Georg Fischer trotzt der Konjunkturflaute

24.02.2004

Im Verlaufe des Jahres 2003 hat sich kein konjunktureller Aufschwung eingestellt. Von der anhaltenden Flaute besonders stark beeinträchtigt waren GF Machine Tools und das Industriegeschäft von GF Piping Systems.

Bei vergleichbarem Portfolio (ohne die am 1. Oktober 2002 dekonsolidierte Coperion) erreichte Georg Fischer deshalb einen gegenüber Vorjahr praktisch unveränderten Umsatz.

Besonders erfreulich ist, dass GF Automotive den Umsatz entgegen dem Markttrend um 11% steigern konnte. Der Konzern- Betriebserfolg (EBIT) vor Sonderbelastungen liegt mit CHF 96 Mio. um 2 Mio. über Vorjahr (ohne Coperion). Die Währung hat das Ergebnis um CHF 14 Mio. verschlechtert. Die positive EBIT-Entwicklung bei GF Automotive (+45%) und GF Piping Systems (+36%) kompensierte den Betriebsverlust bei GF Machine Tools, der vor allem auf den konjunktur- und währungsbedingten Umsatzrückgang von 13% zurückzuführen ist. Das Strukturprogramm zur nachhaltigen Verbesserung der Ertragskraft und zum Abbau der Nettoverschuldung ist in Umsetzung. Der freie Cashflow stieg auf CHF 161 Mio., und die Nettoverschuldung wurde um CHF 151 Mio. abgebaut. Einmalige Sonderbelastungen in Höhe von CHF 192 Mio. führten zu einem negativen Konzernergebnis von CHF 147 Mio. Der Verlust liegt im vorhergesagten Rahmen. Der Verwaltungsrat beantragt der Generalversammlung, auf eine Dividende zu verzichten.

2003 war für Georg Fischer ein Jahr der Bewährung. Georg Fischer hat in den drei Kerngeschäften GF Automotive, GF Piping Systems und GF Machine Tools in einem schwierigen Marktumfeld ihre Positionen gehalten oder ausgebaut. Im Wachstumsmarkt China wurde mit inzwischen 1224 Mitarbeitenden der Umsatz währungsbereinigt um 20% gesteigert. Die wirtschaftliche Lage der Hauptmärkte hat jedoch dem operativen Geschäft wenig Schub von außen gegeben. Verschiedene Signale deuten darauf hin, dass die Talsohle erreicht ist; nachhaltige Veränderungen sind aber noch nicht spürbar.

Operatives Geschäft.

GF Automotive hat in einem rückläufigen Markt den Umsatz um 11% und den Betriebserfolg (EBIT) um 45% auf CHF 61 Mio. gesteigert und ist in allen wichtigen neuen Fahrzeugen mit Gusskomponenten vertreten, und die Strategie, pro Fahrzeug mehr Georg Fischer Teile zu platzieren, zeigt Wirkung. Die Bereinigung von Produktionskapazitäten wird den Ertrag zusätzlich verbessern. GF Piping Systems hat bei stagnierendem Umsatz dank konsequentem Kostenmanagement eine Verbesserung des EBIT um 36% auf CHF 38 Mio. erwirtschaftet. Das Versorgungsgeschäft hat Umsatz und Ertrag weiter gesteigert; vom Währungs- und Konjunkturtief war vor allem das Industriegeschäft betroffen. Auch hier werden Strukturbereinigungen höhere Erträge ermöglichen. GF Machine Tools musste einen weiteren Rückgang des Marktvolumens verkraften, sodass der Umsatz noch einmal nachgab (um 13%). In den umkämpften Hauptmärkten wurde die führende Position behauptet. Mit wegweisenden Innovationen hat GF Machine Tools ihre Technologieführerschaft auch 2003 unter Beweis gestellt. Die Währung hat den EBIT um zusätzlich CHF 11 Mio. verschlechtert, sodass ein Betriebsverlust von CHF 6 Mio. resultierte. Das Programm zur nachhaltigen Ertragsverbesserung ist auch hier in vollem Gang.

Strukturprogramm.

