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14.07.2011

Großes Interesse an der fbr-Fachtagung „Wasserautarkes Grundstück“

Teilnehmer der fbr-Fachtagung (Foto: fbr)

Die Resonanz an der fbr-Fachtagung "Wasserautarkes Grundstück" am 24.05.2011 in Leipzig war groß - knapp 100 Teilnehmer und Teilnehmerinnen interessierten sich für die dezentrale Wassertechnologie.

Die veranstaltenden Verbände Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung e.V. (fbr) in Kooperation mit dem Bildungs- und Demonstrationszentrum für dezentrale Abwasserbehandlung – BDZ e.V. waren mit dem Zuspruch und dem Ablauf des Tages rundum zufrieden. fbr-Referent Dietmar Sperfeld: "Ein gutes Thema, das vor allem in den Flächenbundesländern auf großes Interesse bei Kommunen, Ingenieuren und Architekten stößt."

Klimaveränderungen, demographischer Wandel und die zunehmende Übernutzung von regionalen Wasservorräten erfordern ein Umdenken im Umgang mit Wasser und Stoffströmen in Siedlungen, so Torsten Grüter, Vizepräsident der fbr in seiner Begrüßung. "Es stellt sich daher die Frage", so Grüter, ob unsere bestehenden zentralen Wasserinfrastruktursysteme in der heutigen Form noch zukunftsfähig und finanzierbar sind. Denken in Kreisläufen – auch auf dem Grundstück – wird für die Siedlungswasserwirtschaft und Haustechnik zukünftig stärker in den Fokus rücken.

Abkopplung als Aufgabe für das 21. Jahrhundert
Den Auftakt der Veranstaltung machte Dr.-Ing. Harald Hiessl vom ISI-Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung mit der Frage nach der Abkopplung von zentraler Infrastruktur als gesellschaftlicher Trend oder technische Notwendigkeit. "Bei Betrachtung der Ausgangssituation und des Handlungsdruckes unter denen unser heutiges, konventionelles, zentrales urbanes Wasserinfrastruktursystem steht, wird klar", führt Dr. Hiessl aus, "dass nicht nur in den wasserreichen Industriestaaten sondern auch in ariden Regionen liegenden Ländern ein dringender Handlungsbedarf besteht, die Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit der Wasserinfrastruktursysteme unserer Siedlungen und Städte zu verbessern." Sein Vortrag zeigte auf, dass die große Zahl der bereits heute verfügbaren Bausteine eine sehr gute Basis für einen effizienten Umgang mit Wasser, Energie und Stoffen legt und neue Lösungskonzepte der Wasserver- und Abwasserentsorgung ermöglicht.

Wie kann das Wasser eingesetzt werden?
Regenwasserbewirtschaftung als Baustein für ein wasserautarkes Grundstück wurde von Torsten Grüter, Hennef vorgestellt. Die Entwicklung in der Regenwasserbewirtschaftung wie z.B. die Regenwassernutzung und die Versickerung ist mittlerweile technisch ausgereift und wirtschaftlich interessant, so Grüter. Mittlerweile schaffen auch die Kommunen die rechtlichen Rahmenbedingungen, um das Regenwasser als Ressource einzusetzen.

Mit den Vorträgen Grauwasserrecycling – ein zentraler Baustein der Autarkie – Konzepte und Visionen von Erwin Nolde, Nolde & Partner Technologieberatung für innovative Wasserkonzepte, Berlin und dem nachfolgenden Beitrag zur Schwarzwasserbehandlung unter Autarkieaspekten von Dr.-Ing. Elmar Dorgeloh vom Prüf- und Entwicklungsinstitut für Abwassertechnik an der RWTH Aachen e.V. konnten sich die Teilnehmer und Teilnehmerinnen über die Technik im Einzelnen und die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten anhand der vorgestellten Praxisbeispiele ein Bild verschaffen. Erwin Nolde zeigte an mehreren Beispielen, dass das reine Dusch- und Badewasserrecycling zwar in Hotelgebäuden jedoch in diversen Mehrfamilienhäusern meist nicht ausreichend war um den entsprechenden Toilettenspülwasserbedarf vollständig zu decken. Trotz hervorragender Betriebswasserqualität musste im Privatbereich wegen Betriebswassermangels deshalb mehrfach auf das Wäschewaschen mit recyceltem Grauwasser verzichtet werden. Durch den Einbezug des hoch belasteten Grauwassers aus Waschmaschinen und Küchen wurden er deutlich bessere Ergebnisse erzielt.

Abtrennung von Teilströmen rechtlich realisierbar
Rechtliche und administrative Rahmenbedingungen bei wasserautarken Grundstücken stellte Prof. Dr.-Ing. Martin Oldenburg von der Hochschule Ostwestfalen-Lippe vor. Nach einer Definition des Autarkiebegriffes zeigte Prof. Oldenburg die Auswirkungen der verschiedenen Gesetze und Verordnungen u.a. Infektionsschutzgesetz und Trinkwasserverordnung auf die Errichtung derartiger Systeme auf. Sein Fazit: „Die Einrichtung eines vollständig wasserautarken Grundstücks von mit eigener Wasserversorgung und Abwasserentsorgung wird auch zukünftig juristisch mit Hürden verbunden sein", so Herr Oldenburg. "Die Abtrennung und Aufbereitung von Teilströmen zur Nutzung als Betriebswasser ist heute schon möglich und wird durch die deutsche Rechtsprechung bestärkt. Das Wäsche waschen mit Regenwasser ist zudem mittlerweile mehrfach juristisch bestätigt worden. Letztendlich wird die Verwendung von Produkten aus der Teilstrombehandlung erst erfolgreich eingesetzt werden können, wenn hier eine Zulassung als Düngemittel erreicht worden ist."

