Gruppenwasserwerk Dieburg mit neuer Druckerhöhungsanlage

29.07.2005

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft bei der Qualität oftmals eine Lücke. Aber nicht bei Wasserwerkern, da gibt es keine Rückrufaktionen. So wird im Wasserwerk Hergershausen, dem Stammsitz des Zweckverbandes Gruppenwasserwerk Dieburg, seit mehr als 75 Jahren Trinkwasser von bester Qualität an die Verbraucher geliefert.

7 Millionen Kubikmeter pro Jahr werden aus 23 Förderbrunnen gewonnen und damit überwiegend der Alt-Landkreis Dieburg versorgt und darüber hinaus Lieferungen an die Stadt und den Kreis Offenbach getätigt.

25 km Rohwasserleitungen von den Brunnen zu den Wasserwerken, 80 km Transportleitungen, etwa 560 km Ortsnetze und 350 km Hausanschlüsse gehören zum Verantwortungsbereich. Ständige Sanierungen und Erneuerungen des Leitungsnetzes ergeben sich natürlich auch aus der schon langjährigen zentralen Wasserversorgung. In den Filter- und Belüftungsanlagen wird das gewonnene Grundwasser auf die Grenzwerte der Trinkwasserverordnung gebracht. Über 100 Beobachtungspegel stehen zur Verfügung. Das Werkslabor analysiert ständig Wasserproben aus Brunnen, Wasserwerksanlagen, dem Rohrnetz und Hochbehältern. Neben diesen unmittelbaren Qualitätssichernden Maßnahmen gehört zur Qualität auch die Lieferung von Trinkwasser in erforderlicher Menge und mit dem notwendigen Druck.

Die zu versorgende Region gehört zu den wenigen Wachstumsregionen in Deutschland. Als Einzugsbereich des Rhein-Main-Gebietes wird auch für die Zukunft ein Wachstum der Bevölkerung prognostiziert. Das Gruppenwasserwerk steht also nicht nur vor der Aufgabe die bestehenden Versorgungssysteme zu erhalten und zu sanieren, sondern darüber hinaus die Sicherung des künftigen Bedarfs zu gewährleisten.

Unter Berücksichtigung der vorgenannten Aspekte ergab sich eine kritische Situation im südöstlichen Versorgungsgebiet des Zweckverbandes. Die Gemeinde Schaafheim wird ausschließlich durch die Transportleitung Schaafheim versorgt, die wiederum im Wesentlichen durch das Wasserwerk Hergershausen und die beiden Hochbehälter Schaafheim I und Schaafheim II gespeist wurde. In der Gesamtdrucksituation des Transportleitungsnetzes konnte lediglich noch gewährleistet werden, den Wasserbedarf für den Hochbehälter I zu liefern. Die Versorgung des Hochbehälters II erforderte bereits eine Druckerhöhungsstation, um das Wasser vom HB I in HB II zu befördern. Der Hochbehälter I wiederum hatte einen Zustand erreicht, der eine Sanierungsanordnung durch das zuständige Gesundheitsamt veranlasste. Dringender Handlungsbedarf war also gegeben, der auch den gestiegenen und weiter steigenden Bedarf, die Gesamtsituation der Anlagen und Rohrleitungen und geodätische sowie geografische Bedingungen berücksichtigen musste.

Sehr intensiv haben sich die Wasserwerker des Gruppenwasserwerkes Dieburg mit der Analyse des Istzustandes auseinandergesetzt und Ideen entwickelt, wie eine künftige Lösung aussehen könnte. Ingenieurbüros, Lieferanten, Hersteller und tangierende Behörden wurden konsultiert. In dem schöpferischen Prozess der Lösungsfindung kristallisierte sich schließlich mit dem Neubau einer Druckerhöhungsstation, nahe dem Schwimmbad Schaafheim, die technisch und wirtschaftlich günstigste Variante heraus. Im August 2003 wurde ein entsprechender Antrag nach dem Hessischen Wassergesetz beim Regierungspräsidium eingereicht. Der Antrag wurde im Februar 2004 genehmigt und am 22. März 2005 wurde die Druckerhöhungsanlage Schaafheim in Betrieb genommen. Eine Leistung, die Hochachtung verdient und nicht nur der Terminkette wegen, sondern auch bezüglich des realisierten technischen Anspruchs.

Die komplette Druckerhöhungsanlage, einschließlich anschlussfähigen Gebäudetrakts, wurde von Lowara Deutschland GmbH aus dem benachbarten Großostheim geliefert. Die kompakte Pumpenanlage besteht aus zwei Mehrstufenpumpen Typ MPV 125.2/2SA 111-2204 (22kW, 4polig) mit jeweils zwei Stufen und einer Förderleistung von 120 m³/h bei 42,5 m Förderhöhe. Die Pumpen laufen im 24 h-Wechsel, um gleichmäßige Betriebszeiten zu erreichen. Die jeweilige Pumpe wird über den Wasserstand im Hochbehälter Schaafheim II über ein 4-20 mA-Signal gesteuert, das als Geber für das Regelsystem HYDROVAR® dient. Der im HYDROVAR® integrierte Frequenzumformer passt die Drehzahl der Pumpe den jeweiligen Förderdaten der Kennlinie an und wirkt somit energiesparend, Verschleiß minimierend und Kavitation reduzierend. Es ist vorgesehen, die automatische Prozessführung mittels speicherprogrammierbarer Steuerung (SPS) durchzuführen. Die dafür notwendige Schnittstelle RS 485 ist im System HYDROVAR® vorhanden.

Bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung dieses Vorhabens kann nunmehr mit einbezogen werden, dass aufwändige Sanierungsarbeiten am Hochbehälter I entfallen, die ungeregelte Druckerhöhungsanlage zur vormaligen Speisung des Hochbehälter II hinfällig wird und letztlich Energiekosten reduziert werden.

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