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06.12.2017

Wilo Wassertage am Adlersberg 4.0

Hochkarätig besetztes Fachsymposium am Adlersberg an zwei Tagen mit annähernd 300 Teilnehmern (Foto: Wilo)

Nach den sehr erfolgreichen drei Tagungen im Jahre 2007, 2011 und 2014 fanden vom 20. bis 21. September 2017 die „Wilo Wassertage am Adlersberg 4.0“ statt. Das zweitägige Fachsymposium, das auf dem Adlersberg in der Nähe von Regensburg ausgerichtet wurde, spricht vor allem Entscheider aus der Wasserver- und Abwasserentsorgung an.

Aber auch Ingenieure und Fachplaner sowie Vertreter von Umweltbehörden und Hochschulen waren als Teilnehmer vertreten. Namhafte Referenten informierten die knapp 300 Teilnehmer über Neuerungen in der Wasser-wirtschaft mit Blick auf Wasser 4.0. Dabei stand der erste Tag der Veranstaltung im Zeichen der Trinkwasserversorgung. Der zweite Tag war dem Abwassertransport und der -behandlung gewidmet. Neben interessanten Vorträgen bot das Symposium auch viel Gelegenheit für einen regen Austausch zwischen den Teilnehmern.

Der Trinkwassertag

Die Eröffnung der Veranstaltung übernahm Marcus Neppl, Vertriebsleiter Water Management-DACH der WILO SE. Er stellte die WILO SE und den WILO EMU Anlagenbau als Veranstalter der WILO Wassertage vor und gab einen Ausblick auf die bevorstehenden zwei Tage.

Kommunale Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungs¬systeme sind komplexe Anlagen. Sie müssen nicht nur äußerst zuverlässig arbeiten, sondern über ihre gesamte Lebensdauer auch einen möglichst wirtschaftlichen und umweltfreundlichen Betrieb gewährleisten. Vor diesem Hintergrund zeigten Experten aus Wasser- und Abwasserwirtschaft sowie aus Forschung und Umweltpolitik aktuelle Möglichkeiten und Perspektiven nachhaltiger Wasserversorgung und Abwasserreinigung auf. Auf dem Programm standen unter anderem geeignete Strategien zur Steigerung der Energieeffizienz und Anlagenoptimierung wie auch Hinweise zu Anlagenplanung und -auslegung. Ein Schwerpunkt im Abwasserbereich waren dieses Jahr die Feuchttücher im Abwasser.

Die Organisation führte die WILO SE, Werk Hof gemeinsam mit dem WILO EMU Anlagenbau durch.

Die WILO SE ist einer der weltweit führenden Premiumanbieter von Pumpen und Pumpensystemen für die Gebäudetechnik, die Wasserwirtschaft und die Industrie. Wir setzen als Innovationsführer neue Standards und bieten unseren Kunden maßgeschneiderte Produkte mit hohem Systemwirkungsgrad und maximaler Energieeinsparung. Mit smarten Lösungen, die Menschen, Produkte und Services miteinander verbinden, ist die Wilo Gruppe auf dem Weg, der digitale Pionier der Branche zu werden. Hinter dem Unternehmen stehen weltweit rund 7.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Der bayerische Standort Hof ist hauptsächlich für Produkte – aus dem Bereich Watermanagement verantwortlich. Damit ist Hof die zentrale Drehscheibe im Segment Water Management. Mit über 500 Mitarbeitern produziert die WILO SE, Werk Hof ein umfassendes Sortiment von Pumpen und Systemen für die öffentliche Wasserversorgung, Abwasserentsorgung und Klärwerktechnik. Die Produktpalette reicht von Unterwassermotorpumpen mit einer Leistung von unter einem Kilowatt bis hin zu mehreren hundert Kilowatt. Innovative Technologien zur Erreichung maximaler Wirkungsgrade und damit beste Energieeffizienz ist eine der markantesten Eigenschaften der Wilo-Produkte. Anspruchsvolle, individuelle sowie standardisierte Lösungen werden hier projektiert, gefertigt und montiert. Im Bayerischen Raum steht durch den WILO EMU Anlagenbau mit 53 Mitarbeitern ein Partner zur Verfügung, der komplette Anlagen in der Wasserversorgung montiert und anschließt.

Herr Neppl beendete seine Eröffnungsrede mit einem Film über das neu entstehende Werk der WILO SE in Dortmund.

