Die Energiewende als Herausforderung und Chance für die SHK-Branche

09.03.2012

Mehr als 700 Teilnehmer aus ganz Deutschland konnten die Veranstalter der „SHK-Handwerkertage 2012“ am 2. und 3. März im Maritim-Congress Center in Dresden begrüßen.

Die Energiewende als Herausforderung und Chance für die SHK-Branche

Alf Bauer, Vertriebsleiter Ost der Wilo SE (Mitte), nutzte die Begleitausstellung im Rahmen der SHK-Handwerkertage in Dresden zum fachlichen Austausch mit den Teilnehmern. (Foto: Wilo)

Damit war die jüngste Auflage der von Wilo initiierten und geleiteten Vortragsveranstaltung zugleich eines der größten je von der deutschen SHK-Industrie organisierten derartigen Branchenevents. Die Teilnehmer erlebten in der sächsischen Landeshauptstadt einen intensiven Erfahrungsaustausch mit Branchenkollegen und Herstellern sowie ein Rahmenprogramm der Spitzenklasse. Hochkarätige Referenten zeigten aktuelle Herausforderungen und Chancen für die SHK-Branche auf. Im Mittelpunkt stand die Energieeffizienz in der Gebäudetechnik – auch und gerade angesichts der von der Bundesregierung ausgerufenen Energiewende. Veranstaltungspartner waren die Hersteller Oventrop, Reflex, Rehau, Stiebel Eltron und Zehnder.

Grußwort des Fachverbandes SHK Sachsen

Herbert Reischl, Landesinnungsmeister des Fachverbandes Sanitär Heizung Klima Sachsen, ging in seinem Grußwort zunächst auf die gute Konjunkturlage des SHK-Fachhandwerks ein: „Der Auftragsbestand liegt wie schon im Frühjahr und Sommer des Jahres bei rund acht Wochen. Das ist ein Höchstwert seit 1999“, so Reischl. Für den Geschäftsverlauf erwarte der ZVSHK auch in den kommenden Monaten einen positiven Trend. Gleichwohl wies der Landesinnungsmeister auf eine wichtige politische Forderung hin, die bislang im Bundesrat gescheitert sei: „Die steuerliche Absetzbarkeit energetischer Sanierungsmaßnahmen ist unserer Meinung nach für das Erreichen der Klimaziele zwingend notwendig. Wir brauchen jetzt eine positive Entscheidung, damit für die privaten Investoren, aber auch für das Handwerk Planungssicherheit entsteht.“ Mit Blick auf die Handwerkertage 2012 hob Reischl die gute Zusammenarbeit der SHK-Verbandsorganisation mit den Organisatoren der Veranstaltung hervor. Wilo unterstütze die Handwerksunternehmen in vielen Bereichen – unter anderem gemeinsam mit Oventrop und dem ZVSHK bei der Software „ZVPLAN“.

Die Energiewende – Auswirkungen auf das SHK-Handwerk

Wie das SHK-Fachhandwerk der Energiewende in Deutschland auch schon vor dem Inkrafttreten neuer Gesetze und Verordnungen neue Impulse geben kann, erläuterte Peter Stamm, Vertriebsleiter Deutschland, Österreich, Schweiz bei Wilo: „Ab dem 1. Januar 2013 dürfen Umwälzpumpen, die nicht den Mindestanforderungen der Ökodesign-Richtlinie entsprechen, in Europa von den Herstellern nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Doch schon jetzt ist der vorfristige Pumpentausch ein hervorragendes Vermarktungsthema“, so Stamm. Die kommende EU-Verordnung für Nassläufer-Umwälzpumpen unter der europäischen Ökodesign-(ErP-)Richtlinie sorge dafür, dass der Markt für diese Produktgruppe vor einem kompletten Umbruch in Richtung Hocheffizienz stehe. „Damit ist klar, dass man sich bereits jetzt und nicht erst im Jahr 2013 mit dieser wichtigen Neuerung im Markt beschäftigen muss! Bis zu 40 Millionen dieser ‚Stromfresser‘ sind noch in deutschen Gebäuden vorhanden. Immobilienbesitzer werden immer mehr über die Vorteile von Hocheffizienzpumpen informiert.“ Parallel trage eine neue Marketingkampagne des ZVSHK und des DG Haustechnik unter dem Motto „Warum warten“ dazu bei, das SHK-Fachhandwerk für den vorgezogenen Pumpentausch zu motivieren und seine Kunden von erheblich reduzierten Energiekosten profitieren zu lassen.