Neue Sicht auf das Abwasser: Nährstoffrecycling und Wärmeenergie sind wertvolle Ressourcen
Den Umgang mit Energie- und Nährstoffrecycling in autarken Gebäuden stellte Torsten Bettendorf, Technische Universität Hamburg-Harburg vor. Herr Bettendorf zeigte anschaulich die Möglichkeiten, Wasser und Energie einzusparen aber auch wie die Nährstoffrückgewinnung teils mit einfachen Mitteln erreicht werden kann. "Nicht die strikte Trennung von zentral und dezentral ist die Lösung, sondern der Verbund von beiden Systemen."

Ähnlich äußert sich auch Frau Dr. Eve Menger-Krug mit ihrem Vortrag zur Wärmerückgewinnung aus Grauwasser am Beispiel einer Anlage in einem Studentenwohnheim in Freiburg. Grauwasser aus Badewanne und Dusche eignet sich gut als Ressource für Maßnahmen zur Wasserwiederverwendung, da es im Vergleich zu Mischabwasser deutlich weniger belastet ist. Die Potentiale der Kosteneinsparung zeigte sie anhand verschiedener Varianten, die im Rahmen des Projektes gerechnet worden sind. Amortisationszeiten sind bereits nach 8 Jahren unter Annahme von niedrigeren Teuerungsraten für Energie und Wasser erreichbar. Bei schneller steigenden Energie- und Wasserkosten wird dieser Zeitraum deutlich unterschritten.

Ökologische Gesamtwasserbilanz - wichtig
Eine vollständig autarke Lösung stellte Michael Wilhelm aus Bous anhand eines Bürogebäudes vor. Bei dem vorgestellten Projekt kommen eine Regenwassernutzungsanlage, eine Grauwasseranlage sowie eine Anlage zur Trinkwasseraufbereitung zum Einsatz. Grundvoraussetzung für die Planung war die Erstellung einer ökologischen Gesamtwasserbilanz für das Projekt. Das anfallende Abwasser wird in einer vollbiologischen Kläranlage auf dem Grundstück gereinigt. "Die gesamte Anlage rechnet sich bereits nach 4 Jahren", so Michael Wilhelm, "was den Einsatz gerade für mittelständische Unternehmen interessant machen kann."
Aus Sicht des Saniresch Projektes zur Behandlung und Verwertung von Urin, Braunwasser und Grauwasser berichtete Dr.-Ing. Martina Winker von der Internationalen Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH über die ersten Ergebnisse des Pilotprojektes am Beispiel des GIZ Gebäudes in Eschborn.

Über die eingebauten Trenntoiletten und wasserlosen Urinale im Gebäude wird Urin separat erfasst und mit Hilfe eines chemisch-physikalischen Prozesses in einem Fällungsreaktor aufbereitet. Das Endprodukt entsteht ein Magnesium-Ammonium-Phosphat (MAP) in fester Form mit wertvollen Düngungseigenschaften. Ein großer Schritt für die weitere Umsetzung wird nun im Jahr 2011 erfolgen, da dieses Jahr alle Anlagen implementiert und erstmals Feldversuche mit Urin und MAP erfolgen werden."

Fazit
Insgesamt hat die Veranstaltung viele Facetten der Autarkie aufgezeigt. In der anschließenden Diskussion mit der Fragestellung: „Sind wasserautarke Lösungen heute schon umsetzbar“ wurde unter der Moderation von Dr. Harald Hiessl sehr engagiert diskutiert. Einzelne Technikbausteine sind heute schon verfügbar, so das Fazit der Teilnehmer. Wünschenswert sind Aspekte der Energie- und Nährstoffrückgewinnung in die technische Umsetzung mit einzubeziehen, was Haustechnikplaner vor neue Aufgaben stellt.

Auch sollte sich der Autarkiebegriff nicht nur auf Insellösungen beziehen, sondern im urbanen Raum Stadtquartiere und Stadtteile mit einbeziehen. Hierzu wird noch weiterer Forschungs- und Entwicklungsbedarf gesehen. Sowohl die Politik, Kommunen und die Wasserwirtschaft sind aufgerufen, an konstruktiven Lösungen mitzuarbeiten.

Für die weitere Entwicklung wasserautarker Lösungen in der Gebäudetechnik werden gute Chancen gesehen, so Dr. Hiessl, da rund 80 Prozent des Gebäudebestandes in Deutschland vor 1980 gebaut ist und dadurch zukünftig ein Investitionsbedarf in der Infrastruktur und der Gebäudewirtschaft notwendig wird. Hier sind Chancen zu einer Modernisierung mit zukunftsfähigen autarken Lösungen zu ergreifen.

Die Verbände fbr und BDZ werden das Thema auch zukünftig weiter aktiv bearbeiten.

Bild: Teilnehmer der fbr-Fachtagung (Foto: fbr)

Quelle: fbr

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