Wie auch im Jahr 2014 folgte eine kurze Begrüßungsrede der Landrätin des Landkreises Regensburg, die sich immer wieder freue, wenn Veranstaltungen zu solch wichtigen Themen in Ihrem Landkreis abgehalten werden. Außerdem bezeichnete Sie Ihren Besuch am Adlersberg als „Herzenssache“, da Sie in der Nachbargemeinde aufgewachsen sei.
Nach der Begrüßung durch Dipl.-Kauffrau Tanja Schweiger, leitete Mario Hübner, WILO SE, der auch die Veranstaltung moderierte, an den Vorstandsvorsitzenden der REWAG AG & Co. KG Diplom-Ökonom Olaf Hermes weiter, der den ersten Fachvortag hielt.

Trinkwasserverfügbarkeit im Raum Regensburg - Heute schon an morgen denken

Die Trinkwasserverfügbarkeit muss auch in Zukunft das Zieldreieck Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit erfüllen, so Olaf Hermes. Dabei gelte es, ‎die Chancen der heutigen Verfügbarkeit zu nutzen und die dezentrale Erzeugung intelligent zu vernetzen.

Er ging auf die Wassergewinnungsanlagen Sallern und Oberer Wöhrd mit durchschnittlich 28.000 Kubikmetern Trinkwasser pro Tag ein. Dabei stammen 80 Prozent des Trinkwassers aus Sallern, 20 Prozent kommen von der Anlage am Oberen Wöhrd. Zwölf Hochbehälter mit einem Speichervolumen von 36.700 Kubikmetern sorgen dafür, dass Tag und Nacht ausreichend Trinkwasser zur Verfügung steht. Auch einem Jahrhunderthochwasser halten die Wassergewinnungsanlagen der REWAG stand. Die aktuelle Studie Wasserversorgungsbilanz Oberpfalz bescheinigt der REWAG eine hohe Trinkwasserqualität und Versorgungssicherheit im Normalbetrieb. Trotzdem werden weitere tragende Säulen zur Stützung der Versorgungssicherheit erarbeitet. Potenzial für die Region sieht der REWAG-Vorstandsvorsitzende Olaf Hermes darin, durch die Vernetzung aller Daten die Trinkwasser-verfügbarkeit auch morgen bestens zur Verfügung zu stellen. Die vorliegende Wasserversorgungsbilanz der Regierung der Oberpfalz mit der Entwicklungsprognose bis 2025 unterstreicht diesen Ansatz.

Einsatz von Sperrohren bei Trinkwasserbrunnen

Es folgte der Fachvortrag von Dr. Werner Knorr (Ingenieurbüro Dr. Knorr GmbH) der über den Einsatz von Sperrohren bei Trinkwasserbrunnen berichtete.

Für Tiefbrunnen die mehrere oder durch Deckschichten geschützte Grund-wasserstockwerke erschließen sind besondere Anforderungen hinsichtlich der Oberwasserabdichtung zu stellen. Während dies in Norddeutschland bevorzugt durch eine Abdichtung zwischen Bohrlochwand und Ausbau erfolgt, ist im süddeutschen Raum der Einsatz von Sperrohren vorgeschrieben.

Sperrohre gewähren dem Grundwassersystem einen nachhaltigen Schutz und bieten technische Vorteile, welche die zunächst höheren Baukosten langfristig kompensieren. Bei der Erstellung ist auf einen hohen technischen Standard zu achten, um nachteilige Auswirkungen langfristig auszuschließen. Dieser hohe technische Standard ist in der Vergangenheit nicht immer eingehalten worden. Insbesondere bei älteren Tiefbrunnen werden zunehmend defekte Sperrohre beobachtet, die aufwendig saniert werden müssen, so Dr. Knorr. Die Sanierung undichter Sperrohre ist mit hohen Kosten verbunden.

