Oliver Hermes legt Ehrenamt als Vorsitzender des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft nieder

12.05.2022
Nach drei Jahren als Vorsitzender des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft e.V. legt Oliver Hermes, Vorstandsvorsitzender und CEO der Wilo Gruppe, sein Ehrenamt mit Wirkung zum 1. Juni 2022 nieder.
Oliver Hermes legt Ehrenamt als Vorsitzender des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft nieder

Oliver Hermes, Vorstandsvorsitzender und CEO der Wilo Gruppe. (Bildquelle: WILO SE)

In seiner Funktion als Vorsitzender der Regionalinitiative für 29 Länder Mittel- und Osteuropas vertrat Oliver Hermes stets die Interessen der Mitgliedsunternehmen im Dialog mit der Politik. Dies nicht nur zentral im politischen Berlin, sondern ganz bewusst auch dezentral anhand vieler Formate in der ganzen Bundesrepublik verteilt.

Während seiner Amtszeit stärkte er ganz besonders die mittelständischen Interessen im Dialog mit der Politik und positionierte deutsche Unternehmen als Experten bei Zukunftsthemen wie Industrie 4.0. Er lobte stets die Affinität zur Digitalen Transformation der östlichen Partnerländer, die die Digitale Transformation vom „Front-End“, also der Kundenseite her, betrachten. Darüber hinaus setzte er diverse Impulse zur stärkeren Integration Osteuropas für resilientere, integrierte Wertschöpfungsketten und prägte die Idee, bestehende Energiepartnerschaften zu Klimaallianzen weiterzuentwickeln.

Oliver Hermes plädierte unermüdlich für eine multilaterale Weltordnung durch verantwortungsvolle, friedliche Koexistenz und steigerte die Sichtbarkeit des Verbandes in der überregionalen sowie internationalen Wahrnehmung.

„Wir leben in politisch wie wirtschaftlich turbulenten Zeiten, in denen sich immer mehr Menschen Nationalismus, Protektionismus und Populismus hingeben. Gleichzeitig wird unvorstellbare Gewalt inmitten von Europa ausgeübt. Multinationale Unternehmen stehen vor der Herausforderung des „Decoupling“, der politisch-motivierten Entkopplung von weltweiten Entwicklungen“, so Oliver Hermes.

Nicht nur geopolitisch, sondern auch ökonomisch stünden Unternehmen vor einer Zeitenwende, 30 Jahre Hyperglobalisierung gingen zu Ende. „Die weltweit eng verwobenen Wertschöpfungsketten entflechten sich mit zunehmender Geschwindigkeit und werden regionaler bzw. lokaler. Dabei geraten mehr und mehr deutsche und europäische Unternehmen zwischen die Fronten geopolitischer Auseinandersetzungen. Dadurch wird die Weltwirtschaft in ihrer Entwicklung deutlich gehemmt“, erklärt Oliver Hermes. In all seinen Ausprägungen bedeute „Decoupling“, dass multinationale Kooperationen stärker abnähmen, Allianzen bröckeln und damit auch wirtschaftliche Brücken zwischen Staaten eingerissen würden. Der Vorstandsvorsitzende der Wilo Gruppe ist sich sicher, dass das Primat der Politik zwar gelte, aber diese Entwicklung zu erheblichen ökonomischen Ineffizienzen führe und materielle sowie immaterielle Vermögenswerte zerstört würden.

Neben dem schrecklichen Krieg in der Ukraine, sei die globale Machtkonkurrenz zwischen den USA und China der zentrale geostrategische Konflikt der heutigen Zeit. „Handelsrestriktionen, extra-territoriale Sanktionen, Technologieembargos und eine dadurch aus politischen Gründen eingeleitete Entkopplung von Lieferketten haben verheerende Folgen für die hyperglobalisierte Weltwirtschaft – und gerade für Europas Unternehmen. Sie sind hierbei der größte Verlierer und müssen sich dem entgegenstellen. Unternehmer beweisen täglich aufs Neue, wie wichtig die internationale Zusammenarbeit für den Wohlstand aller ist. Deshalb müssen wir uns noch stärker für eine multilaterale Weltordnung aussprechen“, meint Oliver Hermes. Es sei eine Illusion und gehe an der Realität vorbei, zu glauben, dass die Welt sich bipolar organisieren ließe. Auf der einen Seite die demokratischen Staaten westlicher Prägung und auf der anderen Seite alle anderen Staaten unterschiedlicher politischer Systeme. „Es ist realitätsnäher, eine verantwortungsvolle Koexistenz der diversen politischen Systeme auf unserem Globus zu entwickeln.

