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27.04.2011

Rückblick fbr-Fachtagung: Regenwassernutzung in öffentlichen und sozialen Einrichtungen

Am 10. Februar 2011 fand in Frankfurt am Main die fbr-Fachtagung Regenwassernutzung in öffentlichen und sozialen Einrichtungen unter der Schirmherrschaft von Prof. Dr. Dr. Klaus Töpfer, Former Under Secretary General United Nations, statt.

Die Fachtagung informierte zu Möglichkeiten der Regenwassernutzung, der Versickerung sowie der Verdunstung von Regenwasser im kommunalen und öffentlichen Bereich sowie in Unternehmen. Die Fachtagung wurde von den Firmen ARIS GmbH und SpinFlow GmbH unterstützt.

Regenwassernutzung birgt keine hygienischen Gefahren
Die Diskussion um Hygienefragen bei der Nutzung von Regenwasser bzw. Zisternenwasser ist in den letzten Jahren deutlich zur Ruhe gekommen und Sachargumente und wissenschaftliche Untersuchungen haben sich letztlich gegen eine Reihe von vor allem emotional belasteten Argumenten durchgesetzt, so Priv. Doz. Dr. Reinhard Holländer, Direktor a. D. Institut für Allgemeine Hygiene, Krankenhaushygiene und Umwelthygiene, Bremen. Nach mittlerweile 15- bis 20-jähriger Erfahrung kann festgestellt werden, dass trotz aller Widerstände seitens der Gesundheitsbehörden und der Wasserversorger keine der Bedenken, die mit Argumenten der Hygiene resp. „Unhygiene“ vorgebracht wurden, eingetreten sind. Die Nutzung von Regenwasser bietet bei sachgemäßer Konstruktion der Anlage nach DIN 1989 und bestimmungsgemäßem Gebrauch weder für den Einzelnen noch für die Bevölkerung eine gesundheitliche Gefährdung.

Einen Einblick zur Regenwassernutzung in einem städtischen Krankenhaus gab Heiko Kohlrenken, Technischer Leiter im Klinikum Bad Hersfeld. Er zeigte auf, dass bei sachgemäßem Gebrauch von Regenwasser keine Gefahr für Personal und Patienten ausgeht. Das Klinikum Bad Hersfeld nutzt bereits seit 1995 Regenwasser, welches in erster Linie für die Bewässerung der Grünanlagen sowie die Toiletten für Patienten und Besucher eingesetzt wird. Neben dem Umweltschutz spielen für das Krankenhaus auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle: Zusammen mit der Trinkwassergebühr spart das Klinikum Bad Hersfeld knapp 6.000 € pro Jahr durch die Regenwassernutzung. Die Betriebskosten einschließlich Filterwartung und Strom für die Regenwasserpumpen werden in etwa ausgeglichen durch die nicht mehr erforderliche Enthärtung des Trinkwassers für die Kühlung, so Herr Kohlrenken.

Verschiedene Verwendungszwecke erfordern unterschiedliche Wasserqualitäten
Die Bewirtschaftung von Regenwasser ist ein wesentliches Element beim nachhaltigen Umgang mit Ressourcen und dringende Voraussetzung, um die Anforderungen des Wasserhaushaltsgesetztes und der EG Wasserrahmenrichtlinie zu erfüllen, so Dipl.-Ing. Brigitte Reichmann von der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, FB Ökologisches Bauen in ihrem Vortrag. Frau Reichmann führte aus, dass sich Regenwassernutzungsanlagen in den letzten Jahren vom Experiment zum Standard entwickelt haben. Wasser muss mit unterschiedlichen Güteeigenschaften für die verschiedenen Verwendungszwecke bereitgestellt werden. Die hohen Qualitätsanforderungen für Trinkwasser sind nicht in allen Nutzungsbereichen erforderlich. Für die Planung sind heute nicht nur die anerkannten technischen Regeln erforderlich, sondern die Optimierung im Hinblick auf vielfältige, teils konkurrierende Ziele. Wesentlich ist es den örtlichen Gegebenheiten angepasste Lösungen zu entwickeln.

Regenwasser ist vielseitig einsetzbar
Regenwasser zur Kühlung und Klimatisierung war das Thema, zu dem Prof. Dr. Peter M. Kunz, Hochschule Mannheim - Institut für Biologische Verfahrenstechnik referierte. Anhand verschiedener Beispiele zeigte Prof. Kunz auf, dass sich Regenwasser durch die geringe Härte und die relativ gute Wasserqualität hervorragend für den Einsatz in Kühlkreisläufen eignet. Amortisationszeiten von zwei bis fünf Jahren sind in diesem Bereich die Regel, so Kunz.

Anschließend erläuterte Dipl. Ing. Martin Käser vom Ingenieurbüro - Technische Gesamtplanung aus Stuttgart den Teilnehmern wie sich Grauwassernutzung mit Regenwassernachspeisung in einem Einfamilienhaus im Landkreis Ludwigsburg realisieren ließ. Bei diesem Projekt war in jedem Fall sicherzustellen, dass das überlaufende Wasser aus der Zisterne, das aufbereitetes Grauwasser enthält, nicht in den Bach gelangen kann, sondern in den städtischen Sammler eingeleitet wird.

Eine Bestandsaufnahme nach zehnjährigem Betrieb von Regenwassernutzung in einem Altenpflegeheim mit integrierter UV- Desinfektion gab Dipl. Ing. Rolf Rheinschmidt, Umwelt : Hygiene : Gesundheit – Institut, Haan. Im Zuge des Umbaus eines Altenpflegeheims in einer Großstadt in Nordrhein-Westfalen wurde im Jahr 1999 eine Regenwassernutzungsanlage für die Toiletten eingebaut. Um die hohen (hygienischen) Qualitätsstandards des geförderten Wassers zu gewährleisten, forderte das Gesundheitsamt den Einbau einer UV-Desinfektion. Fazit: Nach 10 Jahren Betrieb läuft die Anlage laut Betreiber zufriedenstellend.

Abgerundet wurden die Fallbeispiele durch internationale Projektbeispiele und Erfahrungen. Diese wurden von Herr Dipl.-Ing. Stefan Prakesch, Wernau (Neckar) vorgetragen, der seinen Vortagsschwerpunkt auf die Besonderheiten der Regen- und Betriebswassernutzung in sozialen Einrichtungen legt. Ziel war es, diese Besonderheiten aufzuzeigen und anhand von Praxisbeispielen die Potenziale in diesem Gebäudetyp darzustellen.

Fazit
Die Praxisbeispiele unterstreichen den Erfolg von Systemen zur Betriebs- und Regenwassernutzung auch in sensiblen Bereichen wie Krankenhäusern und öffentlichen Einrichtungen, so Klaus W. König in seinem Fazit. Durch die sinnvolle Kombination von Regenwasser mit u. a. Löschwasser oder Wasser aus Osmoseanlagen, wie im Kreiskrankenhaus Bad Herzfeld, wird der Kreis zu einem Wassermanagementsystem im Gebäude schnell geschlossen mit entsprechend kurzen Amortisationszeiten. Vor allem Ingenieure der Haustechnik (TGA) sind hier gefordert, innovative Wasserkonzepte in Gebäuden zu etablieren und weiter zu entwickeln.

Abschließend bedankte sich Vizepräsident Klaus W. König bei der fbr-Fachgruppe Industrielle Betriebswassernutzung für die inhaltliche Initiative und fachliche Begleitung der Veranstaltung.

Quelle: fbr

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