Energieeffizienz in der Wasserwirtschaft mit Ausblick auf Wasser 4.0

Herr Mario Hübner hielt neben der Moderation auch einen Fachvortag am Trinkwassertag. Er sprach über „Die Energieeffiziente Wasserförderung mit nass- und trockenaufgestellten Pumpaggregaten“ Er sagte, dass es eine der zukünftigen Herausforderungen der Wasserwirtschaft, global sowie in D-A-CH, sein wird Versorgungs- und Entsorgungsprozesse energetisch zu optimieren oder neue energieeffiziente Systeme aufzubauen. Der Einsatz von Frequenzumformern (FU’s), der Austausch von Pumpen und Motoren (teilweise mit höheren Energieeffizienzklassen, in Anlehnung der IEC 60034-30-1 / (-2) Klasse IE 3 bis IE 5) und der Einsatz ganz neuer und optimal ausgelegter Pumpensysteme mit Sonderbeschichtungssystemen werden daher in Zukunft unumgänglich. Hübner stellte in seinem Vortrag die erfolgreiche Baureihe, „Wilo-Zetos K8“ vor. Diese gibt es in der Werkstoffausführung 1.4408 und 1.4517 mit wahlweise angebauten Permanentmagnetmotoren und hohen Aggregatswirkungsgraden. Die Synchronmotoren welche unbedingt einen FU im Betrieb benötigen, werden heute aus dem Hause WILO mit 8 Zoll Motoren bis 150 kW angeboten.

Für den 10-Zoll Bereich soll auf der IFAT 2018 die neue Wilo-Zetos K10 vorgestellt werden.

Während seiner Ausführungen wurde deutlich, dass Unterwassermotor-pumpen mit hohen Wirkungsgraden (eingebaut im Druckmantel für Trockenaufstellung) wieder energieeffizienter und interessanter werden. Aber auch Normmotoren mit Kreiselpumpen finden Beachtung.

Über ein Wirtschaftlichkeitsprogramm verdeutlichte Hübner die Möglichkeiten der Einsparung von Kosten und die Amortisationszeit neuer Aggregate für den Kunden. Er zeigte die Vorteile von Ceram CT, der Beschichtung zur Wirkungs-gradsteigerung mit der UBA und DVGW W 270 Zulassung und die Antihaft-beschichtung Ceram CP.

Am Ende seines Vortrages sprach er die Digitalisierung an. Sie hat einen starken Einfluss auf Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. Zugleich ist sie Innovationsmotor der Zukunft, indem sie neue Geschäftsmodelle schafft und den Unternehmen ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Eine Studie zu diesem Thema ist die SmaDiWa – Smarte Digitalisierung in der Wasserwirtschaft, die aktuell an der Hochschule Hof läuft und von der wilofoundation unterstützt wird. Gemeinsam mit Frau Prof. Dr. Wimmer (Hochschule Hof) wurde im Oktober 2017 ein Fachartikel dazu in der wwt veröffentlicht.

Schutz hydraulischer Systeme vor Luftansammlungen, Unterdruck und Druckstoß

Dipl.-Ing. Bernd Husemann, Geschäftsführer der Airvalve Control referierte über das Thema „Schutz hydraulischer Systeme vor Luftansammlungen, Unterdruck und Druckstoß“. In seinem Vortrag ging es darum, dass ein effizienter Betrieb von Druckleitungen Vollfüllung voraussetzt. So gilt es, Luftansammlungen durch fachgerechte Planung zu vermeiden, weil diese den Strömungswiderstand erhöhen und zugleich eine Verkeimungsgefahr für Trinkwasserleitungen darstellen. Das produktneutrale Referat von Airvalve verdeutlichte im Weiteren die Ursache und Wirkung dynamischer Druck-änderungen, sowie die Gefahren von Unterdruck und Druckstoß an diversen Praxisbeispielen mit Darstellung der physikalischen Hintergründe. Dieses Thema präsentierte er, wie so oft, mit seiner ganz besonders mitreißenden Vortragsweise.

Elektronische Drehzahlregelung – Energieeinsparung durch Frequenzumrichter

Nach der Mittagspause knüpfte Dipl.-Ing. Peter Leinberger von Danfoss Drives an die Vortragsreihe an. Sein Referat beschäftigte sich intensiv mit Frequenzumformern. Um Energie einzusparen, ist es wichtig die Prozesse zu optimieren. Energieeffiziente Motoren tragen ihren Teil dazu bei, aber gerade Frequenzumrichter, mit all ihren Risiken und Nebenwirkungen sind ein entscheidender Faktor bei dieser Aufgabe. Der Vortrag erläuterte wie FU´s im Zusammenspiel mit energieeffizienten Antrieben dieses Ziel erreichen können.

