Ohne Wasser keine Standortpolitik: Wasser als Standortfaktor für Industrie und Kommunen

15.07.2026
Wasser entwickelt sich nach Einschätzung von Dr. Thomas Beutel von der Lutz-Jesco GmbH zu einem zentralen Standortfaktor für Industrie, Kommunen und kritische Infrastrukturen. Auf der Handelsblatt-Konferenz „Wirtschaftsfaktor Wasser“ in Berlin verwies Beutel auf die wachsende Bedeutung regionaler Versorgungssicherheit, technischer Wasseraufbereitung und übergreifender Wasserhaushaltsplanung.

„Wasser ist angekommen in den Köpfen“, sagte Beutel nach dem ersten Konferenztag. Das Thema erreiche inzwischen nicht nur die Wasserbranche, sondern auch Politik, Banken und Industrie. Zugleich brauche die Debatte mehr fachliche Tiefe, da Wasser nicht wie Strom beliebig austauschbar sei. Qualität, pH-Wert, Härte, Säurekapazität und weitere Parameter bestimmten, ob Wasser für bestimmte industrielle Prozesse geeignet sei.

Besonders wasserintensive Branchen wie Halbleiterindustrie, Automobilindustrie, Pharma, Chemie und Papierwirtschaft müssten Wasserverfügbarkeit stärker in Standortentscheidungen einbeziehen. Beutel verwies auf den Industriepark Höchst als Beispiel für eine frühzeitige strategische Ausrichtung auf Wasser. Bereits vor mehr als einem Jahrhundert sei dort Versorgungssicherheit als Grundlage industrieller Ansiedlung mitgedacht worden.

Nach Einschätzung Beutels reichen Durchschnittswerte bei Niederschlägen für die Bewertung künftiger Risiken nicht aus. Dürreperioden, Starkregen, sinkende Grundwasserstände und regionale Versorgungsunterschiede verlangten präzisere Planung. Als Maßnahmen nannte er unter anderem Regenwasserrückhaltebecken, den Erhalt alter Flussbetten, Grundwasseranreicherung und eine bessere überregionale Steuerung der Siedlungswasserwirtschaft.

Die Trinkwasserversorgung müsse weiterhin regional und kommunal abgesichert werden. Der übergreifende Wasserhaushalt brauche jedoch stärkere Koordination. „Wasser ist nicht einfach mischbar“, erklärte Beutel. Deshalb bleibe die konkrete Aufbereitung vor Ort eine fachliche Aufgabe. Gleichzeitig müsse die Verfügbarkeit von Wasser über Regionen hinweg besser geplant werden.

Lutz-Jesco entwickelt und produziert unter anderem Desinfektionsanlagen für Schwimm- und Badebeckenwasser, Trinkwasser sowie Filterspülung und Filterdesinfektion. Zum Portfolio gehören Chlorgasanlagen, Elektrolyseverfahren, Dosieranlagen für Chlorbleichlauge und Chlorgranulat, Chlordioxidanlagen, UV-Anlagen, Dosierpumpen sowie Mess- und Regelsysteme mit Datenübertragung, Visualisierung und Archivierung.

Beutel sieht in solchen Systemen einen wichtigen Baustein für Versorgungssicherheit und Wasserqualität. Digitalisierung könne Anlagen transparenter und effizienter machen, ersetze aber nicht die fachliche Bewertung. Messdaten müssten in technische Entscheidungen übersetzt werden.

Auch die Finanzierung neuer Reinigungsstufen wurde auf der Konferenz diskutiert. Beutel geht davon aus, dass die vierte Reinigungsstufe in Kläranlagen europaweit an Bedeutung gewinnt. Beim Umgang mit Arzneimittelrückständen und anderen Spurenstoffen müsse das Verursacherprinzip weiter konkretisiert werden.

Die Handelsblatt-Konferenz „Wirtschaftsfaktor Wasser“ machte deutlich, dass Wasser zunehmend als wirtschaftliche Schlüsselressource wahrgenommen wird. Für Unternehmen wird künftig nicht nur entscheidend sein, wie viel Wasser ein Standort heute bietet, sondern ob Qualität, Versorgung, Aufbereitung und Wiederverwendung langfristig gesichert sind.

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