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15.01.2014

Schwellenländer als Motor für den Pumpenmarkt

Experten sehen für die Branche günstige Bedingungen auf dem Weltmarkt. Vor allem Staaten wie China lassen sie in den nächsten Jahren auf lukrative Geschäfte hoffen.

Prognosen zu lesen muss für Hersteller und Händler von Pumpen oftmals die reinste Freude sein. Denn ein Blick auf Grafiken zeigt: Die Absatzkurven ihrer Produkte zeigen häufig nach oben. Bis 2017 erwartet die Branche – in den Bereichen Industrie, Städte und Bewässerung – jährliche Wachstumsraten von etwa vier Prozent auf dem Weltmarkt. Dann soll ein Umsatz von knapp 46 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet werden – sofern sich die weltweiten Rahmenbedingungen nicht schlechter entwickeln als angenommen.


Mit deutlichen Wachstumsraten glänzt Ostasien, das laut der McIlvaine Company 2017 über 33 Prozent des Pumpen-Weltmarktes ausmachen wird. Erzielt werden soll dort ein Umsatz in Höhe von etwa 15 Milliarden US-Dollar. Motor des Absatzes sind vor allem neue Infrastrukturen und die Schwermetallindustrie, berichtet das Marktforschungsunternehmen in seinem Report „Pumps: World Markets“. Demnach werden zwischen 2012 und 2017 in Ostasien mehr Kraftwerke errichtet als in der gesamten übrigen Welt. Bei der Abwasserbehandlung und der Trinkwasserversorgung wird dieser Markt ebenfalls andere Regionen übertreffen. Um der Trockenheit in manchen Arealen Paroli zu bieten, wird die Bedeutung der Bewässerungspumpen deutlich zunehmen.

Fracking kurbelt Pumpennachfrage an
Auf einen steigenden Bedarf an Pumpen darf für die NAFTA (North American Free Trade Agreement) gehofft werden. Die Förderung von unkonventionellem Öl und Gas durch Fracking kurbelt die Nachfrage nach Pumpen an, die mit hohem Druck arbeiten können. McIlvaine spricht von „substantiellen Investitionen in Pumpen“. Der Bedarf könnte sich auf jährlich eine Milliarde US-Dollar belaufen, so das Markforschungsunternehmen. Insgesamt wird der Pumpenumsatz in der NAFTA für 2017 auf rund 8,8 Milliarden US-Dollar taxiert.

Spürbar wird der Druck der Europäischen Union auf Osteuropa. Um die Umweltauflagen der EU zu erfüllen, muss kräftig in energieeffiziente und emissionsarme Pumpen investiert werden. Auf rund 1,3 Milliarden US-Dollar wird das Volumen für 2017 geschätzt.

Westeuropa gilt dagegen als langsam wachsender Markt, in dem insbesondere der Austausch von Pumpen eine wichtige Rolle spielt. Rund 7,5 Milliarden US-Dollar ist dieser Markt „schwer“.
Entsalzungsanlagen kurbeln den Bedarf an Pumpen im Mittleren Osten an. Sie müssen hohe Anforderungen durch aggressive Medien bei der Umwandlung in Trinkwasser erfüllen. Auch für die Energierückgewinnung werden in dieser Region Pumpen benötigt. Für 2017 wird ein Umsatzvolumen von knapp 2,6 Milliarden US-Dollar erwartet.

Die übrigen Märkte listet die McIlvaine Company mit rund 1,9 Milliarden US-Dollar in Afrika, 2,3 Milliarden US-Dollar im Commonwealth of Independent States (CIS), 2,8 Milliarden US-Dollar in Süd- und Mittelamerika sowie 3,3 Milliarden US-Dollar in Westasien.

„Schlagkräftige“ deutsche Pumpenbranche
Deutschland zählt traditionell bei der Pumpenfertigung zu den leistungsstarken Ländern. „Die deutsche Pumpenindustrie hat sich in den letzten Jahren als schlagkräftig und anpassungsfähig erwiesen“, unterstreicht der Fachverband Pumpen + Systeme im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e.V (VDMA). Dank der überwiegend mittelständischen Struktur könne auf neue Entwicklungen im Markt schnell reagiert werden. So verlassen laut VDMA Deutschland jährlich Pumpen im Wert von über 4,8 Milliarden Euro. Damit beläuft sich der Anteil am Welthandelsvolumen auf fast 17 Prozent. Punkten kann die deutsche Branche sowohl bei Standard-, als auch bei Sonderkonstruktionen.