Außerdem wurden Lösungen zum Thema Industrie 4.0 der Firma Danfoss aufgezeigt.

Industrie 4.0 – Was machen wir damit in der Wasserwirtschaft

Frau Dr.-Ing. Ilka Teermann knüpfte an das Thema „Industrie 4.0 an und stellte die Frage in den Raum: „Was machen wir damit in der Praxis der Wasserversorgung?“

Sie erläuterte Hintergründe und Ziele sowie die grundsätzlichen Anwendungs-felder von Industrie 4.0 und den Voraussetzungen für die Installation von Digitalisierungssystemen. Weiterhin referierte Sie über den „Trianel“-Ansatz, die Grundsätze der Automatisierung und den Nutzen von Industrie 4.0 in der der Wasserversorgung. Sie ging auch auf die Konsequenzen für bestehende Systeme (und Organisationen) sowie den Nutzen über die Produktions-optimierung ein.

Mikrobielle Brunnenverockerung – Was nun?

Nach einer kurzen Pause stellte Prof. Dr. Ing. Thomas Grischek von der Hochschule Dresden zum Abschluss des Tages die neuesten Forschungsergebnisse vor.

Die HTW Dresden untersuchte im Rahmen des BMBF-Verbundvorhabens „Mikrobielle Verockerung in technischen Systemen“ (Koordination Prof. Szewzyk, TU Berlin) die Entstehung und Vermeidung der Brunnen-verockerung. Verockerungen in Brunnen entstehen z. B. durch die Ver-mischung unterschiedlicher Grundwässer im Brunnen und Brunnennahraum. Bereits geringe Konzentrationen gelösten Sauer¬stoffs von < 0,1 mg/L im Grundwasser können bei gleichzeitigem Vorhandensein von gelöstem Eisen Verockerungen in z. B. Brunnenfilterschüttungen, Brunnenfilter¬schlitzen und an Unterwassermotorpumpen führen. Die potenziell ungünstige Mischung verschiedener Wässer im Brunnen kann nur durch detaillierte Standort-erkundung und konstruktive Maßnahmen, z. B. Anpassung der Filtertiefen und Filterlängen oder den Einbau mehrerer Pumpen in unterschiedlichen Tiefen, vermieden bzw. verringert werden.

Durch Verockerungen an den technischen Elementen eines Bohrbrunnens kommt es zur Leistungsabnahme bei der Grundwasserförderung. Um die Leistung von Brunnen wieder zu verbessern, werden mechanische und chemische Regenerierungen durchgeführt, die selten zu einer vollständigen Wiederherstellung der Anfangs¬leistungsfähigkeit führen. Die Auswahl des optimalen Regenerierverfahrens kann durch die zusätzliche Analyse von Feststoffproben aus dem Brunnen unterstützt werden. Für die tiefen-orientierte Beprobung weicher und harter Ablagerungen wurde ein Brunnen-Belag-Sammler für Ausbaudurchmesser von DN 150 - 600 entwickelt.

Zur Untersuchung der Verockerungsprozesse in der Filterschüttung wurden mit Filtersand gefüllte Säulen durch Spülen mit echtem Grundwasser verockert und anschließend mechanisch und chemisch regeneriert. Dabei erfolgte eine mikrobiologische Besiedlung des Filtersandes und starke Entwicklung eines Biofilms bei jedem Versuch innerhalb weniger Wochen. Die meisten im Grundwasser nachgewiesenen Bakterienstämme waren auch im Biofilm des verockerten Filtersandes zu finden. Es gab also nicht „den“ verantwortlichen und zu bekämpfenden Bakterienstamm. Die chemische Regenerierung beeinflusste die Häufigkeiten der Bakterienstämme, jedoch nicht die Diversität. Regenerierungen hatten nur geringen Einfluss auf die Bakteriendichte. Durch eine Vorbehandlung des Filtersandes startete die Verockerung nur leicht verzögert, breitete sich aber langsamer aus und war mittels chemischer Regenerierung leichter entfernbar.

Die Komplexität der an der Brunnenverockerung beteiligten hydraulischen, chemi¬schen und mikrobiologischen Prozesse sowie betriebliche Einfluss-faktoren stellen eine große Herausforderung für die optimale Planung, den Bau und Betrieb von Brunnen dar. Im Vortrag ging es dabei auch um Brunnen als Individuen, unliebsame Begegnungen mit Leptothrix, falsche Hoffnungen des Ingenieurs und den Gedanken an 4.0.

