiarabien und Südafrika, um das Know-How der ACHEMA auch für ihre aufstrebenden Industrieregionen zu nutzen und neue Kontakte zu schließen. Insgesamt werden bis zum Sonnabend über 230.000 Fachbesucher aus mehr als 100 Ländern erwartet.

ACHEMA 2000 - Trendsetter und Innovationsbörse

Zur Eröffnung am Sonntag betonte Forschungsministerin Edelgard Bulmahn, daß die ACHEMA Trendsetter und Innovationsbörse ersten Ranges sei, national wie auch international. Mit der Entwicklung neuer Methoden und Verfahren in der Pharmazeutischen und Chemischen Industrie würden neue Geschäftsfelder und damit neue Arbeitsfelder geschaffen. Das 21. Jahrhundert werde sich zum Jahrhundert der „Life Sciences“, also der Biologie und ihrer Anwendungen entwickeln. Weltweit hat dies einen Forschungs- und Entwicklungs-boom und auch einen Gründungsboom ausgelöst, betonte Bulmahn. 165 überwiegend junge forschungsintensive Biotechnologieunternehmen, die sich erstmals in der neu geschaffenen Ausstellungsgruppe Biotechnologie in Halle 7 und angrenzenden Hallen präsentieren und 1189 Ausrüster für die Biotechnik belegen die Bedeutung dieser wachsenden Branche.

Prof. Utz-Hellmuth Felcht, Vorsitzender der DECHEMA als Veranstalter der ACHEMA betonte, daß auch die wirtschaftlichen Rahmendaten Anlaß zu Optimismus geben. „Das Chemiegeschäft auf den internationalen Märkten, in Europa, in den USA, den asiatischen Schwellenländern und in Lateinamerika zieht wieder an.“ Davon profitieren auch die Ausrüster und Anlagenbauer. Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, daß auch die Internationalisierung der ACHEMA weiter zugenommen hat, so Felcht. Im Vergleich zur ACHEMA 97 ist der Anteil der ausländischen Aussteller von 33,6 auf 38,5% gestiegen. Die erfreulichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien jedoch nicht der eigentliche Kern des Erfolgsgeheimnisses der ACHEMA, sagte Felcht. „Wichtiger als die quantitativen Kennzahlen sind die Qualität der Apparate und Verfahren, das Ausmaß des wissenschaftlich technischen Fortschritts und damit die enorme Innovationskraft, die hier von den Ausstellern in einer weltweit einzigen Form demonstriert wird. Die Chemie ist im vergangenen Jahrhundert - leider nicht immer für jedermann sichtbar - zu einer der Schlüsselindustrien jeder modernen Industriegesellschaft geworden.“

Gerade auch mit der Ausstellungsgruppe Forschung und Innovation, in der sich 251 Aussteller aus Universitäten, Instituten und forschungsintensiven Unter-nehmen mit ihrem Leistungsangebot präsentieren, ist die ACHEMA auch ein außerordentlich effizientes Forum für den Technologietransfer.

Auch das ACHEMA-Kongreßprogramm fand bereits an den ersten zwei Tagen einen sehr guten Zuspruch. Beim 1st International Symposium „Synthesis, Screening and Sequencing“, das von einer Sonderschau der Aussteller auf diesem Gebiet begleitet wird, reichten die Plätze im Kongreßzentrum nicht aus. Hier stellen innovative Unternehmen ihre neuesten Entwicklungen und Forschungsergebnisse vor, die nicht nur für die Genomforschung, die Herstellung neuer Wirkstoffe oder Katalysatoren, sondern für viele Bereiche der Prozeßindustrie neue effiziente Entwicklungen auslösen werden.

Viele dieser Trends, die sich heute mit hoher Geschwindigkeit noch im Labor abzeichnen, werden die Produktion von morgen bestimmen. Die revolutionierende Entwicklung der Mikrotechnik - „von der Vision zur Realität“ zeigte Prof. Klaus-Peter Jäckel von der BASF in seinem Plenarvortrag auf. Man werde damit nicht unbedingt die Chemiefabriken ersetzen können, aber Prozesse besser verstehen und künftig effizienter, sicherer und mit weniger Ressourcenverbrauch realisieren können.

Neuentwicklungen und Trends

Die Aussteller in allen Ausstellungsgruppen präsentieren in ihrem Angebot zahlreiche Weltneuheiten und Weiterentwicklungen. Als Trends zeichnen sich dabei ab:

  • Kaum noch ein Produktsegment ohne IT-Integration: auch vormals „unintelligente“ Bauteile wie Pumpen oder Ventile werden zunehmend mit DV-Komponenten aufgerüstet
  • Die Biotechnologie durchdringt zunehmend alle Bereiche der Prozessindustrie
  • Neue, hinsichtlich des Wirkungsgrades und der Produktselektivität optimierte Verfahren verdrängen etablierte Prozesse
  • Die Mikroreaktionstechnik kommt
  • In der Katalysatorforschung halten Methoden der kombinatorischen Synthese Einzug
  • Der nachsorgende Umweltschutz tritt gegenüber dem produktionsintegrierten Umweltschutz in den Hintergrund. Dies zeigt auch die Zahl der Aussteller auf der ACHEMA 2000 mit umweltschonenden Systemlösungen. Sie hat um mehr als 50% auf mehr als 1500 Aussteller zugenommen.
  • Ob unter dem Label „sustainable development“ oder „eco-efficiency“: die Schonung natürlicher Ressourcen gewinnt nicht zuletzt schon aus ökonomischen Gründen weiter an Bedeutung
  • Die neuen technologischen Trends werden in näherer Zukunft eine Welle von Investitionen auf dem Ausrüstungssektor nach sich ziehen.

Neue Ausbildungsqualitäten erforderlich

Die rasante technische Weiterentwicklung erfordert einen qualifizierten Nachwuchs an Naturwissenschaftlern und Ingenieuren. Diese Frage stand auch im Mittelpunkt der Podiumsdiskussion am Montag zum Thema „Die deutschen Universitäten - fit für die Wissensgesellschaft?“

Weniger Regelungsdichte und mehr Wettbewerb an den Universitäten, die Chancen der interdisziplinären Arbeit nutzen und Bereitschaft zu Veränderungen und mehr Verantwortung - das waren übereinstimmende Kernaussagen der hochkarätigen Podiumsteilnehmer aus Wissenschaft, Industrie und Staat.

Wie sich die Universitäten auf diese neue Situation einstellen müssen, um neue Qualitäten zu erreichen, dafür wurden zahlreiche Anregungen gegeben.

„Früher gab es nur die Konkurrenz von Industrie und Hochschulen um die besten Absolventen. Heute gibt es einen Dreikampf zwischen Industrie, Hochschule und jungen Unternehmen, die mit Venture Capital ihre eigene Firma gründen“, betonte Prof. Utz-Hellmuth Felcht, Vorsitzender der DECHEMA. Dieser Wettbewerb kann uns nur vorwärts bringen, so Felcht, und auch die DECHEMA hat diese Trends frühzeitig gefördert.

Fazit vom Präsidenten der TU München, Prof. Wolfgang Herrmann:

„Wissen allein reicht nicht, wir müssen wieder eine Bildungsgesellschaft werden“.

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