Früh im Jahr zeigte sich, dass die Besserung der weltwirtschaftlichen Lage nicht eintreten würde. Konzernleitung und Verwaltungsrat leiteten deshalb rasch ein umfassendes Maßnahmenpaket ein, um auch auf dem gegenwärtigen Umsatzniveau angemessene Ergebnisse zu erzielen. Das Strukturprogramm, das am 7. Oktober 2003 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, hat zum Ziel, bis 2005, bei unveränderter Konjunktur, gegenüber 2002 den EBIT nachhaltig um CHF 100 Mio. zu verbessern und die Nettoverschuldung um CHF 300 Mio. zu senken. Alle 12 geplanten Strukturprojekte zur Redimensionierung der Kapazitäten sind kommuniziert, in Umsetzung und teilweise bereits abgeschlossen. Dies führt zur Stilllegung von Werken in allen drei Unternehmensgruppen und zur Verlagerung von Aufträgen an andere Standorte. Diese Maßnahmen werden sozialverträglich durchgeführt. In zwei Fällen konnten durch Teilverkäufe an Stelle von Schließungen einige hundert Arbeitsplätze erhalten werden. Im Weiteren werden zahlreiche zusätzliche Projekte auf der Kostenseite umgesetzt. Von den über 1500 Einzelmaßnahmen des Strukturprogramms ist bereits die Hälfte realisiert. Die Ziele für die Ertragsverbesserung sind realistisch.

Sonderbelastungen.

Die im Rahmen der Strukturprojekte entstehenden Sonderbelastungen haben zwar einmaligen Charakter, beeinflussen aber das Konzernergebnis des Jahres 2003 mit CHF 131 Mio. ganz erheblich. Ein weiterer Sonderaufwand von CHF 61 Mio. entstand durch die Teilamortisation der Goodwill- Position der im Jahre 1999 erworbenen vormaligen Mössner Gruppe. Sie hat im Leichtmetall- ruckgußbereich inzwischen eine ausgezeichnete Position in ihrem Marktsegment errungen und ihren Umsatz seit der Akquisition um fast 50% erhöht. Ihre Erträge haben aber noch nicht das geplante Niveau erreicht, vorwiegend wegen Anlaufkosten für neue Produkte, insbesondere auch solche, die bisher nicht in dieser Technologie hergestellt wurden.

Konzernfinanzierung.

Teil des Strukturprogramms ist auch die Finanzierung des Konzerns und die Reduktion der Nettoverschuldung um CHF 300 Mio. bis Ende 2005, ausgelöst durch die Tatsache, dass Investitionen und Akquisitionen der jüngeren Vergangenheit wegen der konjunkturellen Verschlechterung ab Frühjahr 2001 nicht zum geplanten Payback führten. Ein erster Schritt dazu war die erfolgreiche Platzierung einer nachrangigen Wandelanleihe im November 2003 im Betrage von CHF 152 Mio. Wegen der Nachrangigkeit wird sie von den Kreditmärkten wirtschaftlich als Eigenkapital betrachtet. Der zweite realisierte Schritt ist die Neufinanzierung der Agie Charmilles Gruppe, an der Georg Fischer 80% der Aktien hält. Der neue syndizierte Kredit über CHF 160 Mio. weist eine Laufzeit bis 30.6.2007 auf. Der dritte Schritt, die Verlängerung der Maturitäten bei den Bankverbindlichkeiten von Georg Fischer, ist auf gutem Weg. Zusätzlich sind Devestitionen von Beteiligungen, Firmen und Liegenschaften, die nicht zum Kerngeschäft von Georg Fischer gehören, in die Wege geleitet und teilweise bereits vollzogen worden. Sie werden ebenfalls einen wesentlichen Beitrag zur Reduktion der Nettoverschuldung leisten.

Nettoverschuldung gesenkt.

Im Jahre 2003 wurde ein freier Cashflow von CHF 161 Mio. erzielt. Der EBITDA von CHF 282 Mio. überdeckte die Investitionen in Sachanlagen, die Zinsen und die Steuern. Zusätzlich wurde das Nettoumlaufvermögen erheblich reduziert. Dies führte zu einem Abbau der Nettoverschuldung um CHF 151 Mio., von CHF 1077 Mio. Ende 2002 auf CHF 926 Mio. per Ende 2003.

Konzernergebnis 2003.

Der Konzern schließt 2003 mit einem Verlust von CHF 147 Mio. ab. Darin enthalten sind Sonderbelastungen von CHF 192 Mio. Das Konzernergebnis vor Steuern und Sonderbelastungen beläuft sich auf CHF 50 Mio. (Vorjahr CHF 33 Mio.).

Ausblick 2004.

Georg Fischer wird im Jahr 2004 wieder ein positives Konzernergebnis erzielen. Man rechnet damit, dass ein Teil des Strukturprogramms bereits im laufenden Jahr ertragswirksam wird und dass das Ergebnis kaum mehr durch Einmalkosten aus dem Strukturprogramm beeinträchtigt sein wird. Sollte zudem die Konjunktur eine günstige Entwicklung erfahren, wird das Jahresergebnis 2004 zusätzlich verbessert.

Die im Jahr 2003 erfolgten Wechsel an der Führungsspitze sichern die Kontinuität des Unternehmens und haben gleichzeitig der notwendigen Erneuerung zusätzliche Dynamik verliehen.

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