Im Anschluss an das Vortragsprogramm des ersten Tages folgte eine Podiumsdiskussion zu allen Themen des Tages.

Nach Tagungsende luden die Veranstalter zu einer klassischen Stadtführung in Regensburg ein. Patrizier, Bürger, Bischöfe und Handwerker, Dämonen und Heilige prägten die Stadtgeschichte von Regensburg. Die Teilnehmer wurden zu den großen und kleinen Sehenswürdigkeiten, einer der bedeutendsten Städte des Mittelalters geführt und ihnen wurden die steinernen Zeugen der Vergangenheit präsentiert. Die Führung hatte den Schwerpunkt Trinkwasser und Brunnen in der Altstadt, die Stadtführer begleiteten uns zwei Stunden und standen für alle Fragen zur Verfügung. Mit einem gemütlichen Abendessen ließ man den Tag ausklingen.

Der Abwassertag

Tag zwei der Wilo Wassertage am Adlersberg stand unter dem Schlagwort „Abwasser“. In der Eröffnungsrede von Marcus Neppl, Vertriebsleiter Water Management-DACH, WILO SE ging es um die Megatrends und Zukunftspotenziale der Wasserwirtschaft. Auch das Projekt Wilo Campus 2020 Dortmund kam nochmal zur Sprache. Im Anschluss übergab Neppl das Mikrofon an Herrn Prof. Günthert für den ersten Fachvortrag.

Herausforderungen für das Gesamtsystem der Abwasserbeseitigung

Univ.-Prof. Dr.-Ing. F. Wolfgang Günthert bezeichnete die Abwasserbeseitigung als einen sehr wichtigen und wertvollen Teil unserer urbanen Infrastruktur, die zwei wichtige Funktionen hat: die Sicherstellung von guten, hygienischen Zuständen und den Überflutungsschutz für Niederschlagswasser.

Hierzu müssen die Abwassersysteme dicht, leistungsfähig und vollständig sein. Das Gesamtsystem der Abwasserbeseitigungen besteht aus vielen, verschiedenen Anlagen und Bauteilen und wird i. d. R. für mehrere Jahrzehnte Nutzungsdauer ausgelegt. Darin liegt die größte Herausforderung. Einerseits unterliegt das System vielen Einwirkungen und verändert dadurch seinen baulichen Zustand. Andererseits bewirken Klimawandel und Demographie veränderte Randbedingungen, an die das System angepasst, verändert oder saniert werden muss. Bevölkerungsdruck in Ballungsräumen wie München, Nürnberg oder Regensburg und Bevölkerungsabnahme im Norden Bayerns erfordern von den Kanalnutzbetreibern weitblickende Anpassungsmaßnahmen, ebenso wie Starkregen und lange Trockenwetter-perioden. Dazu kommen neue Abwasserschadstoffe, Chemikalien, Arznei-mittel, u. a. sogenannte anthropogene Spurenstoffe, sowie Feuchttücher, die neue Behandlungsstufen erfordern können oder auch den Betrieb erschweren.

Um hierauf vorbereitet zu sein, sind aktuelle Generalentwässerungspläne mit Regenwassermanagement, Überflutungsnachweisen, Schwefelwasserstoff-bilanzierungen, Kanalzustandsbewertungen und hydraulischen Nachweisen erforderlich, die mit der Bauleitungsplanung und Baugenehmigung abgestimmt sind. Prof. Günthert fasst zusammen: Die Siedlungsentwässerung heute muss mehr denn je mit allen anderen Planungsträgern abgestimmt sein, um gemeinsam die wichtigen Schutzfunktionen erfüllen zu können.

Das Drei – Säulen – Konzept im Abwasser

Abwasserpumpen mögen keine Feuchttücher! Oder doch? – Wenn es die richtigen sind! – So begann Mario Hübner (WILO SE) seinen ersten von zwei Vorträgen an diesem Tag über das Drei-Säulen-Konzept im Abwasser.

