Wasseraufbereitung mit Umkehrosmose: Hohe Energieeinsparungen in Eissporthallen
Die Eisfläche der Probonio Arena Kassel wurde 2026 modernisiert, auf NHL-Größe angepasst und mit einem ISS-System ausgestattet (Bildquelle: Probonio Arena)
Paul Sinizin ist Investor und Geschäftsführer der Probonio Arena Kassel – der Multifunktionsarena, in der die Kassel Huskies ihre Spiele in der DEL2, der zweithöchsten deutschen Eishockey-Liga, absolvieren und auch trainieren. Die Halle steht zudem der Öffentlichkeit zum Eislaufen sowie der Eishockey-Jugend zur Verfügung und wird auch für andere Veranstaltungen wie Konzerte genutzt.
„Nachhaltigkeit im Betrieb der Anlage ist für mich ein zentrales Anliegen. Daher war mir unter anderem der Energie- und Wasserverbrauch, der mit dem Aufbau und der Pflege der Eisflächen verbunden ist, schon lange ein Dorn im Auge“, erläutert Axel Mikesch, ebenfalls Geschäftsführer der Probonio Arena Kassel. Vorher wurde durch die Eismeister das Eis mit einer Temperatur von ca. 50 °C aufgebracht. In der Praxis wurde hierfür häufig erwärmtes Wasser verwendet.
Entsalztes Wasser statt erwärmtem Wasser
Als die Verantwortlichen der Probonio Arena Kassel 2023 nach einer energiesparenden Lösung suchten, wandten sie sich an Andreas Pfaff, Geschäftsführer der Grünbeck-Werksvertretung Pfaff Wassertechnik GmbH. Er erläutert: „Weitgehend entsalztes Wasser mit 25 °C Normaltemperatur erfüllt tatsächlich die gleichen Anforderungen der Eismeister wie das bisher auf 50 °C erwärmte Trinkwasser. Dadurch entfällt das bisher erforderliche Aufheizen des Wassers.“ Nach Angaben der Beteiligten wird das Eis außerdem etwas klarer, sodass etwa Spielfeldmarkierungen und Logos unter dem Eis deutlicher zu sehen sind.
Von Testpatronen zur Umkehrosmoseanlage
Erste Versuche in der Probonio Arena Kassel hatte Grünbeck Anfang 2023 zunächst mit Mischbett-Entsalzungspatronen gefahren, die für Tests einfach zu installieren, aber im Dauerbetrieb nicht sehr wirtschaftlich sind. Nachdem die Ergebnisse den Anforderungen entsprachen, entschied sich der Hallenbetreiber, als dauerhafte Lösung eine Umkehrosmoseanlage GENO-OSMO-X von Grünbeck zu installieren, die vor dem Beginn der Spielsaison 2023/24 in Betrieb ging. Zur Gesamtanlage gehören seither auch ein Reinwasserbehälter und eine Druckerhöhungsanlage. „Mit dieser Lösung sparen wir in der Halle jährlich rund 200.000 kWh Energie, da das Aufheizen des Wassers wesentlich geringer ausfällt. So reduzieren wir den Energieverbrauch des Hallenbetriebs und erzielen gleichzeitig einen wirtschaftlichen Vorteil“, sagt Geschäftsführer Axel Mikesch.
Verfahren ohne Säuren und Laugen
Im Vergleich zu Ionenaustauschern, wie beispielsweise Mischbett-Entsalzungspatronen, benötigen Umkehrosmoseanlagen als physikalisches Verfahren im Betrieb keine Säuren und Laugen zur Regeneration. Es fällt daher kein mit Regenerationschemikalien belastetes Abwasser an; das Konzentrat mit den abgetrennten Stoffen wird abgeleitet.
Bei der Umkehrosmose wird das Rohwasser mit hohem Druck durch eine halbdurchlässige Membran gepresst, die fast ausnahmslos Wassermoleküle passieren lässt. Nach dem Durchströmen der Membran ist das Wasser, das dann als Permeat bezeichnet wird, nahezu frei von Salzen, Kalk, Schwermetallen, Keimen wie Bakterien und Viren, Partikeln sowie gelösten organischen Substanzen und sonstigen Verunreinigungen. Diese Substanzen verbleiben auf der anderen Seite der Membran im sogenannten Konzentrat. Im Permeat findet sich lediglich ein Restsalzgehalt von ein bis fünf Prozent. Soll dieser weiter gesenkt werden, kann Grünbeck die Systeme zweistufig ausführen. Das Permeat durchfließt dann eine zweite Umkehrosmose.
Regenwasser für die Eisaufbereitung
Im Zusammenhang mit der anstehenden Erweiterung der Sportanlagen sind weitere Wasseraufbereitungsanlagen von Grünbeck geplant. Im Rahmen des Ausbaus wird unter anderem die Kapazität der Multifunktionsarena erweitert und daneben ein neues Gebäude mit einer weiteren Eisfläche errichtet, die vor allem für das Eishockey-Training genutzt werden soll. Die Dächer beider Hallen werden mit Fotovoltaik-Anlagen versehen. Die Eisaufbereitung in der neuen Halle wird künftig ebenfalls mit Wasser erfolgen, das die Umkehrosmoseanlage entsalzt.
Zudem soll für die gesamte Eisaufbereitung möglichst nur noch Regenwasser verwendet werden. Dafür wird eine 200 m³ fassende Zisterne gebaut, welche das Dachablaufwasser sammelt. Dieses Wasser wird mit mehrstufiger Grünbeck-Technik aufbereitet. Zum Einsatz kommt eine Ultrafiltrationsanlage varioliQ:UF mit integrierter Kiesfiltration und nachgeschalteter Ultrafiltration, die Schmutzstoffe, Korrosionspartikel und Keime weitgehend entfernen soll. Anschließend durchfließt das Wasser einen Aktivkohlefilter.
Weniger Trinkwasser
An Spieltagen werden in beiden Hallen für das Eis täglich bis zu 15 m³ Wasser benötigt, die künftig im Idealfall nicht mehr aus dem Trinkwassernetz entnommen werden müssen.
Auch die dünne Eisschicht, welche die Eismaschinen beim Präparieren der Spielfläche abfräsen, soll wiederverwendet werden. Bislang wurde dieser „Schnee“ ins Abwasser gegeben. Künftig landet er in der Regenwasserzisterne und wird wieder aufbereitet.
Den Zuschlag für die Erweiterung der Wasseraufbereitungstechnik erhielt Grünbeck im Juni 2026. Im März 2027 sollen die neuen Anlagen betriebsbereit vor Ort sein.
Quelle: Grünbeck AG
