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14.10.2019

Kläranlage Isny reinigt vierstufig mit Gebläsetechnik von Aerzen

Die Grundlast für die Sauerstoffversorgung der Belebungsbecken deckt die Kläranlage in Isny mit einem Turbogebläse von Aerzen. (Foto: Aerzener Maschinenfabrik GmbH)

Mit einer vierten Reinigungsstufe erreicht die Kläranlage Isny einen Phosphatgehalt von 0,1 Milligramm pro Liter – und liegt damit im Jahresmittel zwei Drittel unter dem erlaubten Grenzwert. Die sehr gute Abwasserreinigung ist in Süddeutschland notwendig.

Die 50.000-EGW-Anlage leitet das gereinigte Wasser nämlich über den Fluss Untere Argen direkt in einen Trinkwasserspeicher – und der heißt Bodensee. Gebläsetechnik von Aerzen übernimmt in der vierten Reinigungsstufe, den Belebungsbecken sowie weiteren Reinigungsbereichen wichtige Prozessfunktionen.

Es ist ein ausgewachsener Staatsvertrag, der seit 1986 die Dinge in der Grenzregion zwischen Baden-Württemberg und Bayern regelt. Die Unterschrift von Lothar Späth und Franz-Josef Strauß ist noch heute sichtbares Zeichen für eine durchweg saubere Sache. Schließlich haben die beiden Ministerpräsidenten seinerzeit den vertraglichen Grundstein für die Kläranlage in Isny gelegt – und damit für eine wirtschaftliche sowie hochmoderne Abwassertechnik über eine Landesgrenze hinweg. 160 Quadratkilometer misst das Einzugsgebiet des Abwasserzweckverband Isny-Weitnau im Allgäu. „Etwa zwei Drittel unserer Abwässer kommen aus der Gemeinde Isny, rund ein Drittel aus der bayerischen Gemeinde Weitnau. Entsprechend sind auch die Investitionen verursachungsgerecht aufgeteilt“, erzählt Abwassermeister Ulrich Schneider.

Strenge Auflagen durch Nähe zum Bodensee
Eine weitere Besonderheit in Isny stellt die unmittelbare Nähe zum Trinkwasserspeicher Bodensee dar – mit entsprechend niedrigen Einleitgrenzwerten. Der von Schneider geführte Betrieb erreicht im Jahresmittel einen CSB Wert von 12 Milligramm pro Liter. Der Stickstoffgehalt beträgt 7 Milligramm. Bei Phosphor sind es am Auslauf zum Vorfluter 0,12 Milligramm. In der dafür eingesetzten vierten Reinigungsstufe wird das Abwasser nach der Biologie mit dreiwertigem Eisensalz versetzt, um das gelöste Phosphat auszufällen. Bei dieser Reaktion entstehen Flocken aus schwer löslichem Eisenphosphat (FePO4), die sich mit einem zweistufigen Filter aus Quarzsand und Anthrazit eliminieren lassen. Je nach Frachtaufkommen ist der Filter spätestens alle 24 Stunden mit einer Wasser-Luft-Kombination zu spülen. Für die Reinigung setzt die Kläranlage zwei ältere Drehkolbengebläse vom Aerzen Typ Delta Blower ein. Die beiden Aggregate blasen durch die Filterkerzen am Boden des Sandfilters Luft in das Becken und verwirbeln zusammen mit dem eingepumpten Wasser das Filtermaterial mit dem darin angereicherten Eisenphosphat. Aufgrund des unterschiedlichen spezifischen Gewichtes von Quarzsand und Anthrazit sortieren sich beide Filtermaterialien nach dem Spülen wieder exakt in ihrer vorgegebenen Schicht. Das herausgespülte Eisenphosphat verlässt das Becken über einen Ablauf und wird der Kläranlage wieder zugeführt. „Letztlich reichern wir damit den Klärschlamm an“, erklärt Ulrich Schneider.

Bevor der Klärschlamm in die Verbrennung geht, muss er getrocknet werden. Die dafür notwendige Wärme können sich moderne Abwasserreinigungsanlagen mit bereits heute verfügbarer Technik aus dem eigenen Reinigungsprozess heraus erschließen. Aerzen bietet mittlerweile Systemlösungen an, um die bei der Druckluft zwangsläufig entstehende Wärme wirksam mit Rohrbündelwärmetauschern zurückzugewinnen. Die thermische Energie wird bereits in vielen Kläranlagen für die Beheizung der Betriebsgebäude samt Warmwasseraufbereitung genutzt. Mit Blick auf die Klärschlammverwertung wird die Energie künftig bei der Trocknung eine noch größere Rolle spielen.

Autarke Energieversorgung
Klärwerksmeister Ulrich Schneider und Aerzen Branchenmanager Markus Leidinger sind sich einig, dass die Eigenenergieversorgung von Kläranlagen in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen wird. Aus gutem Grund ist in Isny eine PVAnlage auf dem Dach installiert und erzeugt zusammen mit dem BHKW grünen Strom. Die Wärme des BHKW geht unter anderem in den Faulturm und schafft optimale Gärtemperaturen. Mit Blick auf möglichst gute Energieeffizienz von Anfang an kommt in Isny für die Belüftung der Belebungsbecken zudem ein Verbund aus Turbogebläse und Drehkolbengebläse zum Einsatz. Das Turbogebläse vom Aerzen Typ AT50-0.6 S liefert mit 40 kW Motorleistung einen Volumenstrom bis 35 Normkubikmetern pro Minute. Damit ist die kompakte, drehzahlgeregelte Einheit in der Lage, den Grundlastbereich der Kläranlage vollständig mit hoher Energieeffizienz abzudecken. Sinkt der Sauerstoffbedarf unter einen definierten Schwellenwert, geht der Turbo automatisch vom Netz und ein Drehkolbengebläse vom Typ Delta Blower GM25 (max. Volumenstrom 20 m³/min mit 30 kW) übernimmt die Arbeit. Bei Spitzenlasten bilden die beiden Aggregate einen Verbundbetrieb. Das Zusammenspiel unterschiedlicher Gebläsetechnologien nennt sich bei Aerzen Performance³. Der maßgeschneiderte Verbund berücksichtigt jeden Maschinentyp und seine technischen Besonderheiten, um die teils schwankenden Schmutzfrachten mit maximaler Energieeffizienz regeln zu können.

Fazit
Die Abwasserreinigung steht aktuell vor anspruchsvollen Aufgaben. Die Themen: Energieeffizienz, Phosphatrückgewinnung sowie die Reinigung des Wassers von Plastikverbindungen. Zudem sind Wege zu finden, die ausgeschiedenen Medikamentenrückständen von Schmerzmitteln und der Anti-Baby-Pille wirksam abzubauen – etwa durch Ozonanlagen. „Es gibt auch erste Analyseergebnisse, die Lebensmittelzusatzstoffe wie das Süßungsmittel Aspathan in den Gewässern nachweisen – mit unbekannten Folgen“, berichtet Ulrich Schneider.

Bild: Die Grundlast für die Sauerstoffversorgung der Belebungsbecken deckt die Kläranlage in Isny mit einem Turbogebläse von Aerzen. (Foto: Aerzener Maschinenfabrik GmbH)

Quelle: Aerzener Maschinienfabrik

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