Die erste Säule stellt die verschiedensten Laufräder dar. Wann sollte welches Laufrad eingesetzt werden? Reichen die Standardlaufräder aus? Gerade heute bei immer problematischeren Abwässern müssen oft sogar Freistromrad-pumpen modifiziert werden. Man verändert die Schaufelgeometrie der Räder und verkleinert zusätzlich die Drall Räume der Pumpen, um mit höheren Geschwindigkeiten zu arbeiten. Trotzdem müssen in manchen Fällen zusätzliche Mazeratoren zum Einsatz gebracht werden.

Unter der zweiten Säule steht die Intelligenz von Maschinen. Neue Aggregate werden mit intelligenter Sensorik ausgerüstet, um elektronische Reinigungssequenzen, nach gewissen Algorithmen zu fahren. Dadurch sollen Verstopfungen von Pumpen rechtzeitig erkannt werden. Glaubt man einer Studie, soll der globale Markt für Steuerungs- und Überwachungslösungen im gesamten Wassersektor bis 2016 21,3 Milliarden Dollar ausgegeben haben. Der Wert soll auf über 30 Milliarden in 2021 steigen.

Den Schwerpunkt des Vortrages legte Hübner in die dritte Säule – Feuchttücher. Feuchttücher bereiten in Bezug auf Verstopfungen immer größere Probleme in der Wasserwirtschaft. Durch die vermehrte Verwendung von Feuchttüchern steigen aktuell die Wartungskosten in deutschen Pumpwerken um 8% jährlich und werden in einigen Jahren auf über 600 Millionen Euro pro Jahr ansteigen. Wenn sich hier nichts ändert müssen also die Gebühren für den Endverbraucher angepasst werden. Man spricht von ca. 10%.

Allerdings hat die Firma Fibres aus Kelheim eine Lösung: Feuchttücher, die sich von alleine in kürzester Zeit auflösen. Im WILO Werk in Hof wurde gemeinsam mit der Firma Kelheim Fibres eine Versuchsreihe über das Auflöse-Verhalten von normalen Feuchttüchern, den „neuen“ Feuchttücher und handelsüblichen Toilettenpapier in den verschiedenen Laufrädern durchgeführt.

Während des Vortrages kam Herr Horst Wörner, Kelheim Fibres GmbH auf die Bühne. In seinem Impulsvortrag ging er auf die verschiedenen Fasertypen und deren Eigenschaften ein. Dabei benannte er insbesondere die Vorteile der zersetzbaren Faser Viloft® im Bereich des feuchten Toilettenpapiers. Danach gab er das Wort an Herrn Hübner zurück. Er zeigte dann, dass durch den Einsatz von innovativen zersetzbaren Feuchttüchern Wartungskosten von Pumpwerken um über 50% reduziert werden. Dies würde bereits heute in den deutschlandweiten Abwasserverbänden fast 200 Millionen Euro pro Jahr einsparen. Die Abwasserumlagen in Deutschland könnten so um 4% angepasst werden. Herr Hübner wie Herr Wörner haben in diesem Jahr auf einigen DWA-Tagungen darüber gesprochen und einen gemeinsamen Artikel unter anderem in der wwt veröffentlicht.

Herausforderungen des Abwassertransports durch Feuchttücher

Nach einer Pause war Prof. Dr. Ing. Paul Uwe Thamsen von der Technischen Universität Berlin geplant, da er leider an diesem Tag verhindert war übernahm seinen Vortrag sein Stellvertreter Dr.-Ing. Sebastian Wulff. Er erklärte, dass die urbane Abwasserinfrastruktur ein System ist, auf das stets unterschiedliche Veränderungsdrücke wirken. Neben der grundlegenden Funktionserfüllung, die zuverlässige Abwasserableitung aus Einzugsgebieten, muss die Infrastruktur so immer weiterentwickelt und angepasst werden.

Eine Herausforderung mit den Betreibern von Abwassersystemen aktuell konfrontiert sind, ist die Veränderung der Faser-/Feststoffzusammensetzung im Abwasser durch Entwicklung neuer Materialien und Gebrauchsutensilien sowie dem Verbraucherverhalten hinsichtlich Benutzung der Toilette.

Das Verhalten des Verbrauchers hat sich dahingehend verändert, dass für verschiedene Aufgaben und Bereiche im Haushalt zunehmend Einwegtücher verwendet werden (Babytücher, Gesichtsreinigung/ Kosmetik, Desinfektion, Putzen/Staub wischen, um nur einige Beispiele zu nennen), die fälschlicher-weise zunehmend über die Toilette entsorgt werden. Diese Tücher bestehen (zumindest zum Teil) aus synthetischen Vliesstoffen, die reißfest sind, sich nicht zersetzen und sich so im Laufe des Abwassertransportes verspinnen und verknoten können und dadurch zu Verstopfungen von Pumpen und zum Totalversatz von Rechenanlagen führen können.