Produktseitig – so der Wilo-Vertriebsleiter – sind die Weichen längst gestellt. Die neueste Generation bei Wilo-Hocheffizienzpumpen ist bereits jetzt „ErP-ready“ und erfüllt schon heute alle zukünftigen Grenzwerte. „Wenn alle verbliebenen ungeregelten Pumpen nur in deutschen Wohngebäuden ausgetauscht würden, könnte die Jahresleistung eines Atomkraftwerkes oder von vier konventionellen Kohlekraftwerken eingespart werden“, so Stamm.

Praxis schlägt Theorie – Fallstudie zu Wilo-Geniax

Dass die Praxis der Theorie durchaus erheblich überlegen sein kann, präsentierte Stamm anschließend am Beispiel des Dezentralen Pumpensystems „Wilo-Geniax“. In einer Fallstudie der Chalmers University of Technology, Schweden, erreichte „Wilo-Geniax“ Einsparungen von 70 Prozent beim Pumpenstrom und rund 50 Prozent bei der Heizenergie. Hierfür hatten die Wissenschaftler ein System mit 20 Heizkörpern in einem typischen schwedischen Bürogebäude in Göteborg untersucht. „Die Vorteile des Dezentralen Pumpensystems wie reduzierte Leistungsaufnahme für die Pumpen und individuelle Bedarfsorientierung, basierend auf dem individuellen Wärmebedarf zeigen sich in der schwedischen Studie. Auch die verbesserte Möglichkeiten der Optimierung von Wärmeenergie und Volumenstrom ohne zusätzliche Pumpenarbeit stellte ‚Wilo-Geniax‘ im Praxistest in Schweden eindrucksvoll unter Beweis“, so Stamm. Ein weiterer Vorteil sei, dass kein manueller hydraulischer Abgleich mehr erforderlich ist und die Strangregulier- und Thermostatventile entfallen.

Das Handwerk ist „offizieller Ausrüster der Energiewende“

„Das Handwerk ist und bleibt überzeugt, dass die Energiewende eine Chance für die Wirtschaft, für das Klima und für den Innovationsstandort ist“, so lautete die Kernbotschaft von Otto Kentzler, dem Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH). Wie er weiter ausführte, sorgen 450.000 Handwerksbetriebe mit 1,5 Mio. Mitarbeitern in 30 Gewerken für energieeffiziente Häuser, intelligente Netze und moderne Energiedienstleistungen. Sie bringen – so der ZDH-Präsident – ihr praxisorientiertes und lösungsorientiertes Know-how vor Ort bei den Kunden ein und besetzen die wichtigen Schaltstellen zwischen Industrie und Verbraucher. „Selbstbewusst reklamiert das Handwerk für sich, ‚offizieller Ausrüster der Energiewende’ zu sein“, gab Kentzler den Teilnehmern der SHK-Handwerkertage mit auf den Weg. Die Energiewende sei allerdings kein Selbstläufer: „Sie muss zu einem Gemeinschaftsprojekt werden, bei dem Bund und Länder an einem Strang ziehen.“ Die Politik habe alles zu tun, um die Investitionsbereitschaft und das Investitionstempo zu erhöhen. Verlässlichkeit, Wirtschaftlichkeit und Effizienz der Maßnahmen seien dabei oberstes Gebot.