Verantwortungsvoll heißt hierbei ökologische, soziale und insbesondere auch ethische Standards für gemeinsames wirtschaftliches Handeln mit den Partnern zu formulieren. Es wird höchste Zeit, dass die Europäische Union und Deutschland eine Geostrategie entwickeln, aus der sich dann solche außenwirtschaftlichen Leitplanken für Unternehmen abbilden ließen. Bis dahin halte ich die gegenwärtige mediale Politisierung von Unternehmen für sehr bedenklich. Die Frage, wie man mit Autokratien und Diktaturen umgehen soll, ist eigentlich und zunächst eine politische. Die westlichen Regierungen dürfen sich hier nicht aus der Verantwortung stehlen“, sagt Oliver Hermes.

„Als Unternehmer und auch persönlich, verurteile ich den Krieg in der Ukraine auf das Schärfste. Er ist ein durch nichts zu rechtfertigender Angriff auf die territoriale Integrität und Souveränität eines Staates und seiner Bevölkerung. Auch dieser Krieg kennt nur Verlierer. Ich bin dennoch der Auffassung, dass gegenseitige ökonomische Abhängigkeiten und Verflechtungen grundsätzlich und gerade in geopolitischen Konfliktsituationen, die Kompromissbereitschaft erhöhen und potenziell zur Deeskalation beitragen. „Wandel durch Handel“ war nicht nur in der Vergangenheit enorm wichtig und hat historisch wichtige Aussöhnungs- und Versöhnungsprozesse sowie eine Entspannungspolitik begleitet. Es ist für mich weiterhin das Gebot der Stunde und keinesfalls outdated!“, erläutert Oliver Hermes weiter.

Der Unternehmer habe sich in seinem Ehrenamt in der Tradition des Brückenbauers gesehen. Die Erfolge dieser Arbeit würden jedoch durch das Vorgehen der russischen Regierung gegen die Ukraine massiv in Frage gestellt. Er halte es dennoch für falsch, die deutsch-russische Aussöhnung und die mit ihr entstandene wirtschaftliche Verflechtung nach dem zweiten Weltkrieg als unzeitgemäße Anschauung zu diskreditieren. „Ich lehne die Lieferung von schwerem, deutschen Kriegsgerät in die Ukraine ab. Dies gerade vor dem Hintergrund der Geschichte Deutschlands, in der wir mit deutschen Waffen für die brutale Ermordung von so vielen Menschen weltweit und in Osteuropa, von 6 Millionen Juden, 8 Millionen Ukrainern, aber auch 18 Millionen Russen verantwortlich sind. Deutschland darf keinesfalls Kriegspartei werden“, so Oliver Hermes.

Die Wilo Gruppe habe in ihrer 150-jährigen Unternehmensgeschichte bereits zwei Weltkriege miterlebt und habe seit jeher eine pazifistische DNA. „Wir wollen das Leben der Menschen mit unseren Produkten, Systemen und Lösungen verbessern. Wir verstehen es als unsere Pflicht, politischen Bedrohungen und regulatorischen Defiziten entschieden entgegenzuwirken. Dies wird mit zunehmender Bedeutung von unseren unterschiedlichen Anspruchsgruppen, ob Kunden oder Lieferanten von unserer Belegschaft und unseren Aktionären erwartet. Es ist für mich daher Ansporn und Anspruch zugleich, politische Verantwortung zu übernehmen“, erklärt der Wilo-Vorstandsvorsitzende. Exemplarisch steht hierfür die von der UN ins Leben gerufene CEO-Erklärung „A Statement from Business Leaders for Renewed Cooperation“, die er für die Wilo Gruppe unterzeichnet hat.

In der Ausübung seines Ehrenamtes war er in den letzten drei Jahren in der Verantwortung, die Interessen von über 300 Mitgliedsunternehmen in 29 Partnerländern zu vertreten. „In der Zukunft sehe ich es aber als meine höchste Priorität, dem „Decoupling“ entgegenzuwirken und meine Unternehmensgruppe durch diese turbulenten Zeiten zu steuern. Dies erfordert meine ganze Kraft und Energie“, betont Oliver Hermes.

Es gehöre von Beginn an zur DNA des Ost-Ausschusses, auch in schwierigen Situationen Dialoge zu ermöglichen. Mit seinen 13 regionalen und thematischen Arbeitskreisen zu allen 29 Ländern und wichtigen Schlüsselthemen in der Energie-, Agrar- oder Gesundheitswirtschaft sowie dem Klimaschutz sei der Ost-Ausschuss sehr gut aufgestellt, die neuen strategischen Herausforderungen anzunehmen. „Die auf unterschiedliche Regionen fokussierten und weltweit tätigen deutschen Wirtschaftsverbände sind aktuell von besonderer Bedeutung. Ich wünsche daher dem Vorstand, dem Präsidium und der hauptamtlichen Geschäftsführung des Ost-Ausschusses hierzu viel Glück und Erfolg bei der Umsetzung ihrer Strategien“, so Oliver Hermes.

Die Verbundenheit zur Region Osteuropa und Zentralasiens bleibt Oliver Hermes durch seine unternehmerische Tätigkeit im Allgemeinen und seine spezielle ehrenamtliche Tätigkeit als Honorarkonsul der Republik Kasachstan erhalten.

Quelle: WILO SE

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