Die Abwasserbetreiber finden diese Vliestücher aus Haushalten zunehmend bei Probenahmen an verschiedenen Stellen im Abwassersystem, so z.B. im Kanal, in der Schwimmdecke im Saugraum von Pumpstationen und in Materialansammlungen aus Pumpenverstopfungen.

Auch auf europäischer und internationaler Ebene sind die Vliestücher eine große Herausforderung für Abwasserbetreiber – so Wulff.

Betrieb von Abwasserpumpstationen bei HAMBURG WASSER

Im Anschluss informierte Michael Rix, von Hamburg Wasser über die Pumpstationen seines Arbeitgebers. In einem Unternehmen wie HAMBURG WASSER sind Pumpenanlagen für die Sicherstellung der Betriebsabläufe unerlässlich. Sie sind für die Erzeugung und den Transport des Trinkwassers wie auch für den Abtransport und die Behandlung des Abwassers von entscheidender Wichtigkeit.

Die steigende Viskosität und Feststoffbelastung des Abwassers stellen die Betreiber von Abwasseranlagen vor immer größere Herausforderungen. Es kommt vermehrt zu problematischen Betriebszuständen in Abwasserpump-stationen, die bislang zuverlässig das anfallende Abwasser aus dem Einzugsgebiet abgeleitet haben. Selbst bei optimalen Systemvoraus-setzungen lassen sich Schäden an den Abwasserpumpen wie auch ein erheblicher betrieblicher Aufwand nicht vermeiden. Es ist festzustellen, dass eine ordentliche Auslegung von Pumpensystemen sowie eine fachgerechte und regelmäßige Wartung der Anlagenteile nicht ausreichend sind um einen sicheren Betrieb der Pumpstationen zu gewährleisten.

In diesem Vortrag wurden betriebliche Ansätze zum sicheren Betrieb von Abwasserpumpstationen unter Betrachtung des betrieblichen Aufwandes zum Nutzen vorgestellt. Lösungen und Strategien sowie Einsatzgrenzen wurden von Herrn Rix anhand von Praxisbeispielen erläutert.

Schutz hydraulischer Systeme vor Luftansammlungen. Unterdruck und Druckstoß.

Die zweite Hälfte des Tages ging nach der Mittagspause mit dem Vortrag von Dipl. Ing. Bernd Husemann, AIRVALVE Control GmbH weiter. Der erfahrende Referent gestaltete seinen Vortrag im Grunde ähnlich wie am Vortag, da dieses Thema in der gesamten Wasserwirtschaft und somit sowohl in Trink- als auch in Abwasseranlagen einen hohen Stellenwert hat. Husemann unterstrich seinen Fakten mit zahlreichen Beispielen aus der Abwasserwirtschaft.

Tauchrührwerke in der Belebung und in der 4. Reinigungsstufe

Herr Hübner von Wilo widmete den zweiten Vortrag der Energieeffizienz in Belebungsbecken sowie in der 4. Reinigungsstufe mit moderner Rührwerkstechnik. Die Vorstellung der IE3- bzw. IE4-Motoren und die Tauchrührwerksreihe im Baukastensystem rundeten seinen Vortrag ab. Auch zahlreiche Praxisbeispiel durften in seinem Beitrag nicht fehlen.

Bei der Rührwerksauslegung sollten jeweils die neuesten Erkenntnisse bezüglich der notwendigen Schub-Leistungseintragswerte berücksichtigt werden. Dadurch kann der Energieeintrag manchmal drastisch gesenkt werden, ohne den Prozess der Anlage negativ zu beeinflussen. Wichtig ist es, dann die Rührwerke mit der Belüftung gut abzustimmen.

In einigen Fällen macht es Sinn Frequenzumrichter zum Einsatz zu bringen. Diese sollten außerhalb des Rührwerks installiert werden, um somit mit einem FU mehrere Rührwerke zu betreiben. Aufgrund der stufenlosen Drehzahlregelung ist keine definierte Angabe einer Schub- / Leistungsziffer gemäß ISO21630 mehr möglich – durch die Drehzahlregelung des Rührwerkes sind viele Betriebspunkte einstellbar. Aus diesen Gründen ist es schwer die Aggregate der verschiedenen Hersteller direkt zu vergleichen.