Hydraulischer Abgleich von Heizungsanlagen und Energieeffizienz

Wie sich in vorhandenen Heizungsanlagen schon allein durch den hydraulischen Abgleich Effizienzverbesserungen erzielen lassen, verdeutlichte Uwe Kluge, Energieberater bei der Sanea – Sächsische Energieagentur GmbH: „Der hydraulische Abgleich trägt dazu bei, die Energiekosten erheblich zu reduzieren und eine gute Regelbarkeit der Heizungsanlage zu gewährleisten“, so Kluge. Das Aufwand-Nutzen-Verhältnis falle häufig günstiger aus als bei der aufwändigen Sanierung der Gebäudehülle. Sein Vortrag beleuchtete die strömungstechnischen Grundlagen in Heizungsanlagen und die Notwendigkeit des hydraulischen Abgleichs. Den anwesenden Fachhandwerkern präsentierte Kluge die Durchführung und die Ergebnisse im Hinblick auf unterschiedliche Anlagenbeispiele.

Mittelstand als unverzichtbarer Ort von Innovationen

Als prominenter Gastredner eröffnete Prof. Dr. Kurt Biedenkopf, von 1990 bis 2002 Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, den zweiten Tag der Veranstaltung. Er hob den wichtigen Beitrag von mittelständischen Unternehmen auch des Handwerks bei Innovationen hervor: „Die Zusammenarbeit vieler selbständiger Köpfe entwickelt sich in kleinen und mittleren Unternehmen leichter, formloser und – vor allem – weniger bürokratisch“, so Prof. Biedenkopf. Auch könnten mittelständische Unternehmen in der Regel schneller auf veränderte Marktbedingungen reagieren – schon um im Wettbewerb bestehen zu können. Er appellierte daher an die Wirtschaftspolitik, sich bei der Gestaltung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen vorrangig an den Aufgaben und Bedürfnissen dieser Unternehmen zu orientieren: „Sie sind die eigentlichen Träger einer erfolgreichen Wirtschaft: in der Beschäftigung, in der Ausbildung und in der Innovation“, unterstrich der frühere Landesvater.

Handwerkermarken – Vorteile im Gewährleistungsfall

Wichtige Empfehlungen zur Gewährleistung gab Dr. Hans-Michael Dimanski, Geschäftsführer des Fachverbandes SHK Sachsen-Anhalt. In seinem Vortrag verdeutlichte der Jurist, wann überhaupt ein Gewährleistungsfall vorliegt, welche Abgrenzungen zur Garantie beachtet werden müssen, wie mit unberechtigten Mängelanzeigen umgegangen werden kann und welche Rolle der Abnahme im Baurecht beizumessen ist. Seine Empfehlung: „Mit dem System der Handwerkermarke steht exklusiv für Innungsmitglieder ein Vorteilspaket bereit, das insbesondere im Gewährleistungsfall bedeutende Vorteile bringt.“ Industriepartner der Handwerkermarke seien unter anderem die Veranstalter der SHK-Handwerkertage 2012. „Die Nutzung der Handwerkermarken kann im Gewährleistungsfall eine Lebensversicherung für die Firma darstellen“, so Dr. Dimanski.

Abrundung durch Infotainment und Rahmenprogramm

Der Austausch unter den Teilnehmern beschränkte sich nicht nur auf fachliche Themen: Weitere Höhepunkte des Programms waren die „streng physikalische“ Analyse des Kinofilms „Titanic“ durch den bekannten Dortmunder Professor für Experimentelle Physik und Buchautor Dr. Metin Tolan und ein Abendprogramm der Extraklasse. Unter dem Strich stand die Erkenntnis, dass die von der Bundesregierung ausgerufene Energiewende – ob mit oder ohne zusätzlichen „Rückenwind“ durch die Politik – ein zunehmend wichtiges Thema für die Marktbearbeitung und den Geschäftserfolg des SHK-Fachhandwerks ist. Hersteller wie der Dortmunder Pumpenspezialist Wilo und seine Veranstaltungspartner bei den SHK-Handwerkertagen bieten dabei neben hocheffizienten Produkten und Lösungen für die Gebäudetechnik auch eine Vielzahl bedarfsgerechter Leistungen, um die Handwerksbetriebe bei ihren komplexen Aufgabenstellungen zielgerecht und zuverlässig zu unterstützen, damit die „Ausrüster der Energiewende“ Zukunft nachhaltig gestalten können.

Quelle: WILO SE

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