System-Know-how als zusätzlicher Service
Durch die steigende Bedeutung der Energieeinsparung gewinnen regelbare Hocheffizienzpumpen zunehmend an Bedeutung. „Im Bereich der Chemischen Industrie geht der Trend bei Neuanlagen zu überwachten Pumpen“, stellt der VDMA fest. Dadurch könnten Störungen frühzeitig erkannt und der Betrieb aufrecht gehalten werden. „In allen Bereichen gehen die Pumpenhersteller dazu über, neben der eigentlichen Pumpe zusätzlich System-Know-how anzubieten.“ In den Anwender-Unternehmen würde die Fachkompetenz „eher abgebaut“. Was für die Hersteller zusätzliche Aufträge im Servicebereich in Aussicht stellt.

Gute Aussichten
Kein Wunder, dass die deutschen Pumpenproduzenten optimistisch in die Zukunft blicken. So verzeichnet Grundfos seit Jahren ein stetes Wachstum. 2012 stieg der Nettoumsatz um 6,7 Prozent. „Wir erwarten, dass er im Jahr 2013 über dem von 2012 liegt“, sagt Dirk Schmitz, Leiter Kommunikation & PR. Dabei fielen die Wachstumsraten unterschiedlich aus, manche Regionen wie der Süden Europas täten sich mit Blick auf die Eurokrise zurzeit schwer. Auch 2014 könnte ein gutes Jahr werden. „Wir gehen von einem wieder besseren Marktklima und einem höheren Wachstum als 2013 aus.“

In neue potentielle Märkte wird investiert. „Dabei konzentrieren wir uns global auf Länder, die eine besonders hohe Nachfrage nach unseren Lösungen haben – dazu zählen die asiatischen Länder, wo wir unsere Position in Indien ausbauen werden, aber auch die Vereinigten Staaten“, so Schmitz.

Guten Aussichten auch bei Wilo. Das Unternehmen befindet sich seit mehreren Jahren auf Rekordkurs. Für 2013 wird mit einem Umsatzplus im „satten“ einstelligen Prozentbereich gerechnet. Auch für 2014 geht der deutsche Pumpenhersteller von einer steigenden Umsatzentwicklung aus.

Energiesparende Lösungen im Trend
Vor allem in Europa zeigt die Entwicklung bei Wilo: „Die Energiebranche gewinnt in den Segmenten Building Services & Water Management immer mehr an Bedeutung für uns“, berichtet das Unternehmen. Steigender Energiebedarf und damit steigende Stromkosten verursachten einen immer höheren finanziellen Aufwand für Verbraucher und Betreiber. Daher spreche Wilo direkt den Betreiber und auch ESCOs (Energy Saving Companies), Energy Contracting und Facility Management Unternehmen an, um für sie die geringintensive Maßnahme eines vorzeitigen Austauschs von stromverbrauchsintensiven ungeregelten Pumpen durch energieeinsparende Lösungen zu sensibilisieren und voranzutreiben. Damit könne, so Wilo, der Gesamtenergieverbrauch und CO2-Ausstoß erheblich reduziert werden.

„In den Wachstumsmärkten Asien, Afrika und Lateinamerika wird sich diese Situation in den nächsten Jahren noch entwickeln“, prognostiziert das Dortmunder Unternehmen. Vor allem in den explosionsartig entstehenden Mega-Cities würden energiesparende Produkte, die einen direkten Einfluss auf die Energiebilanz eines jeden Gebäudes haben, in der nahen Zukunft eine wesentliche Rolle spielen.

Wasser als Basis für wirtschaftliche Entwicklung
Das ist nicht die einzige Entwicklung in den Wachstumsmärkten. Hier werde die Nachfrage nach Wasser steigen. Wilo: „Daher liegt derzeit unser Fokus in diesen Märkten auf dem Segment Water Management, insbesondere auf der Wasserver- und -entsorgung.“

Eine Entwicklung, die auch Grundfos mit großem Interesse verfolgt. „Die Wasserverfügbarkeit ist ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes, Industrialisierung ist nur mit der Verfügbarkeit von Wasser möglich“, unterstreicht Dirk Schmitz von Grundfos. Das Unternehmen eröffnete deshalb 2011 für die Bereiche Wasserversorgung und Abwasser ein globales Kompetenzzentrum.