Hübner stellte die Ergebnisse einer Parameterstudie vor, die zeigt, wie man mittels CFD-Analyse an die Simulation der Strömung in Belebungsbecken herangeführt wird. Die Validierung der CFD-Modellierungsansätze für belüftete Umlaufbecken wurden hier anschaulich dargestellt.

Alternative Optionen einer 4. Reinigungsstufe auf Kläranlagen

Den letzten und äußerst interessanten Vortrag der zweitägigen Veranstaltung hielt Prof. Dr. Ing. E. Drewes von der Technischen Universität München zum Thema „Alternative Optionen einer 4. Reinigungsstufe auf Kläranlagen“.
Prof. Drewes stieg ein und stellte die Frage: „Was ist die 4. Reinigungsstufe und warum arbeitet man daran?“

Der Eintrag von anthropogenen Spurenstoffen und Krankheitserregern über das Abwasser in die Vorfluter ist oft dokumentiert und kann neben einer Bedrohung des Lebensraums vor allem die Qualität des Trinkwassers beeinträchtigen. Durch den Einsatz von Technologien zur Elimination von Spurenstoffen und Krankheitserregern aus Abwasser können verschiedene Ziele verfolgt werden. Zum einen die Erfüllung zu erwartender gesetzlicher Vorgaben, die Vorsorge und den Schutz unserer Trinkwasserreserven, die Verminderung ökotoxikologische Wirkungen im Gewässer und vieles weitere.

Er ging auf die neuen Wasserqualitätsanforderungen ein und stellte die unterschiedlichsten weitergehenden heutigen Abwasserbehandlungen mit Ozon und mit Aktivkohle vor. Er stellte stellvertretend für Bayern die Abwasserbehandlung der Kläranlage Weißenburg und Kläranlage München II vor, untermauert von Laboruntersuchungen und Untersuchungen im Pilotmaßstab.

Wo könnte eine weitergehende Behandlung noch ansetzen? – Diese Frage beantwortete er mit verschiedenen Möglichkeiten wie einer sequentiellen Grundwasseranreicherung oder Biofiltration.

Allerdings wären die Zielstellungen für weitergehende Behandlungen noch nicht klar definiert – kommt Drewes zum Schluss. Es gäbe naturnahe und biologische Alternativen zu Ozonierung und Aktivkohle. Dafür ist allerdings eine umfassende Entfernung mehrerer Barrieren notwendig. Die lokalen Gegebenheiten und auch die wesentlichen Reinigungsziele aber auch die Kosten müssen berücksichtigt werden.

Im Anschluss an den letzten Vortrag wurde eine weitere Diskussion zum Thema „Herausforderung in der Abwasserwirtschaft“ abgehalten. Nach der Diskussion beendet Herr Mario Hübner, WILO SE die Veranstaltung und verabschiedete die Teilnehmer.

„Wilo-Wassertage als Fachforum etabliert!“

Dem Feedback nach zu urteilen war die Veranstaltung wieder ein voller Erfolg. „Mit den Wilo-Wassertagen wollen wir aufgreifen, was die Branche und unsere Kunden brandaktuell bewegt und gleichzeitig Perspektiven und Lösungsansätze aufzeigen“, erklärt Oliver Hermes, Vorstandsvorsitzender der WILO Gruppe, der die Tagung als Gast besuchte - „Und das ist uns auch in diesem Jahr wieder hervorragend gelungen. Die hohe Teilnehmerzahl und die positiven Resonanzen sprechen da für sich. Persönlich habe ich mich vor allem über den angeregten Austausch aller Beteiligten gefreut, der die Bedeutung der Wilo-Wassertage für unsere Branche zusätzlich unterstreicht.“

Alle freuen sich bereits jetzt auf die 5. Wilo Wassertage am Adlersberg, die voraussichtlich im Herbst 2020 wieder auf dem Gelände des Prösslbräu Adlersberg stattfinden.

Bild: Hochkarätig besetztes Fachsymposium am Adlersberg an zwei Tagen mit annähernd 300 Teilnehmern (Foto: Wilo)

Quelle: Wilo

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