Endress+Hauser sieht sich gut gerüstet

20.05.2020
Firmengruppe steigert im Geschäftsjahr 2019 Auftragseingang, Umsatz, Gewinn und Beschäftigung
Endress+Hauser sieht sich gut gerüstet

Der Sitz der Endress+Hauser Gruppe im schweizerischen Reinach. (Bildquelle: Endress+Hauser)

Endress+Hauser hat sich 2019 über alle Arbeitsgebiete, Branchen und Regionen gut entwickelt. Die Firmengruppe hat hunderte Arbeitsplätze geschaffen, in Rekordhöhe investiert und sich in der Nachhaltigkeit verbessert. CEO Matthias Altendorf zufolge kann das Familienunternehmen damit den Herausforderungen der Coronakrise aus einer Position der Stärke begegnen.

„2019 war ein gutes Jahr für Endress+Hauser“, betonte Matthias Altendorf. „Unser Wachstum war breit abgestützt und ausgewogen.“ Das auf Mess- und Automatisierungstechnik für Prozess und Labor spezialisierte Unternehmen steigerte trotz abflauender Konjunktur den Nettoumsatz um 8,0 Prozent auf 2,652 Milliarden Euro. Getrieben worden sei diese Entwicklung nicht von Großaufträgen, sondern kleineren und mittleren Projekten, erläuterte der Firmenchef auf der Bilanzmedienkonferenz in Basel.

Innovation und Nachhaltigkeit im Fokus

Der Erfolg beruht dem CEO zufolge auch auf der ungebrochenen Innovationskraft. 318 Entwicklungen meldete Endress+Hauser 2019 erstmals zum Patent an. 7,6 Prozent des Umsatzes fließen in Forschung und Entwicklung. Mehr als 1.100 Beschäftigte arbeiten an neuen Produkten, Lösungen und Dienstleistungen. Ende 2019 zählte Endress+Hauser weltweit 14.328 Beschäftigte. Damit sind binnen Jahresfrist 400 Stellen hinzugekommen.

Fortschritte erzielte das Unternehmen auch auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit. Im jährlichen EcoVadis-Audit erreichte Endress+Hauser 72 Punkte, 4 mehr als 2018, und platzierte sich damit unter den Top 2 Prozent der weltweiten Vergleichsgruppe. Durch die Umstellung auf Ökostrom in der Produktion senkte Endress+Hauser den CO2-Ausstoß um mehr als ein Drittel. Neue Gebäude erfüllen durchweg höchste Standards. Derzeit errichtet die Gruppe in Kanada ein neues Kundenzentrum, das energieautark arbeiten wird.

USA weiter größter Markt, China überholt Deutschland

Starke Wachstumsimpulse kamen 2019 aus Asien. Europa entwickelte sich gut, Südamerika sehr gut. Nordamerika blieb dagegen hinter den Erwartungen, während das Geschäft in Afrika und dem Nahen Osten rückläufig war. China überflügelte beim Umsatz Deutschland und liegt nun knapp hinter den USA, die weiter der größte Absatzmarkt für Endress+Hauser sind. Chief Financial Officer Dr. Luc Schultheiss zufolge konnte die Firmengruppe Marktanteile gewinnen.

Das veränderte Marktumfeld zeigt sich im Betriebsergebnis (EBIT) von 343,4 Millionen Euro (plus 3,9 Prozent). Das Ergebnis vor Steuern (EBT) wuchs um 9,9 Prozent auf 346,9 Millionen Euro. Dahinter steht ein gegenüber 2018 deutlich verbessertes Finanzergebnis. Die Währungsabsicherung verursachte zwar weiterhin hohe Kosten, doch warfen die Finanzanlagen im positiven Börsenumfeld des Jahres 2019 eine gute Rendite ab. Die Umsatzrendite (ROS) kletterte um 0,2 Punkte auf 13,1 Prozent.

Starkes Finanzpolster trotz hoher Investitionen

Das Ergebnis nach Steuern stieg 2019 um 14,3 Prozent auf 265,9 Millionen Euro. Dies spiegelt einen auf 23,4 Prozent gesunkenen effektiven Steuersatz wider – die Folge eines einmaligen Effektes durch die Unternehmenssteuerreform in der Schweiz. Die Eigenkapitalquote erreichte hervorragende 75,6 Prozent, 4,6 Prozentpunkte mehr als 2018. Diese Entwicklung wurde unter anderem durch die Auslagerung der deutschen Pensionsverpflichtungen in einen eigenständigen Fonds beeinflusst.

Die Firmengruppe ist praktisch frei von Bankschulden – dies trotz weltweiter Investitionen von 231,1 Millionen Euro. In den vergangenen fünf Jahren steckte das Unternehmen mehr als 840 Millionen Euro in neue Gebäude, Anlagen und Ausrüstung. Finanzchef Luc Schultheiss zufolge verfügt Endress+Hauser dank einer umsichtigen Dividendenpolitik und jahrelangem Streben nach kontinuierlicher Verbesserung über ein Liquiditätspolster von fast 800 Millionen Euro. „Dies wird helfen, die aktuelle Wirtschaftssituation gut zu meistern.“

Digitale Nähe überbrückt die physische Distanz

Endress+Hauser ist mit einem nochmals gewachsenen Auftragsbestand ins Jahr 2020 gestartet. Die Coronavirus-Pandemie erschwert ein Erreichen der ursprünglichen Ziele jedoch massiv. „Noch können wir die wirtschaftlichen Auswirkungen nicht abschätzen. Aber die Krise wird bei unseren Kunden und uns Spuren hinterlassen“, sagte CEO Matthias Altendorf. Die Gruppe habe früh auf die Ausbreitung des Virus reagiert und alles getan, um die Gesundheit der Menschen zu schützen und Kunden weiterhin gut zu unterstützen.

„Wir überbrücken die physische Distanz durch digitale und emotionale Nähe“, erklärte Matthias Altendorf. Er treibt seit Jahren die Digitalisierung bei Endress+Hauser voran – in Produkten und Services ebenso wie in der Interaktion mit Kunden und der internen Kollaboration. So arbeiten derzeit in der Spitze bis zu 10.000 Beschäftigte aus dem Homeoffice. Kunden können die Website nutzen, um Geräte zu bestellen oder Aufträge zu verfolgen. Und ein Online-Tool ermöglicht Support aus der Ferne mit Video-Unterstützung.

Firmengruppe will Beschäftigung sichern

„Unsere Helden des Alltags arbeiten in Produktion, Logistik und Service, oder unter erschwerten Bedingungen in Büro und Homeoffice“, sagte Matthias Altendorf. Dank großer Anstrengungen sei es gelungen, die Materialverfügbarkeit zu gewährleisten, Transportketten intakt zu halten und die Kunden in allen Belangen zu unterstützen. „Die Werke der Firmengruppe arbeiten, Endress+Hauser ist weiter lieferfähig.“ Der CEO sieht das Unternehmen deshalb gut gerüstet für schwierige Zeiten.

„Wir haben stets solide gewirtschaftet und sind als Unternehmen bestens aufgestellt“, so Matthias Altendorf. „Wir werden alles tun, um Beschäftigung zu sichern und Endress+Hauser gut durch diese Krise zu bringen. Das nützt Kunden, Mitarbeitenden und Gesellschaftern.“ Die Gesellschafterfamilie trage diesen Kurs mit und nehme einen Gewinnrückgang in Kauf, sagte Verwaltungsratspräsident Dr. h.c. Klaus Endress. „Wir möchten, dass möglichst alle an Bord sind, wenn der Wind sich dreht und es wieder vorwärts geht.“

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