Lukrative Aufträge in Schwellenländern
In den Schwellenländern warten also lukrative Aufträge. Wer seine Chancen auf den Zuschlag bei der Vergabe erhöhen möchte, setzt auch auf Niederlassungen vor Ort. China steht hier ganz oben auf der Prioritätenliste vieler Pumpenhersteller, das zeigt die Betriebsamkeit bei der Eröffnung von Produktionsstätten in den vergangenen Jahren. So eröffnete Sulzer – bei einer Investition von umgerechnet etwa 8,2 Millionen Euro – ein Werk in Kunshan, China. Etwa 10.000 Pumpen, Kompressoren und Mischer sollen dort jährlich insbesondere für die Wasserversorgungs- und Abwasserindustrie gefertigt werden. Der Bedarf ist groß: Zwei Drittel der 600 Städte des Landes leiden unter Wasserversorgungsproblemen. Mit riesigen Vorhaben wie dem Süd-Nord-Wassertransferprojekt oder Meerwasserentsalzungsanlagen an der Küste soll der Wasserbedarf weiter gedeckt werden, berichtet das Unternehmen. „Die Produktionsstätte in Kunshan wird unsere Wettbewerbsfähigkeit in China steigern und unsere Lieferfristen verkürzen“, erklärt Kim Jackson, Divisionspräsident von Sulzer Pumps. Expertenschätzungen zufolge werden bis 2015 Investitionen in Höhe von rund 54 Milliarden Euro nötig sein, um die Problematik der Abwasseraufbereitung anzugehen. Das neue Werk in Kunshan ist bereits die sechste Produktionsstätte von Sulzer im Land. 2013 eröffnete Sulzer Pumps überdies das dritte Servicecenter in China, um sein Netzwerk im Reich der Mitte zu stärken.

Strategie auf China abgestimmt
Auch Wilo weihte ein neues Produktionswerk in China ein. Durch das neue Werk ist die Fläche der chinesischen Tochtergesellschaft von Wilo in Peking auf 20.000 Quadratmeter gewachsen. Insgesamt hat die Wilo Gruppe hier über 24 Millionen Euro investiert. „Der asiatisch-pazifische Raum ist derzeit die Wirtschaftsregion der Welt mit der größten Dynamik. Deshalb spielen Asien und insbesondere China in unserer Wachstumsstrategie eine wichtige Rolle“, betont der Vorstandsvorsitzende der Wilo Gruppe, Oliver Hermes.
„China ist ein großer und schnell wachsender Markt“, betont auch Heikki Hyttinen, CEO der Flowrox Group. Der Hersteller von Pumpen und Armaturen expandiert und eröffnete ein Büro in China.

Für die KSB AG, Produzent von Pumpen und Armaturen, spielen die Schwellenländer ebenfalls eine wichtige Rolle. Im brasilianischen Jundiai nahm eine Anlage ihren Betrieb auf, zunächst für die Herstellung von Armaturen, später für Standardpumpen. Ferner besitzt mittlerweile ProMinent eine Niederlassung in der vietnamesischen Stadt Hochiminh City. Wilo gibt es nun auch in Südkorea: 27,25 Millionen Euro investierte das Dortmunder Unternehmen in die neue Produktionsstätte in Busan.

Euphorie und Unabwägbarkeiten
Bei aller auch berechtigten Euphorie für die Märkte der Schwellenländer bleiben Unabwägbarkeiten, auf die sich die Pumpenhersteller einstellen müssen. Beispiel Brasilien: Hier fiel im ersten Halbjahr 2013 die Nachfrage nach Pumpen konjunkturbedingt. Eine Momentaufnahme, die sich allerdings in einiger Zeit wieder ganz anders, also positiver darstellen könnte.
Ähnliches gilt für China. Laut der chinesischen GDP (Official Exchange Rate) wurden im ersten Quartal 2013 die ursprünglich erwarteten Wachstumsziele für das Gesamtjahr nach unten korrigiert. Die Zeichen für das Gesamtjahr sehen allerdings wieder erfreulicher aus.

Ein wichtiger Taktgeber für beispielsweise den Bausektor ist die staatliche Förderung durch die chinesische Regierung. Deren zögerliche Förderungen, um etwa Spekulationen zu bremsen und die schnell steigenden Preise zu verlangsamen, haben zuletzt die Pumpennachfrage beeinflusst.

Modernisierung der Infrastruktur
Trotzdem: Der chinesische Markt wird weiter eine bedeutende Rolle auf dem Weltmarkt einnehmen. Denn bekanntermaßen plant die Regierung, dass rund 250 Millionen Menschen vom Land künftig in neu errichteten Städten leben. Die Folge ist eine umfassende Verstädterung und Modernisierung der Infrastruktur. Wasser- und Abwasserhandlung sowie Kraftwerke werden dringend benötigt. Die Pumpenbranche darf sich also auf lukrative Aufträge freuen – trotz aller Unvorhersehbarkeiten.

Quelle: Pump Seminar & Summit

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